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Dota spielt in der Dresdner Saloppe – Mit Pauken und Trompeten

Konzert Dota spielt in der Dresdner Saloppe – Mit Pauken und Trompeten

Mit „Pauken und Trompeten“ hat Dota Kehr am Freitagabend in Dresden ihren Tourauftakt gefeiert. In der rappelvollen Saloppe rief sie mit glockenklarer Stimme und tanzbaren Rhythmen auch zum Widerstand gegen den Kapitalismus auf.

Dota spielt in der Dresdner Saloppe – Mit Pauken und Trompeten

Quelle: Anja Schneider

Dresden. Wie es sich für eine waschechte Sängerin gehört, betritt die erwachsen gewordene Dota Kehr die Bühne mit Verspätung. „Trägst du mich bis nach Hause?“ fragt die 38-jährige Berlinerin wehmütig in ihrem Auftaktsong für den Freitagabend in der Saloppe. Aber das Publikum will bleiben, schlüpft zurück in die Sandaletten und beginnt sich langsam von der Wiese und den Treppenstufen vor der Open-Air Bühne zu erheben. Um 18 Uhr begann der Einlass, die Gäste hatten es sich auf dem weitläufigen Areal der Saloppe bequem gemacht und sich ins Gras gefläzt. Dafür, dass Dotas poetische Lieder von so manchem männlichen Mittdreißiger als „Mädchenmusik“ abgetan werden, wippen erstaunlich viele von ihnen zu der treibenden Musik der Berliner Sängerin und ihren sieben Bandkollegen.

Dota in der Dresdner Saloppe

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Ist es das feuchter werdende Gras oder der groovige Beat von den teilweise südamerikanisch anmutenden Rhythmen, der am Ende des ersten Songs schließlich alle Zuhörer dazu bringt, das Weinglas beiseite zu stellen und wenigstens ein bisschen mit der Hüfte zu wackeln? Sieben Stücke des aktuellen Albums „Keine Gefahr“ kündigt Kehr an zu spielen. Dazu ältere Lieder aus ihrer Zeit als die blonde Sängerin in den 2000er Jahren noch als Kleingeldprinzessin shoppingwütiges Laufpublikum in Fußgängerzonen bespaßte. „Und ich hoffe ihr seid ein geduldiges Publikum, ich habe einige Experimente mit euch vor“, ruft die zierliche, studierte Medizinerin im leuchtend roten Kleid von der Bühne über die Rhododendron-Hecke ihrem Publikum zu. Man könnte meinen, einen Plausch mit dem aufgeweckten Mädchen von nebenan zu führen. Ist ihr rotes Blumenkleid Zufall oder doch eine Anspielung auf ihre politische Gesinnung? Bei Frau Kehr weiß man nie. Genau wie ihre Songs, die vertonte Geschichten erzählen und zum Ende hin plötzlich eine unerwartete Wendung nehmen.

Den größten Applaus bekommt sie für ein Stück, das „sehr spontan entstanden ist und daher leider eine schlechte Meldodie hat, in das ich die Musiker nicht mit reinziehen will“. Prompt verlassen die Bläser, die Dame am Vibrafon und der Schlagzeuger die Bühne und Dota singt alleine mit ihrer Gitarre „Geld verdirbt den Charakter/es ist einfach, es ist wahr“ und bescheinigt den Kapitalismusverfechtern „ein Karma wie Dieter Bohlen“. Darauf folgt das erste Experiment mit dem Dresdner Publikum. Mit engelsgleicher Stimme präsentiert Dota ein von ihr vertontes Gedicht von Mascha Kaléko. Kommt gut an. Daraufhin folgt Frau Kehrs zweiter Streich: Ein Klamauk, den sie nun einmal vor Publlikum ausprobieren möchte, fertig ist bisher nur der Refrain: „Wo ist der Widerstand/haben wir alle kein Geld und keine Zeit?/Aber wer löst das Problem?/Wir müssen nicht untergehen/ Ich hab' Schwangere im Baumarkt gesehen.

In der zweiten Hälfte werden die Rhythmen tanzbarer und ihre Texte politischer. In ihrem Song „Rassistischer Witz“ fragt sie sich am Ende: „Ist ein Witz nur ein Witz oder schon ein Problem?/So macht's das halbe Land, keiner weiß wie man am besten reagiert“. Das Publikum quittiert die Zeilen mit einem zustimmenden Raunen. In „Monster“ besingt sie Datenkraken und eine privatisierte Polizei, in „Wesen der Glut“, den Funken des Widerstands. Grenzen sollten aus Respekt, nicht aus Stacheldraht sein, singt Dota der fast ausverkauften Saloppe entgegen. Erneutes Raunen. Mit ihrem Stück „Rennrad“ vom aktuellen Album hat sie wohl einige Zuhörer angelockt. Schließlich läuft der sommerliche Song auf den Independent -Radios gerade rauf und runter und tatsächlich erweist sich das Publikum als ziemlich textsicher. Zum Abschluss zeigt Dota mit ihrer Band, dass sie auch elektronisch können. „Elektrosmog“ verlangt dem Synthesizer einiges ab und Dotas verzackte Tanzbewegungen können es mit den regelmäßigen Dresdner Sektor-Gängern auf jeden Fall aufnehmen. „Ich hab ein Ziel im Leben: Ich möchte kein One-Hit-Wonder sein“, lässt Dota zwischendurch mal fallen. Die Chancen dafür stehen gut, denn noch am Ausgang hört man von hier und dort „Wir müssen nicht untergehen/ Ich hab Schwangere im Baumarkt gesehen.

Tomke Giedigkeit

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