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Direktor Dirk Syndram über zehn Jahre Historisches Grünes Gewölbe in Dresden

Interview zum Jubiläum Direktor Dirk Syndram über zehn Jahre Historisches Grünes Gewölbe in Dresden

Am 15. September 2006 war es soweit: Das im zweiten Weltkrieg stark beschädigte Grüne Gewölbe empfing nach Jahren der Rekonstruktion und Restaurierung wieder Besucher. Aus Anlass des Jubiläums sprach Lisa Werner-Art mit Dirk Syndram, Direktor des Grünen Gewölbes und seit 2006 Direktor der Rüstkammer.

Der Pretiosensaal des Historischen Grünen Gewölbes.

Quelle: Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Hans Christian Krass

Dresden.


Frage: Vor welchen Herausforderungen standen Sie mit Ihren Mitarbeitern bei der Wiederherstellung des Grünen Gewölbes? Wie kam es zur Idee von den „zwei“ Grünen Gewölben?

Dirk Syndram: Als ich 1992 begann, mich mit dem Grünen Gewölbe zu beschäftigen – da war ich noch in Bielefeld, wusste aber, dass ich 1993 mein Amt in Dresden antreten würde –, konnte ich mich auf umfangreiche Vorplanungen von Joachim Menzhausen stützen. Es war immer klar, dass das Grüne Gewölbe wieder hergestellt werden muss. Zu berücksichtigen waren aber ernste konservatorische Probleme, besonders bei kostbaren Emailarbeiten wie Dinglingers „Thron des Großmoguls“. Dafür waren Vitrinen nötig, die maximalen Schutz bieten. Zugleich sollten sie die Kunstwerke so zeigen, wie sie gesehen werden wollen: von allen Seiten, optimal ausgeleuchtet und ohne störende Spiegelung, so dass sie ihre Kunst-Wirkung voll entfalten können. Ein weiterer Aspekt war, dass nicht alles ursprünglich zum Bestand gehörte, was bis ins 20. Jahrhundert im Grünen Gewölbe seinen Platz hatte. Angesichts des Anliegens, in den historischen Räumen das Grüne Gewölbe Augusts des Starken, wie es sich in dessen Todesjahr 1733 darstellte, annähernd wieder herzustellen, was auch den Verzicht auf Verglasungen mit Ausnahme des Juwelenzimmers einschloss, entstand fast zwangsläufig die Idee für ein „Neues Grünes Gewölbe“ im Geschoss darüber. Im Ergebnis kann man nun sagen: Es gibt wenige Orte, wo man das 18. Jahrhundert so intensiv nacherleben kann wie im historischen Teil des Grünen Gewölbes. Mir fällt da höchstens noch Versailles ein, das leider sehr überlaufen ist.

Und das „Neue Grüne Gewölbe“….?

Dieser Teil ist von gleicher Wichtigkeit wie der in den rekonstruierten Originalräumen. Mit seiner Eröffnung 2004 hatten wir ein bis dahin einzigartiges Museum für Objekte geschaffen. In einmaliger Weise wird hier sichtbar, dass es sich nicht um Nippes, sondern um Kunstwerke handelt. „Verantwortlich“ dafür ist die Art der Präsentation, wie ich sie schon beschrieben habe. Dadurch werden die Objekte in ihrer ganzen Bedeutung sichtbar, erhalten ihre Funktion als Solisten wieder. Als solche „erzählen“ sie Geschichten, mit denen wir die Besucher fesseln möchten. Seit seiner Eröffnung strahlte das „Neue Grüne Gewölbe“ auf viele andere Museen aus, hatte gewissermaßen eine Leitfunktion. An uns orientiert haben sich bedeutende Partnereinrichtungen, darunter das Victoria & Albert Museum und das British Museum in London, aber auch Museen in Wien oder Amsterdam.

Wie wurde und wird die Schatzkammer angenommen?

