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Dokumentarfilm „Viktors Kopf“ in Dresden

Spurensuche im Schweigen Dokumentarfilm „Viktors Kopf“ in Dresden

2013 begab sich Carmen Eckhardt auf Spurensuche, vor und hinter der Kamera, um das Schicksal ihres Urgroßvaters zu ergründen. „Verschollen“ sei er, hieß es jahrzehntelang aus Eckhardts Familie, Nachfragen zu den Umständen oder Details wurde mit Schweigen abgetan.

Das originale Polizeifoto von Georg Viktor Kunz, um 1942.

Quelle: isd

Dresden.  Wer war Georg Viktor Kunz? Er war ein antifaschistischer Widerstandskämpfer und bekennender Pazifist, wurde von den Nazis wegen „Volksverrat“ verurteilt und 1943 hingerichtet – enthauptet, für medizinische Forschungszwecke als „Präparat“ am Anatomischen Institut der Universität in Tübingen benutzt, seine Überreste eingeäschert und anschließend unter falschem Namen auf einem anonymen Gräberfeld beerdigt. Das und vieles mehr weiß man heute über Georg Viktor Kunz – dank seiner Urenkelin, der Regisseurin und Dokumentarfilmerin Carmen Eckhardt.

2013 begab sie sich auf Spurensuche, vor und hinter der Kamera, um das Schicksal ihres Urgroßvaters zu ergründen. „Verschollen“ sei er, hieß es jahrzehntelang aus Eckhardts Familie, Nachfragen zu den Umständen oder Details wurde mit Schweigen abgetan. „Lediglich mein Vater erzählte ab und zu, Viktor sei ein Widerständler gewesen, Schicksal ungewiss“, so Eckhardt. Doch der Drang nach Antworten und das Zureden ihrer eigenen Tochter bewegte die Filmemacherin schließlich dazu – im Angesicht einer unangenehmen Wahrheit –, den Kampf mit Archiven, Ämtern, Akten und der Justiz aufzunehmen. Stück für Stück fügte sie geduldig verschiedene Puzzleteile zusammen, ihre Reise endete schließlich auf dem Tübinger Stadtfriedhof. Als „Georg Goss“ wurde ihr Urgroßvater dort beerdigt.

Entstanden ist bei dieser Odyssee zwischen Gegenwart und Vergangenheit ein 88-minütiger Dokumentarfilm über den steinigen Weg einer Frau, auf der Suche nach Antworten. Allen Widrigkeiten und der Erkenntnis, dass bei der Aufarbeitung von Nazi-Verbrechen noch vieles im Argen zu liegen scheint, zum Trotz, deckte Eckhardt nicht nur das Schicksal ihres Urgroßvaters auf, sondern hielt am Ende sogar einen handgeschriebenen Abschiedsbrief von Georg Viktor Kunz in den Händen – 70 Jahre nach dessen Tod, gefunden im Bundesarchiv.

„Viktors Kopf“ heißt das Werk von Carmen Eckhardt, in dem sie die Geschichte ihres Urgroßvaters erkundet und gleichzeitig auch verarbeitet: „Ich habe nach einer schwierigen Leidensphase meinen Frieden geschlossen, Schmerz und Betroffenheit sind nicht mehr vordergründig.“ Mit ihrer bewegenden Chronik ist die Filmemacherin heute Abend zu Gast in der Gedenkstätte Münchener Platz.

„Der Film erzählt eine Geschichte, wie sie hunderte Male auch in Dresden passierte: Gegner des nationalsozialistischen Regimes erhielten die Todesstrafe und kamen zur Vollstreckung in die Untersuchungshaftanstalt auf der George-Bähr-Straße“, sagt Gerald Hacke von der Gedenkstätte Münchener Platz. Bis in den Herbst 1942 hieß der Scharfrichter in Dresden Johann Reichhart, eben jener, der als berufsmäßiger Pendler 1943 auch das Todesurteil gegen Georg Viktor Kunz in Stuttgart vollstreckte.

Als Konsequenz ihrer Recherche ficht Viktor Kunz’ Urenkelin das “Unrechtsurteil“ gegen ihren Urgroßvater an. „Mir geht es um Viktors symbolische Rehabilitierung, stellvertretend für viele andere, deren Mut und Zivilcourage nie gewürdigt wurde – nicht in der Gesellschaft der Nachkriegszeit, nicht in den eigenen Familien“, so Eckhardt.

„Viktors Kopf“, heute, 19 Uhr, Gedenkstätte Münchener Platz, mit Regisseurin Carmen Eckhardt.

Trailer: vimeo.com/ondemand/viktorskopf/183280896

Von Sebastian Burkhardt

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