Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -2 ° Schneeschauer

Navigation:
Google+
Die neue Ausgabe der Striezelmarktwirtschaft: Es ist was faul im Staate D...

Die neue Ausgabe der Striezelmarktwirtschaft: Es ist was faul im Staate D...

Machen wir uns nichts vor. Mitten in Europa liegt ein Land, um das man besser einen Bogen machen sollte. Fest im Griff von Pharma- und Rüstungsindustrie, geführt von korrupten wie unfähigen Politikern, deren ökonomischer Analphabetismus zum Himmel schreit und die in einer Tour Angriffskriege planen.

Voriger Artikel
Die 19. Cynetart lockte 1.500 Leute nach Hellerau
Nächster Artikel
Das sechste Nordwind Festival in Hellerau beginnt morgen

Daniel Vedres, Manfred Breschke und Thomas Schuch in ihrer "Striezelmarktwirschaft" anno 2015.

Quelle: Elisabeth Schuch-Wiens

Dresden. Eigentlich völlig unverständlich, dass Flüchtlinge und sonstige Migranten partout in diesem Staatsgebilde und nicht in "lupenreinen" Demokratien wie Russland auf ein besseres Leben hoffen.

Ahnt der Leser dieser (ironischen) Zeilen, welches Land gemeint sein könnte? Ja, es ist die Bundesrepublik Deutschland, vor der eindringlich gewarnt werden muss. Das besorgt "zum Glück" seit Jahren die sich im steten Widerstand gegen das ach so repressive System befindliche Kabarettistenzunft. Ließe man deren Vertreter - unterstützt vom Goethe-Institut vielleicht - im Ausland auftreten (okay, ein Dolmetscher müsste natürlich mit), der Flüchtlingsstrom wäre umgehend gestoppt.

Dass es um die deutsche Einheit schlecht bestellt sei

Unbedingt geeignet wäre diesbezüglich auch die neue Ausgabe der Striezelmarktwirtschaft von Manfred Breschke und Thomas Schuch. Die reden Tacheles, decken schonungslos auf, was angeblich faul ist im Staate Deutschland. So wird in einer im Stil von Laurel & Hardy ("Dick & Doof") gestalteten Spielszene frank und frei wie peinlich dürftig in der Aussage vor Augen geführt, dass es um die deutsche Einheit schlecht bestellt sei, werde doch Politik nach dem Motto "Gestalten durch Spalten" betrieben. Was zumindest Schuch nicht mehr machen will: Die Merkel geben. Genug ist genug. "Das hinterlässt doch Spuren." Er denke schon wie Merkel, das sei nicht gut, "denn das beschädigt das Gehirn", jammert Schuch, der sich vehement weigert, die "komplett empathielose Tante" zu mimen.

Dafür ist "Er" wieder da. Der von großen Teilen der arabischen Welt (leider) verehrte Mann mit dem berühmten Oberlippenbärtchen, von Breschke und Schuch durch schwarzes Krepppapier unter der Nase markiert, der ohnehin "als Leiche in jedem deutschen Keller lag", ist nicht nur dank dem "Spiegel" lebendiger als je zuvor, wie moniert wird. Im "Föhrer"-Sprechduktus salbadere "Er" also darüber, bei Pegida aufzutreten - um eine Lanze für den Islam zu brechen, biete der doch (Stichwort Märtyrer) die bessere "Belohnung für Helden".

Mediziner, die einen Eid auf die Hypo-Vereinsbank geleistet haben, der Kapitalismus, die politische Kaste - es sind mit Ausnahme von Pegida die üblichen Verdächtigen in punkto Feindbild, an denen sich Breschke und Schuch vorurteilsvoll abarbeiten. Wie immer gibt es bei dem Satire-Gespann, das erwartungsgemäß in punkto Schauspielkunst starke Akzente zu setzen vermag und musikalisch mal wieder virtuos von Daniel Vedres unterstützt wird, ein Wiedersehen mit den eigentlich konträr tickenden und dann doch immer wieder in punkto Abwehrreflexen vereinten Figuren Amadeus Oben vom Weißen Hirsch und Walter Unten aus Prohlis. Und auch Brunhilde und Siegfried geben sich die Ehre. Sie wollen des Ihre dazu beitragen, dass wir das schaffen - und bringen einen Kuchen zum Flüchtlingsheim, der allerdings politisch höchst inkorrekt garniert ist, nämlich mit "Bimboschmatzern". Aber man ist ja lernfähig, spricht alsbald von "mit Schokolade überzogenen Schaumzuckerbällchen mit Migrationshintergrund". In einer anderen Szene stehen Breschke und Schuch als Siegmar Gabriel und Gerhard Schröder auf der Bühne, lassen den SPD-Parteivorsitzenden bzw. Bundeskanzler a.D. sich am Glühweinstand über die K-Frage austauschen. Der einstige "Genosse der VW-Bosse" gratuliert dem derzeitigen Kanzlerkandidaten der SPD, dass er die Werte der Partei "in guter alter Tradition" verraten habe - und zwar bereits jetzt. Er selbst habe dies ja leider erst als Kanzler geschafft.

Mal abgesehen davon, dass die eingestreuten Lieder wieder große Klasse sind, etwa die freie Adaption von Jürgen Harts "Sing, mei Sachse, sing", hat der Abend durchaus ein paar gute Pointen zu bieten. Aber im Großen und Ganzen ist diese Striezelmarktwirtschaft weitgehend überraschungsfrei. Irgendwie bleibt die Grundhaltung der selbsternannten Gralshüter der Demokratie unausgegoren. Da wird etwa gelästert, dass die Migranten "zukünftiges Arbeitsgut für die deutsche Industrie" seien. Pardon, aber ich schätze mal, dass das Gros der potenziellen neuen Mitbürger es gar nicht erwarten kann, "Arbeitsgut" zu sein, sich auf dem Arbeitsmarkt einzubringen. Ihre Sicht ist auch da mit Sicherheit anders als jene, wie sie von so vielen Vertretern der angeblich satirischen Klasse an den Tag gelegt wird.

Vorstellungen: noch bis 16. Januar (nicht täglich) Karten unter: Tel. 0351/490 40 09

Christian Ruf

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr