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"Die listigen Weiber" beim Sommertheater im Dresdner Bärenzwinger

"Die listigen Weiber" beim Sommertheater im Dresdner Bärenzwinger

Frauen wünschen sich bei der Wahl des Partners, dieser werde eines Tages so sein, wie sie ihn schon immer haben wollten. Männer hoffen, ihre Begleiterin durchs Leben werde bleiben, wie sie einmal war.

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Listige Weiber und beinahe echte Männer im Kampf gegen"maskuline Nachschubprobleme" und lästige Konkurrenten.

Quelle: PR

Es ist schon ein Dilemma. Im Alltag ist beides selten. Auch Pistol (Florian Kaufmann) und Robin (Robert Martin) müssen in dem Stück "Die listigen Weiber" die Erfahrung machen, dass sich die Frauen, denen sie gerade noch das Ja-Wort gaben, flugs verändert haben.

Grundsätzlich hatten die im Zweckbündnis geeinten, grundsätzlich aber um denselben Mann konkurrierenden Frau Fluth (Felicitas Schreier) und Frau Gluth (Natascha Mamier, einmal mehr ganz große Klasse) ohnehin einen anderen Mr. Right begehrt. Einen "richtigen Mann". Einen der "bärenstark" ist. Einen, der "kräftig zupacken" kann, durchaus auch im Bett. Sir John Falstaff wäre so ein Mann, aber vorlieb nahmen Frau Fluth und Frau Gluth mit Pistol und Robin, die vorgeben, Falstaffs Diener zu sein (was sie nicht sind).

Es ist ein "Shakespeare aus Windsor", der in den nächsten Wochen im Bärenzwinger gezeigt wird. Den Text zu dieser neuen Inszenierung des Sommertheaters Dresden schrieb - und zwar im Versmaß - Peter Förster, der auch Regie führte und mit seinen fünf Akteuren ein mit Anspielungen, Assoziationen und bunt zusammengewürfelten Zitaten ("Ein Pferd, ein Königreich für ein Pferd!") ein frech-flottes Werk präsentiert, bei dem man höllisch aufpassen muss, damit einem nur ja keine der unzähligen Pointen entgeht. Und auch keine der Blicke, Gesten und Untertöne, die so perfekt rüberkommen. Kleine Warnung für prüdere Geister: An Doppeldeutigkeiten wie eindeutigen Schlüpfrigkeiten herrscht kein Mangel, platter Natur sind sie allerdings ausgesprochen selten. Meistens zeugen sie von Esprit.

Mitunter treten die Akteure in dieser ungemein frei nach Otto Nicolais Oper "Die lustigen Weiber von Windsor" gestrickten Posse sogar wie im Epischen Theater à la Brecht aus der Handlung heraus, machen sich Gedanken über scheinbar banale Alltagsprobleme, lästern über die Kollegen, insbesondere "die Neue", also Carolin Bauer (auch ihr ein dickes Sonderlob, denn sie lernte ihre Rolle in Rekordzeit für die erkrankte Marie Hiller), die ihr persönliches "maskulines Nachschubproblem" ebenfalls mit Falstaff zu lösen beabsichtigt. Jeder gegen jeden lautet die Parole, und der Ehrliche ist sowieso der Dumme. Sogar ein Loblied auf den Betrüger stimmt - durchaus eigennützig - Pistol an. Für ihn ist Betrug "ehrliche harte Arbeit". Mit seinem Kompagnon Robin, der ihm vorwirft, "vom Wesen der Doppelrolle nichts begriffen" zu haben, hat er nichts als Ärger.

Einmal mehr - an der bewährten Methode hat Förster nicht gerüttelt - wird zusammengefügt, was eigentlich nicht zusammengehört, wartet man mit Enthüllungen auf. Ist eben noch Elisabethanisches Theater der Shakespeare-Zeit angesagt, wird unversehens mit einem Goethe-Zitat der deutschen Klassik Reverenz erwiesen. Dann wieder wird ein Nullsummenspiel mit Dukaten und Staatsanleihen vor Augen geführt, dass man gar nicht anders kann, als an das Hasardspiel mit Finanzen in diversen Euro-Ländern zu denken.

Das etliche Straftatbestände erfüllende Spiel der Männer fliegt auf, aber es kommt zu keiner Gerichtsverhandlung, denn Frau Gluth erkennt, dass eine solche einfach zu lang dauert, ein Happy End schneller geht. Zeit ist Geld, auch für Schauspieler. Letztlich wissen die Frauen: Lieber den Hochstapler in der Hand, als den Ritter auf dem Dach. Pistol und Robin werden zu lebenslänglich "begnadigt". Man darf davon ausgehen, dass die Frauen hoffen, dass ihre Männer werden, wie sie sie schon immer haben wollten. Christian Ruf

Vorstellungen: bis 16.8. sowie 21.8. bis 2.9. täglich außer Montag, 20 Uhr, Bärenzwinger

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.07.2012

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