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Regional Eun Sun Kim ist eine Dirigentin mit großem Potential
Nachrichten Kultur Regional Eun Sun Kim ist eine Dirigentin mit großem Potential
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12:12 11.11.2017
   Quelle: Nikolaj Lund

 Drei Silben, ein Name. Der klingt wie Musik. Die koreanische Dirigentin Eun Sun Kim macht auf ihrer beginnenden Weltkarriere zum zweiten Mal in Dresden Station. Zur Wiederaufnahme von Verdis „Rigoletto“ in der Semperoper hat Michael Ernst mit ihr gesprochen.

Frage: Sie treten gerade einen Siegeszug rund um die Welt an, ernten Elogen in der New York Times, stehen vor Debüts in Houston, München und Zürich, arbeiten nun zum zweiten Mal an der Semperoper in Dresden. Ist das der systematische Aufbau einer internationalen Karriere oder der Wunsch, bei unterschiedlichsten Orchestern erst einmal möglichst viele Handschriften und Klangfarben kennenzulernen?

Eun Sun Kim: Eine Karriere kann man nicht planen. Das funktioniert nur im Rückblick. Bei mir hat sich das so ergeben. Ich bin ja selbstständige Dirigentin, habe an kleineren Häusern angefangen, dann kamen rasch Engagements und Einladungen. Ich glaube, mein Durchbruch war die Frankfurter „Bohème“, davon haben scheinbar viele Häuser gehört und dann angefragt. Diese Produktion kam wirklich gut an, das Orchester hat mich gemocht.

„La Bohème“ haben Sie in der vorigen Saison auch in Dresden dirigiert. Jetzt proben Sie hier „Rigoletto“, was ist Ihr Eindruck vom Haus und seinem Ensemble?

Die Sächsische Staatskapelle ist ja wirklich eines der besten Orchester. Schon bei der „Bohème“ hatte ich nie das Gefühl, ein sogenanntes deutsches Orchester mit dieser Schwere zu dirigieren. Nein, sie beherrschen auch die italienische Leichtigkeit, die Flexibilität in der Melodie. Es freut mich immer sehr, wenn man wirklich musizieren kann, wenn ich spüre, gemeinsam den Dienst an der Musik zu genießen. Genau das empfinde ich hier in Dresden, das macht wirklich Spaß.

Eun Sun Kim

- geboren und aufgewachsen in Seoul

- studierte in ihrer Geburtsstadt Komponieren und Dirigieren

- setzte das Studium in Stuttgart fort, graduierte auch dort mit Auszeichnung

- errang nach Studienabschluss den 1. Preis des „Internationalen Jesús López Cobos Opera Conducting Competition“

- dirigiert inzwischen weltweit an vielen großen Häusern, so an der Staatsoper Berlin, der Oper Frankfurt (Main), der Wiener Volksoper sowie in London, Marseille, Nancy, Palermo und Turin, zudem in Aarhus, Bergen, Malmö, Stockholm und Oslo.

- debütiert in dieser Spielzeit in Houston (Texas), sowie an der Bayrischen Staatsoper München und in Zürich

Kann man in den wenigen Proben für eine Wiederaufnahme so etwas wie eine eigene Handschrift formen?

Das hoffe ich schon, denn das ist ja der Spaß an der Musik. Wir können nie zweimal das Gleiche spielen. Heute ist heute und morgen ist morgen. Was Sie hier hören, ist keine CD, sondern jedes Mal neue Musik, neuer Atem.

Sie dirigieren sowohl Konzert als auch Oper, sowohl Moderne als auch die sogenannte Klassik. Keine musikalische Vorlieben?

Ich fühle mich eigentlich in jedem Repertoire sehr wohl, egal ob deutsch, italienisch oder französisch. Inzwischen empfinde ich die selbe Nähe zu jeder Kultur. Künftig möchte ich aber noch mehr Beethoven, Brahms, Schubert und Schumann machen. Wenn man Sprachen lernt, lernt man auch die Kultur viel leichter. Musik kommt ja aus der Sprache. Russische Oper zum Beispiel würde ich erst dann dirigieren, wenn ich auch russisch sprechen kann.

Und italienische Oper?

Eigenartigerweise habe ich mit „La Bohème“ zu dirigieren begonnen. Ich hatte ja Komposition studiert, bin da aber von meinem Professor gefragt worden, ob ich nicht dirigieren will. Komponieren kannst du auch, wenn du 90 bist, hat er gesagt. Mit dem Dirigieren müsstest du jetzt anfangen. Er hat in mir eine Dirigentin gesehen.

In Ihrer Heimatstadt Seoul haben Sie Ihr Musikstudium begonnen und dann in Stuttgart fortgesetzt. Was waren dafür die Auslöser?

Mit drei Jahren habe ich Klavier gespielt, meine Mutter hat wohl gesehen, dass ich begabt bin. Ich habe oft nachgespielt, was ich im Radio gehört habe. Im Gymnasium hat mich dann eine Musiklehrerin gefragt, ob ich nicht Komposition studieren möchte. Ich antwortete ihr, ob man das überhaupt lernen kann?

Sie haben es gelernt. Und, komponieren Sie heute?

Im Moment finde ich leider keine Zeit dafür. Ich brauche viel Zeit, um mein Repertoire als Dirigentin zu erweitern.

Also bleibt Isang Yun vorerst der einzige international bekannte Komponist aus Korea?

Er ist ein Genie, ich liebe seine Musik. Er hat es wirklich geschafft, dass die sehr spezielle traditionelle koreanische Musik mit westlicher Musik kombiniert werden kann.

Und wie steht es mit den Dirigenten? Ich denke nur an Myung-Whun Chung, den Ersten Gastdirigenten der Staatskapelle Dresden …

Außer ihm gibt es keinen, der außerhalb von Korea so viel dirigiert und international so bekannt ist.

Spielt da vielleicht auch das Geschlecht eine Rolle?

Beim Komponieren waren im Studium Frauen schon in der Mehrheit. Beim Dirigieren ist das anders gewesen. Das war damals noch sehr besonders.

Woher kommt die große Begeisterung für „westliche“ Musik in Ihrem Land?

Das ist quasi eine Mode, wie auch in China und Japan. Es hat sich dann aber in jedem Land anders entwickelt. Wir Koreaner sind ein bisschen wie die Italiener, wir lieben Musik. Singen und Tanzen sind ganz selbstverständlich. Wir haben große Freude daran. Daraus ergab sich, auch westliche Musik zu studieren und in die Länder zu gehen, wo sie herstammt. Korea ist ein Land mit ganz viel Konkurrenz. Du musst immer der Beste sein. Willst immer vornan stehen. Leider geht so die traditionelle Musik etwas verloren.

Momentan hört man schlimme Nachrichten von der koreanischen Halbinsel. Mit martialischen Drohgebärden oder dummer Donald-Duck-Politik ist dort kein Frieden zu schaffen. Meinen Sie, Kunst und Kultur können die innerkoreanischen Grenzen überwinden?

In Nordkorea wird die Liebe zur Musik nicht anders sein als bei uns. Nur die Ausbildung ist anders, sie soll viel strenger sein. Aber insgesamt haben wir wenig Informationen über den Norden. Trotzdem ist die Musik etwas, das uns verbindet. Die Stimmung war schon mal besser, nicht nur im Kulturbereich. Da gab es auch Austausch im medizinischen Bereich. Aber ich hoffe wirklich, dass die Kultur da eine Bewegung bringt.

„Rigoletto“ am 12., 17., 21.11. und 1.12. in der Dresdner Semperoper

Von Michael Ernst

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