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Die große Gala der Staatsoperette zum Start in Dresdens Mitte

Ein Opernstar als Gast Die große Gala der Staatsoperette zum Start in Dresdens Mitte

Los geht´s mit einem Paradestück aus der vielleicht gar nicht zu Unrecht vergessenen Operette „Die leichte Kavallerie“ von Franz von Suppé. Christian Garbosnik lässt das Orchester der Staatsoperette mit der beliebten Ouvertüre alle schmetternden Register ziehen. Auftakt zur Gala der Staatsoperette mit insgesamt mehr als 100 Mitwirkenden.

Stargast der Gala René Pape.

Quelle: Kai-Uwe Schulte-Bunert

Dresden. Und los geht´s mit einem Paradestück aus der vielleicht gar nicht zu Unrecht vergessenen Operette „Die leichte Kavallerie“ von Franz von Suppé. Christian Garbosnik lässt das Orchester der Staatsoperette mit der beliebten Ouvertüre alle schmetternden Register ziehen. Das Stück ist so beliebt dass es ein namhafter Fußballverein sogar als Torhymne verwendet. Zur Einstimmung auf die folgende Gala der Staatsoperette mit insgesamt mehr als 100 Mitwirkenden als dritter Premiere im Eröffnungsreigen des neuen Theaters in Dresdens Mitte passt es wie die berühmte Faust aufs Auge.

Und logisch, dass in der Rück- und Vorausschau auf das vornehmlich an den Klassikern der Operette und des Musicals orientierten Formats dieses in Deutschland so einzigen Musiktheaters auch ein gut aufgelegtes Ensemble mit Solisten, Chor und MusicalChorDresden, Ballett und Orchester, mit John Kanders Reißer „Willkommen! Bienvenue! Welcome!“ aus „Cabaret“ noch eins drauf legt.

Noch eins drauf legt dann gerne auch Axel Köhler, der mit Janik Harneit durch den gut dreistündigen Abend führt und für das offensichtlich international erwartete Publikum sich der russischen Sprache bedient, Harneit macht es auf Englisch. Dietrich Seydlitz, laut Programmheft der Gefängniswärter Frosch, aus der Operette „Die Fledermaus“ soll hier aber ein Dresdner Polizist sein und nervt ganz schön mit nicht enden wollenden Albereien in der entsprechenden Mundart.

Davon sind auch die mitunter leicht ausufernden Moderationen nicht frei.

Immerhin, wenn aber Janik Harneit in einer silbernen Mondsichel über die Bühne schwebt und und gar nicht in üblicher Schmachtmanier „Maria“ aus Bernsteins „West Side Story“ singt, dann geht musikalisch jedenfalls die Sonne auf.

Und es prickelt auch wenn das Ballett der Staatsoperette in einer Choreografie von Winfried Schneider einen Champagner-Galopp tanzt, wobei hier den Herren mehr Freiheiten gestattet sind als den Damen, denn sie sind die tanzenden Kelche. Aber Winfried Schneider, als Choreograf und Regisseur dieser Gala nach einem Buch von André Meyer, in der Ausstattung von Mike Hahne, gibt auch den Tänzerinnen noch Gelegenheiten, die Beine hoch zu werfen, in den Spagat zu rauschen und sich in gewohnter Operetteneleganz mit den Herren zu wiegen oder im Musicaldrive aufzudrehen. Schneider ist ja nicht zuletzt der Mann mit besten Revueerfahrungen, die bringt er ein und Mike Hahne nutzt die Möglichkeiten dieser Bühne, lässt auf- und abfahren was die Technik möglich macht, wenn nötig kann man sogar lästige Zeitgenossen in der Versenkung verschwinden lassen.

Und so geht es musikalisch durch die Stile und Zeiten, mit viel Gefühl und schönen Tönen singt Ingeborg Schöpf davon, wie heiß ihre Lippen küssen aus Lehárs „Giuditta“ und Christian Grygas schenkt ihr die berühmten dunkelroten Rosen aus Millöckers „Gasparone“.

