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Die erste Premiere des TJG auf der großen Bühne im Dresdner Kraftwerk Mitte

Die große Bühne für singende Klappmäuler! Die erste Premiere des TJG auf der großen Bühne im Dresdner Kraftwerk Mitte

Zur Eröffnung kriegt das Puppentheaterensemble die große Bühne und spielt Musical! Eine augenzwinkernde Ansage an die fortan sehr eng benachbarte Staatsoperette, könnte man meinen.

Szene aus „The Season“
 

Quelle: Marco Prill

Dresden.  Zur Eröffnung kriegt das Puppentheaterensemble die große Bühne und spielt Musical! Eine augenzwinkernde Ansage an die fortan sehr eng benachbarte Staatsoperette, könnte man meinen.

Gespielt wird in der Regie von Moritz Sostmann „The Season“ (Text von Joe Cobden und Josh Dolgin), das Musical des kanadischen Hip-Hop-Musikers Socalled in der deutschen Übersetzung von Käptn Peng alias Robert Gwisdek für Kinder ab 10, eigentlich eine Aneinanderreihung von mal mehr, mal weniger trashigen Songs, die Geschichte bleibt Behauptung. Aber es geht gut los.

Bernd Sikora (musikalische Leitung) und seine vier Musiker betreten den Orchestergraben, die Ouvertüre beginnt. Sikora hat die Musik sehr phantasievoll umarrangiert für Akkordeon (Michael Kaden), Cello (Friedemann Herfurth), Harfe (Nora Koch), Keyboard (Sikora) und Schlagwerk inklusive des ungewöhnlichen Lithophons (Katharina Lattke). Der rote Vorhang öffnet sich zum ersten Mal, und wir sehen die acht Spieler und Spielerinnen in schwarzen Overalls und weißen Helmen, wie sie die letzten Vorkehrungen für den Akt ihrer Schöpfung treffen. Hier wird eine Bühne (Bühne und Kostüme: Klemens Kühn, Puppen: Hagen Tilp) in Besitz genommen, werden Scheinwerferbatterien ins Unsichtbare dirigiert und Tüllhänger heruntergefahren, eine (Bühnen)Welt entsteht.

Die Spieler verschwinden im Innern einer Wölbung, die zwei Spielebenen verbirgt, daraus treten hervor: Klappmaultiere à la Muppet Show. Die sind nicht leicht zu führen, weil wenig differenzierbar: Klappe auf und zu, zwei bewegliche Arme, mehr geht nicht. Doch immer mal wieder kommen die Spieler hinter den Puppen zum Vorschein, unterwandern lustvoll die theatrale Verabredung: Da tritt die Puppe des Jägers einer Spielerin, die dessen Füße führt, auf die Hände, und sie beschwert sich bei der Puppe, da geraten Spieler hinter den Puppen in Streit und vergessen das Material, das sie beleben sollen, da wird der Dirigent mit dem (Puppen)Gewehr bedroht. Schöne Spieleien, die uns augenzwinkernd daran erinnern, dass alles nur ein Spiel ist.

Dennoch will sich der Bühnenzauber nicht voll entfalten – trotz großer Mühen des Ensembles, den plüschigen Klappmäulern Charakter zu verleihen, trotz versierter Musiker, die den Stilmix aus allem Möglichen brillant beherrschen. Doch schon beim Gesang der Klappmäuler liegt die Crux. Wenn Texte sehr schnell zu singen sind, die Zuschauer aber nur das Maul klappen sehen, versteht man trotz Mikroport sehr wenig. Das ist auch insofern schwierig, als außer in den Liedern nicht viel passiert. Die kurzen Szenen zwischen den Arien, Rapsongs, Duetten und Chören vermitteln keine Geschichte, bleiben Behauptung, das trägt den Abend nicht.

Bär, Biber und Hase wohnen gemeinsam mit anderen Tieren, die hier aber nur Staffage bleiben, im Wald. Sie helfen sich und streiten sich, so wie Freunde das eben tun. Ihr gemeinsamer Feind ist der Jäger. Der kommt als pseudophilosophischer alter Knacker daher, der Hasen totschießt, weil er der Sieger sein will. Auch in diesem Herbst sind Biber und Hase dem Erschießungstod nur knapp entronnen, der Bär will sich gerade zu seinem Winterschlaf zurückziehen, da taucht ein Wesen mit Riesenrosapuschelkopf im Wald auf, und der Bär verliebt sich in die fremde Frau. Wenn sie sich auch nicht verständigen können, denn Tina spricht nur fremdländisch, hat sie doch ein paar hübsche Töne drauf, da verfällt der Bär ihr ganz und gar.

Aber Tina hat auch ihre ganze Familie mitgebracht, und die will keiner haben im Wald. Das sind einfach zu viele! Dann wird der Hase plötzlich doch erschossen, und alle sind sehr traurig. Aber nur kurz, denn dann singen sie was Lustiges und zwar gemeinsam mit der ganzen rosa family.

Der Jäger hat plötzlich sein Gewehr gegen ein Akkordeon eingetauscht und tanzt und singt mit den rosa Puppen. Und auch der Bär und Tina kommen sich endlich nahe, doch dann muss sie gehen bzw. abfliegen, und ihre ganze rosa Blase mit. Offenbar sind sie gekommen, um die Botschaft von Weltoffenheit und friedvollem Miteinander in den Wald zu tragen. Ihre Mission ist erfüllt, sie entschwinden nach oben, „Frau Luna“ läßt grüßen.

Das Stück endet mit einem mehrstimmigen, sehr schön gesungenen Satz über Freundschaft und das Miteinander und überhaupt.

Der erste Versuch auf der großen Bühne hat viel gewollt, noch nicht alles geschafft. Nun darf es wachsen!

Von Caren Pfeil

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