Natürlich hatten wir in den ersten Jahren einen besonders großen Ansturm. Darunter waren bedeutende internationale Gäste wie Barack Obama oder Wladimir Putin. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel konnten wir begrüßen. Zudem haben sich alle Ministerpräsidenten der Bundesrepublik und andere Prominenz hier aufgehalten. Erinnert sei: Schon August der Starke empfing im Grünen Gewölbe seine „Kollegen“, und auch im 19. Jahrhundert zog es sämtliche Staatsmänner und gekrönte Häupter hierher. Natürlich hat der erste Ansturm sich heute gelegt. Und natürlich wird die Masse der Besucher nicht von gekrönten Häuptern und Spitzenpolitikern geprägt, sondern von den vielen interessierten Touristen aus dem In- und Ausland, um die wir uns immer wieder neu bemühen müssen.

Letzteres gilt ebenso für die Dresdner, von denen wir ständig gern viele begrüßen möchten. Die „Barrieren“ für einen Besuch sind heute geringer als kurz nach der Eröffnung: Die Zeittickets für das Historische Grüne Gewölbe bekommt man ohne großen Andrang und lange Wartezeiten. Seit Kurzem haben wir zudem anlässlich unseres Jubiläums ein besonderes Angebot. Bis Jahresende bitten wir jeweils freitags von 18 bis 20 Uhr zur „Blauen Stunde“ in beide Bereiche des Grünen Gewölbes – und zwar zum Spezialpreis von 15 Euro.

Welche konservatorischen Erfordernisse ergeben sich im historischen Teil des Grünen Gewölbes? Haben Sie generell ausreichend Restauratoren?

Dies ist natürlich auch in konservatorischer Hinsicht ein sensibler und anspruchsvoller Bereich. Es ist zwar technisch alles getan worden, um Umwelteinflüsse von außen wie beispielsweise Luftfeuchtigkeit, Schwefel oder Feinstaub zu minimieren beziehungsweise auszuschließen. Zugleich steuern die Zeittickets den Besucherfluss. Was sich aber nicht „ausschließen“ lässt, trotz der Schleusen, sind die „Abriebe“ der Besucher – der Staub, den sie mitbringen, Haare, Schuppen, Abrieb der Sachen. Um dies beseitigen und für den konservatorischen Schutz der Objekte sorgen zu können, legen wir einmal im Jahr ein bis zwei Schließungswochen ein. Glücklicherweise konnten wir uns wieder eine ausreichende Anzahl der nötigen Fachkräfte erkämpfen. Wir müssen aber auch kämpfen, dass sie ihre Zukunft hier sehen (können). Geht man von ihrer Bedeutung für unsere Sammlungen aus, reicht ihre Anzahl allerdings noch nicht. Das besonders auch deshalb, weil wir zukünftig noch statt früher im Zwinger 800 nun auf 6000 Quadratmetern bald 4500 Objekte aus der Rüstkammer zeigen werden.

Apropos Rüstkammer – wie wird sich das Ausstellungsgeschehen im Schloss weiter entwickeln?

Am 7. April 2017 wird die Rüstkammer mit dem Renaissanceflügel einen „Knaller“ eröffnen, der dem Grünen Gewölbe Konkurrenz machen wird – nicht zuletzt mit der fürstlichen Garderobe der Zeit, also der Haute Couture des 16. Jahrhunderts.Dieser Flügel – ein Teil ist unter dem Motto „Welt und Wissen“ bereits zu sehen – wird ein Museum sächsischer Geschichte inder Zeit der Reformation sein – über das spezielle Jubiläum hinaus. Es wird zugleich die Stellung der sächsischen Kurfürsten in Europa verdeutlichen. Im Jahr 2018 wird dann die Gewehrgalerie folgen, in der fürstliche Jagd und Sport thematisiert sind, womit sich das Ganze als Museum der höfischen Kultur der Renaissance zeigt.

Eröffnet wird auch der Kleine Ballsaal, der zukünftig festlichen Ereignissen des Freistaates dienen wird. Und ebenfalls 2018 zeigen wir in Litauen eine Sonderausstellung zu August dem Starken und August III., die ja Könige von Polen-Litauen waren. 2019 folgt dann das 300. Jubiläum der Hochzeit Friedrich Augusts II. mit Maria Josepha von Österreich. Aus diesem Anlass werden die Paraderäume fertig gestellt. Hier zeigen wir die Garderobe Augusts des Starken, regelrechte Kostbarkeiten, die Krönungsfigurine sowie königliche Hieb- und Stichwaffen. Dann fehlt noch der Nordflügel, der wohl 2020/2021 fertig sein wird.

Von Lisa Werner-Art

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