Zusammen mit den Herren des Balletts wird Charmeur Grygas dann auch noch singend durch den Regen tanzen, „I´m singin´in the Rain“.

Olivia Delauré als Evita macht mit dem Ballett einen Ausflug nach „Buenos Aires“, nachdem diese ausgesprochen vielseitige, vor allem auch tänzerisch grandiose Künstlerin zuvor schon im Ensemble mit den Kolleginnen Mandy Garbrecht, Jeannette Oswald, Maria Perlt und Ingeborg Schöpf, sowie den Herren Elmar Andree, Markus Francke, Christian Grygas, Richard Samek und Andreas Sauerzapf, einen Höhepunkt gesetzt hatte: Lehárs „Die Lustige Witwe“ - aber hier gibt es den pfiffigen Marsch der Grisetten mal ganz anders, in der Fassung von Fritzi Massary von 1928 wird der Spieß einfach umgedreht, nicht das Studium der Weiber ist schwer, sondern das der Kerle eben ganz leicht.

Es gibt zum Pausenfinale als große Ensembleszene „Premierenfieber“ aus „Kiss me Kate“ mit dem von Thomas Runge einstudierten Chor, den von Cornelia Drese gut vorbereiteten jungen Mitgliedern des MusicalChores und dem Ballett. Zuvor gehörte die Bühne dem Stargast dieser Gala, René Pape sorgt ein bisschen für wohlige Schauer, wenn er „So in Love“ singt, mit Ingeborg Schöpf im Duett „Bess, you is my woman now“, aus Gershwins Oper „Porgy and Bess“ und vor allem mit seiner Art, „Some Enchanted Evening“ aus „South Pacific“ von Richard Rodgers, gewissermaßen auch eine Hommage an den großen Kollegen Ezio Pinza, jenen „erotischen basso cantante“, der eben nicht nur auf den Opernbühnen Triumphe feierte, sondern gerade mit jenem Song auch am Broadway.

„Freunde, das Leben ist lebenswert“ schmettert der Tenor Richard Samek gemeinsam mit den Herren des Chores, Maria Perlt stellt sich mutig den Koloraturattacken mit „Glitter and by gay“ aus Bernsteins „Candide“ und von Jeanette Oswald erfahren wir im witzigen Duett mit Andreas Sauerzapf, dass ihre Mama aus Yokohama war.

Gerd Wiemer ist mit dem nachdenklich, melancholischen Song „Bin nur ein Jonny“ aus Paul Abrahams „Die Blume von Hawai“ zu erleben und Marcus Günzel ist jener Siegesmund, der nichts dafür kann, dass er so schön ist, wenn sich das Ensemble „Im weißen Rössl am Wolfgangsee“ trifft.

Natürlich grünt es auch so grün in dieser Gala, zu Olivia Delauré als Eliza gesellen sich in etlichen Szenen aus „My Fair Lady“ Janik Harneit, Axel Köhler, Bryan Rothfuss, Andreas Sauerzapf, Gerd Wiemer und Hans-Jürgen Wiese.

Schade, dass ebenso wie Jeannette Oswald auch Mandy Garbrecht nur in einer Szene aus Cole Porters „Anything Goes“ einen kurzen Soloauftritt hat. Aber dann, zum großen Finale, „Ther´s No Business Like Show-Business“ aus „Annie get yor Gan“, sind alle dabei, diese Show geht zu Ende, die nächste kommt bestimmt, bis dahin wird man sicher auch ein besseres, vor allem sensibleres Gespür für die Tontechnik entwickelt haben, denn alle Stimmen werden verstärkt, das Orchester dazu, da kann schon mal der Sound gehörig aus dem Ruder laufen.

Aber, alles auf Anfang, es geht weiter in Dresdens Mitte, und bei folgenden, sicher auch mutigeren, Inszenierungen wird man hören und sehen, dass auch in einem Kulturkraftwerk, die Kraft nicht selten in der Kunst liegt, auch den Zwischentönen Raum zu geben.

Weitere Galavorstellungen, mit weiteren Stargästen: 3., 4., 5., 6., 7., 8., 27. 01. www.staatsoperette.de

Von Boris Gruhl

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