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Dr(B)eat Hip Hop Projekt im Festspielhaus Hellerau in Dresden

Dr(B)eat Hip Hop Projekt im Festspielhaus Hellerau in Dresden

"Die Hochkultur öffnet sich für Kinder" stimmt nicht ganz. Das Festspielhaus Hellerau lässt sich entdecken, trifft das Anliegen deutlich besser. Wer üblicherweise den großen Parkplatz in Hellerau betritt, wird in aller Regel nicht von Kindern begrüßt.

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Gewimmel mit Struktur und Lebensfreude.

Quelle: Peter Fiebig

Weite Hosen, große Wollmützen auf dem Kopf und bunte T-Shirts waren die Farbkleckse des Dr(B)eat Hip Hop Projektes, einer Kooperation mit der 121. Mittelschule Dresden Prohlis, dem Stadtteilzentrum Emmers Dresden-Pieschen und dem Hort der 82. Grundschule Dresden sowie WhatEver, 44 Skillz, Clarity Crew, Spike Dresden.

Wenn beim Arbeitstitel "Projekt" als Hauptakteure Kinder fungieren, steht bei dieser Konstellation schnell die Kunst in der Kritik und damit auch die Ideengeber und Verantwortlichen. Ruht das Augenmerk auf der Kunst, werden die Kinder in aller Regel nur benutzt, um die eigene Vorstellung zu unterstreichen. Das Gegenteil ist ähnlich problematisch, dann nämlich, wenn die Kinder die Hauptrolle aufgeladen bekommen, dann bleibt das Künstlerische schnell auf der Strecke.

Schon aus dieser Ausgangssituation heraus war es für Yeri Anarika Vargas Sanchez als künstlerischer Leiterin nicht ganz leicht, den richtigen Weg zu finden. Letztendlich hat sie sich dazu entschieden, nichts von beiden Extremen auf die Bühne zu stellen. Die Aussage bleibt interpretationsbedürftig, und die Kunst war frei von Dogmen. Klingt schwer nachvollziehbar, war aber in der Umsetzung unglaublich interessant. Das Ergebnis, das das Publikum ca. eine halbe Stunde später zu sehen bekam, war schon zu erkennen in dem, was sich vor dem Festspielhaus und im Foyer abspielte. Die Protagonisten turnten nicht an der Leine, waren nicht permanent gefordert und reglementiert, sie waren frei. Die Tänzer, die in einem wochenlangen und kraftraubenden Crashkurs das Tanzen etwas nahe gebracht bekamen, sprangen wild durch die Gegend, während die Wartenden vor der Tür noch eine Videosequenz von den Proben gezeigt bekamen.

Diese Frische und unverbrauchte Art war es dann auch, die die Show so natürlich aussehen ließ. Knapp 50 Kinder aus Prohlis und Klotzsche bekamen eine Stunde Aufmerksamkeit, um zu zeigen, was in ihnen steckt. Das war der eine, der emotionale Teil. Was sie aber wahrscheinlich gar nicht bemerkten und was ihrer Binnensicht geschuldet war, sie wurden Teil eines Ganzen. Sie wurden nicht verschwendet, nicht vorgeführt - sie zeigten sich, bekamen den Raum, den sie brauchten, damit ihre eigene Persönlichkeit erkennbar wurde, ihre Aufregung, ihre Motivation und ihre Sicht auf die Dinge.

Von den Sängern und Tänzern, die vermutlich zum ersten Mal etwas von Street Art während der Proben hörten, war nicht mehr und nicht weniger gefordert als sich so authentisch wie möglich zu geben. Mit viel harter Arbeit gelang dies, und es überraschte kaum, als die künstlerische Leiterin nach dem Premierenapplaus unumwunden zugab, dass es einige Nerven kostete, diesen Sack Flöhe zu hüten und ihnen des Gefühl für Takt und Bewegung zu vermitteln. In einigen Fällen ist das überraschend gut gelungen, aber das war allenfalls eine schöne Randerscheinung, aus der manche der Tänzer noch etwas machen können, wenn sie weiterhin hart trainieren.

Worauf es in Hellerau zunächst ankam, war, ihnen eine Bühne zu geben, die sie gern betraten und sich darauf wohlfühlten - und dieses Anliegen wurde umgesetzt, ohne die Kopie von selbsternannten Ghettorappern und aufgesetzten HipHop-Allüren. Die Crew in Hellerau setzte auf die Macht der eigenen Sprache und deren Quellen, so kam es viel authentischer beim Publikum an, wenn man den eigenen Slang beibehielt: "Wir komm' aus Prohlis, doch das bedeutet nichts". Es gibt schließlich vor der Haustür genügend Stress mit Drogen, Alkohol und Zigaretten, dass es durchaus sinnvoll ist, darüber zu singen und die eigene Stadt zu zeigen. Auf der Bühne liefen dazu zwei Tänzer aus der Platte quer durch Dresden, die Kameraführung vermittelte die subjektive Wahrnehmung, und das Bild war installiert - nur zwei schöne Einfälle, die das Zusammenspiel von Kindern und Profis zeigte.

Ob sich im Publikum und auf der Bühne jemand darüber im Klaren war, dass hier Breakdance im wahrsten Sinne des Wortes gelebt wurde, weil hier der Alltag pausieren konnte, tut kaum etwas zur Sache, zeigt aber, wie perfekt die Street Art nach ihren eigenen Gesetzen funktioniert.

@www.hellerau.org

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.06.2013

Stephan Wiegand

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