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Doppelausstellung von Skulpturen in den Dresdner Alten Meistern

Die Zukunft angedeutet Doppelausstellung von Skulpturen in den Dresdner Alten Meistern

Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden eröffnen mit „Meisterwerke der Renaissance- und Barockskulptur“ und „Die Mengs’sche Abguss-Sammlung“ zwei neue Dauerausstellungen der Skulpturensammlung in der Gemäldegalerie Alte Meister. Aus der Mengs-Sammlung sind 120 Stücke erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg wieder zugänglich. Dazu gesellen sich 40 Bronzen und Marmorplastiken. Damit wird die Zukunft angedeutet: Ab 2018, nach fertiger Sanierung der Galerie Alte Meister, sollen sich Skulpturen und Gemälde an diesem Ort mischen.

Die Mengs’sche Abguss-Sammlung.
 

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden.  „Paragone“ bezeichnet die seit dem 15. Jahrhundert wohl am leidenschaftlichsten geführte Diskussion der bildenden Kunst. Der Begriff bedeutet Vergleich oder Wettstreit, gemeint ist der produktive und zum Teil erbittert geführte Rangstreit zwischen Kunstgattungen, allen voran zwischen Malerei und Skulptur, aber auch zwischen künstlerischen Epochen, wie Antike und Neuzeit, zwischen künstlerischen Prinzipien, Kunstzentren und einzelnen Künstlern. Bilder und Bildwerke werden dabei zu schlagenden Argumenten für die eigene künstlerische wie intellektuelle Überlegenheit.

Die Praxis, dass Künstler in ihren Werken oder in theoretischen Auslassungen über das eigene künstlerische Medium, die eigene Meisterschaft und damit über ihren Status reflektieren, ist so alt wie die Kunst selbst. Mit der Renaissance aber wurde der Wettstreit zwischen Antike und „Moderne“ ebenso wie der zwischen Bildhauerei und Malerei von den prominentesten Künstlern und Kunsttheoretikern ausgetragen. Während im Streit der Gattungen etwa Leonardo da Vinci und der Theoretiker Leon Battista Alberti der Malerei den Vorrang gaben, weil die Bildhauerei stärker Handwerk und Material verhaftet sei, bevorzugten Bildhauer wie Benvenuto Cellini und Giambologna die Plastik wegen ihrer Allansichtigkeit und damit größeren Naturähnlichkeit sowie wegen ihrer Oberflächengestaltung. Zugleich versuchten schon Mitte des 16. Jahrhunderts Kunsttheoretiker wie Benedetto Varchi und Giorgio Vasari die Kunstgattungen mit dem Verweis auf das sie verbindende Prinzip des „disegno“, der Zeichnung also, zu versöhnen.

Skulpturen aus Barock und Renaissance im Semperbau

Skulpturen aus Barock und Renaissance im Semperbau

Quelle: Dietrich Flechtner

Wie eng und ergiebig die Verbindungen zwischen Bildhauerei und Malerei sind, lässt sich in Dresden nun in zwei neuen Dauerausstellungen der Skulpturensammlung in der Gemäldegalerie Alte Meister wieder anschaulich nachvollziehen. In der einen Ausstellung, im sogenannten Deutschen Saal des Semperbaus, wird eine Auswahl von mehr als 120 Werken der historischen Abguss-Sammlung gezeigt, die der Dresdner Hofmaler und Kunsttheoretiker Anton Raphael Mengs Mitte des 18. Jahrhunderts in Rom zusammengetragen hatte und die 1782 aus dessen Nachlass für den sächsischen Hof erworben wurde.

Nach barocken Anfängen ließ Mengs die unmittelbare Wirkung der antiken Bildwerke in Rom zum besessenen Sammler und Wegbereiter des Klassizismus werden, der unter Aufwendung seines gesamten Vermögens Gipsabgüsse nach antiken Kunstwerken zusammentrug. Die Sammlung von Mengs umfasste ursprünglich mehr als 800 Objekte, die er jungen Künstlern zu Studienzwecken zur Verfügung stellte. Etwa die Hälfte dieser Sammlung ist erhalten und bildet heute den mutmaßlich größten Bestand historischer Gipabgüsse des 17. und 18. Jahrhunderts. In Dresden ursprünglich im Johanneum am Stallhof, heute Verkehrsmuseum, in einem Gebäude gemeinsam mit der fürstlichen Gemäldesammlung untergebracht, war die Mengs’sche Abguss-Sammlung seit 1857 bereits in der Osthalle des Semperbaus am Zwinger ausgestellt, bis zur kriegsbedingten Auslagerung. Nach mehr als 70 Jahren werden ihre zentralen Teile nun erstmals wieder museal präsentiert.

