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Die in Dresden ansässige Brücke|Most-Stiftung gibt Arbeit zum Jahresende auf / Grund ist Niedrigzinspolitik der EZB

Tschechisch-Deutsche Kulturtage 2018 vor dem Aus Die in Dresden ansässige Brücke|Most-Stiftung gibt Arbeit zum Jahresende auf / Grund ist Niedrigzinspolitik der EZB

Zwanzig Jahre lang war die in Dresden ansässige Brücke/Most-Stiftung Hauptakteur in der kulturellen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und der Tschechischen Republik. Nun stellt sie zum Jahresende ihre Arbeit ein.

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Logo der Brücke/Most-Stiftung

Quelle: Brücke/Most-Stiftung

Dresden. Zwanzig Jahre lang war die Brücke/Most-Stiftung Hauptakteur in der kulturellen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und der Tschechischen Republik. Nun stellt sie zum Jahresende ihre Arbeit ein. Ende August bereits schließt sie ihr Tagungszentrum, die Brücke-Villa in Dresden-Blasewitz. Damit stehen die Tschechisch-Deutschen Kulturtage vor dem Aus, die wesentlich von der Stiftung organisiert werden. Die diesjährigen vom 26. Oktober bis 12. November sollen noch stattfinden, wie Susanne Gärtner von der Stiftung versicherte. Sie erklärte jedoch: „Die Tschechisch-Deutschen Kulturtage 2018 wird die Stiftung nicht durchführen.“

Aufgeben muss die Stiftung, weil die Erträge aus ihrem Kapital für die Finanzierung der Arbeit nicht mehr ausreichen, wie Stiftungsvorstand Peter Baumann mitteilte. Drastisch verringert hatten sie sich aufgrund der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Diese hatte den Leitzins nach der Finanzkrise schrittweise auf Null gesenkt.

Seither belastete die Arbeit der Brücke/Most-Stiftung das Privatvermögen der beiden Gründer, des Freiburger Politikwissenschaftsprofessors Helmut Köser und seiner Mutter Gertrud. Der Mitarbeiterin zufolge mussten sie zuletzt jährlich zwischen 150 000 und 200 000 Euro zuschießen. Helmut Köser habe deshalb immer dringender beim Freistaat Sachsen um institutionelle Förderung nachgesucht – jedoch vergeblich.

Größtes Projekt der Stiftung sind die Tschechisch-Deutschen Kulturtage, die seit 1998 in Dresden, Usti nad Labem (Aussig) und der Euroregion Elbe/Labe jedes Jahr ein Programm mit Musik, Theater, Literatur, Vorträgen und Ausstellungen bieten. Im vergangenen Jahr kamen mehr als 10 000 Besucher zu den Veranstaltungen mit fast 250 Künstlern. Diese kontinuierliche Arbeit knüpfte Verbindungen zwischen Kultureinrichtungen über die Grenze hinweg.

Außerdem organisierte die Stiftung politische Jugend- und Erwachsenenbildung. Sie lud Zeitzeugen ein und griff in Diskussionen gesellschaftliche Debatten auf. Anfangs auf das Nachbarland Tschechien orientiert, hatte sie ihre Zusammenarbeit 2013 auf die sogenannten Visegrad-Staaten ausgedehnt, also auch Polen, Slowakei und Ungarn einbezogen. Mit einem Stipendienprogramm fördert die Stiftung - seit 2002 gemeinsam mit dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) – tschechische und slowakische Studierende der Dresdner Musikhochschule. Seit 2006 organisierte das Stiftungsbüro in der tschechischen Hauptstadt mit dem Projekt „Pragkontakt“ Begegnungen für mehr als 20 000 junge Menschen.

Das Stiftungsbüro in Freiburg im Breisgau war 2012 aus Kostengründen geschlossen worden. Die Tschechischen Kulturtage dort liefen 2016 zum letzten Mal.

Ernsthaft in Gefahr geraten waren Stiftung und Kulturtage bereits 2010, als das Tschechische Zentrum in Dresden schloss. Vor anderthalb Wochen kündigte der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge an, 2018 die Euroregion Elbe/Labe verlassen zu wollen. Auch sie hatte grenzübergreifende Projekte zwischen Sachsen und Tschechien gefördert.

Die Stiftung ist die Privatinitiative von Helmut Köser. Als Motive nannte der 77-Jährige das Erlebnis des „Prager Frühlings“ 1968 und der Umbruchszeit nach 1989.

Von Tomas Gärtner

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