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Die tjg-Theaterakademie diskutierte im neuen Domizil Grundfragen unseres Bildungssystems

Die tjg-Theaterakademie diskutierte im neuen Domizil Grundfragen unseres Bildungssystems

Das Grün auf den Wiesen um das Theater Junge Generation schwindet mit dem Herbst. Dafür leuchtet das intensive Hellgrün der Marke tjg umso sichtbarer gleich links vom Eingang.

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Guckkastenbühne und Debattenort: die 15 Quadratmeter große Box der tjg-Theaterakademie.

Quelle: Klaus Gigga

Ein Guckkasten mit 15 Quadratmetern Grundfläche liegt dort ein bisschen schräg und frech, eine Box, die zuvor schon am Deutschen Theater in Berlin stand. Sie wird von nun an weniger praktischer Probenort als geistiger und symbolischer Mittelpunkt der Theaterakademie des tjg sein. Diese von Tabea Hörnlein geleitete Akademie ist mit ihren weiteren drei Theaterpädagoginnen ein universaler Multiplikator. Sie bietet nicht nur Jugendlichen die Möglichkeit bühnenkünstlerischer Selbstbetätigung. Die Theaterakademie ist mit theaterpädogischen Angeboten zugleich auch Dienstleister und versteht sich nunmehr verstärkt auch als Forschungsraum. In diesem physisch um einige grüne Sitzbänke erweiterten Raum gab es am Dienstag den Auftakt zu einer bildungspolitischen Diskussionsreihe "ankreiden".

In der Zukunft und für die Zukunft lernen, aber wie? "Perspektiven einer performativen Pädagogik" war das erste Forum überschrieben. Nicht wegen der Form, eher wegen der Inhalte ein eher deprimierender Einstieg. Drei Schüler fällten eingangs ein vernichtendes Urteil über ihre Schule.

"Vergesst unsere Schulsystem!" hieß es. Es ersticke die Lust am Lernen und sehe Kinder nur als Objekte, denen ein Wissenskanon eingetrichtert werden solle. Vom "Bulimie-Lernen" war die Rede. Als Kronzeuge diente der Neurobiologie-Professor Gerald Hüther und seine Kritik an der "Dressurschule".

Was stattdessen zu wünschen wäre, zeichnete die Kunstpsychologin Marie-Luise Lange, die an der TU Dresden einen Lehrstuhl für künstlerische Gestaltungstheorie innehat. Eine Schule, die keine Trennung von drinnen und draußen, von Körper und Geist kennt und auf ein ganzheitliches sinnliches Lernen setzt. Mithin auf intrinsische Motivation und auf Selbstbildung statt auf äußeren Druck. Ob man ganz ohne diesen fordernden Rahmen auskommt, wie es auch die Schüler verlangten, ist eine von den Achtundsechzigern losgetretene Diskussion, die tendenziell längst wieder ins restaurative Gegenteil umgeschlagen ist. Die Debatte um eine Zulassung der freien Natur- und Umweltschule in Dresden ist noch in frischer sommerlicher Erinnerung.

Noch betroffener stimmte der Beitrag des dem tjg eng verbundenen Regisseurs Armin Beber. Wo sind im wahrsten Wortsinn die Spiel-Räume in einer vermeintlich doch alle Freiräume eröffnenden Gesellschaft geblieben? Riskante Erfahrungen inclusive? Beber konstruierte eine Situation, in der Neuntklässler mit der Auflage nach Hause geschickt werden, nicht eher wieder in der Schule zu erscheinen, als bis sie ein Abenteuer erlebt haben. Man fühlt sich erinnert an Studien, die wieder "mehr Dreck" für unsere Kinder und nicht nur TÜV-geprüfte Spielplätze fordern. Offenbar sind unsere zivilisatorischen Einengungen in einer durchregulierten Gesellschaft so stark, dass Primärerlebnisse erst wieder inszeniert werden müssen. "Für viele ist es schwierig, allein und selbstbestimmt unterwegs zu sein", konstatierte Beber. Auch der Schulalltag lasse keinen Raum für wirkliches Forschen im Sinne von widerspruchsvoller Selbsterfahrung.

Grundfragen, die das tjg da anriss und die niemanden draußen frieren ließen. Die Fortsetzung mit weiteren "ankreiden"-Abenden am 15. Januar des kommenden Jahres verspricht daher Spannung. Zunächst aber werden Jugendliche der Theaterakademie am 18. November zum Familiensonntag für die Allerkleinsten spielen. Michael Bartsch

www.tjg-dresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.10.2012

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