Dabei hat man sich gegen eine archäologische, chronologische oder thematische Aufstellung entschieden, wie Astrid Nielsen, Konservatorin der Skulpturensammlung, herausstellt. Inspiriert von der Präsentation des ausgehenden 18. Jahrhunderts im Stallgebäude, von der wir durch die handkolorierten Federzeichnungen des Johann Gottlob Matthäi eine Ahnung haben, wurde „eine ästhetische Ausstellung“ geschaffen. Dieser sammlungsgeschichtliche Zugang mit Gespür fürs wirkungsvolle Gruppieren und Rhythmisieren funktioniert in dieser Neueinrichtung des Deutschen Saals sehr gut. Endlich werden hier wieder die für Malerei und Skulptur der Renaissance und des Barock gleichermaßen essenziellen antiken Bezugsgrößen erfahrbar, wie der schönlinige Apoll und der mächtige Torso vom Belvedere.

Ohne den Verweis auf die Antike sind auch die Exponate der zweiten neuen Ausstellung im Semperbau am Zwinger nicht zu denken. Im ehemaligen „Bellottogang“ werden in chronologischer Abfolge circa 40 Bronzen und Steinskulpturen aus Renaissance und Barock präsentiert, die einen der bedeutendsten Teilbestände der Skulpturensammlung ausmachen.

Als besonderes Glanzstück muss hier das kleinformatige Reiterstandbild des Marc Aurel von Antonio Averlino, genannt Filarete, von 1440 gelten. In Renaissance und Barock waren Reiterstandbilder neben Einzelfiguren die wichtigste künstlerische Aufgabe. Häufig wurden sie nach antiken Vorbildern gearbeitet, wie dieses nach dem auf dem Kapitolsplatz in Rom aufgestellten monumentalen Reiterbildnis des Marc Aurel. Die Dresdner Bronze ist nicht nur die früheste und wohl beste verkleinerte Version davon, die Arbeit des Florentiner Architekten, Bildhauers und Theoretikers Filarete stellt zugleich die früheste signierte Kleinbronze der Renaissance dar und besticht durch das natürliche Zusammenspiel von gelöst und ohne Sattel sitzendem Herrscher und vorwärts strebendem gedrungenen Pferd.

Elegante und dabei doch dramatische Bewegtheit kennzeichnet die plastischen Gruppen des 16. und 17. Jahrhunderts, die in der Ausstellung zahlreich versammelt sind. Diese in Bronze ausgeführten Werke sind häufig Reduktionen von Antiken oder aber von großformatigen zeitgenössischen Arbeiten. Im kleinen Format führen sie in geschraubten Posen Allansichtigkeit und effektvolle Materialität vor, wie Giambolognas „Nessus und Deianira“ und der rundplastische „Tanzende Faun“ von dessen Schüler, dem niederländischen Bildhauer Adriaen de Vries, vom Ende des 16. Jahrhunderts.

Gerade aufgrund ihrer programmatischen Mehransichtigkeit und Oberflächengestaltung gehören die nun in der Galerie Alte Meister ausgestellten Plastiken und Skulpturen nicht ins Depot, auch nicht in ein Schaudepot. Figürliche Plastik ist untrennbar mit dem menschlichen Körper verbunden und kann nur in Relation zu ihm und aus der gemeinsamen Raumerfahrung heraus angemessen erschlossen werden. Und erst in der Zusammenschau von Bildhauerei und Malerei – wobei die Skulpturen eben nicht als dekorative dreidimensionale Auflockerung einer Ausstellung von Gemälden zu missverstehen sind – offenbart sich ihre historische, inhaltliche und ästhetisch-kompositionelle Verflechtung.

Dass im Semperbau am Zwinger nun dafür wieder die Grundlagen geschaffen wurden, zumal in räumlicher Nähe zu den Werken der Malerei, ist zu begrüßen. In diesem ‚Paragone der Kunstsammlungen’ kommt zusammen, was historisch zusammengehört.

Skulptur im Semperbau: „Die Mengs’sche Abguss-Sammlung“ und „Meisterwerke der Renaissance- und Barockskulptur“, Dauerausstellungen der Skulpturensammlung in der Gemäldegalerie Alte Meister, Semperbau am Zwinger, Theaterplatz 1. www.skd.museum.de.

Von Teresa Ende

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