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Regional „Die bitterböse Lilly-Show“ feiert Premiere
Nachrichten Kultur Regional „Die bitterböse Lilly-Show“ feiert Premiere
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19:30 28.09.2018
Andreas Köhler alias Liliane Fiedler, oder kurz: Lilly. Quelle: Foto: Robert Jentzsch
Dresden

Es sind harte Zeiten für Männer. So ziemlich alles, was sie tun, sagen, fühlen oder denken, ist falsch – einfach weil sie dem falschen Geschlecht angehören. Nun verkündet Liliane Fiedler in „Die bitterböse Lilly-Show“, die am Donnerstag in der Pampelmuse, der kleinen Spielstätte des Boulevardtheaters, Premiere hatte, dass sich die Frauen zwar ganz gut weiterentwickelt hätten seit Adams Zeiten, die Männer hingegen auf der Evolutionsleiter stehen geblieben seien. Beispiel: 1818, da hätte ein Mann noch stolz verkündet: „Weib, ich habe einen Hirsch erlegt.“ 1918 dann: „Frau, ich habe das Dach gedeckt.“ Während er heute doch oft eher wissen lässt: „Schahatz, ich hab mir die Beine rasiert.“

Nun ist Liliane Fiedler, kurz Lilly genannt, allerdings gar keine echte Frau, sondern im viel Mut zur Farbe offenbarenden Kostüm steckt ein Mann: Andreas Köhler, der in der Travestie-Theater-Show „Tortenkiller“ die Leute begeistert und nun solo vom Leder zieht. „Die bitterböse Lilly-Show“, die verkündet, Frauen seien die besseren Männer, wurde von den Boulevardtheaterleuten in einer freiwilligen Selbstkontrolle mit dem Siegel P 18 bedacht. In der Tat: Jugendfrei ist die Sache nicht, auch wenn auf Flyern unter „P18!“ noch „Zentimeter“ steht. Nun weisen Frauen (und wohl auch mancher bewegte bzw. erregte Mann) auch bei größter Anstrengung die „geforderten“ 18 Zentimeter nicht auf, aber vor allem die Frauen waren es, die am Premierenabend aus dem Lachen gar nicht mehr herauskamen, war es doch die „Krone der Erschöpfung“, die in der Regel der Lächerlichkeit preisgegeben wurde. Lilly, die in ihrem Leben erklärtermaßen mehr Männer hatte „als Napoleon in Waterloo“, schlicht, weil sie „ihre tägliche Portion Mann braucht“, weiß, wie man das Ego eines Mannes mit nur vier Worten erschüttern kann: „Ist er schon drin?“

Nun gibt es solche und solche Travestie-Shows. Die legendäre Mary, verkörpert von Georg Preuße, wartete beispielsweise in der Regel mit witziger Weisheit auf, gepaart mit Ironie und Charme. Da ist Lilly von ganz anderem Kaliber. In der Disziplin, Tabus zu brechen und Heikles unverblümt aussprechen, geht sie viel tiefer unter die Gürtellinie. Und die Zuschauer werden in einer Tour angegangen, angemacht, auf die Schippe genommen, durch den Kakao gezogen, vor allem Männer müssen gute Miene zu all dem Hohn und Spott machen, der sich über sie ergießt.

Esprit ist nur in Spurenelementen auszumachen, es geht eindeutig derber und vulgärer zu – gerade auch bei Spielchen mit „Freiwilligen“, die allerlei mitmachen dürfen, eher aushalten müssen, auch das Nachbilden von Stellungen, wie man sie bei entsprechender Experimentierfreude und Gelenkigkeit halt mal ausprobiert im Liebesleben.

Man erfährt so einiges, was man vielleicht gar nicht wissen wollte, aber als Pointe halt doch funktioniert, etwa wenn Lilly verkündet, sie habe unlängst ihren ersten Porno gesehen – und dann aufseufzend klagt, wie jung und hübsch sie doch damals gewesen sei, aber immerhin könne sie sich noch an den Text erinnern, den sie damals beim Dreh sprechen musste. Das mit dem Alter ist mittlerweile ein Problem für die angejahrte Lilly, die einem Spiegel schon mal droht: „Spieglein, Spieglein an der Wand. Nur ein falsches Wort und ich klatsch Dich an die Wand!“

Manchen Gags und Sentenzen ist das Attribut neu und originell eher nicht zu bescheinigen, anderen schon. Das hängt wohl auch davon ab, wie viel man im Leben schon so an Sprüchen über das an sich ja unerschöpfliche Thema Männer und Frauen mitbekommen hat. Vor allem die ersten zehn Minuten nach der Pause sind mäßig unterhaltsam, da besteht Überarbeitungsbedarf. Ein paar melancholische Momente gibt es auch, etwa wenn Lilly sich an Willy erinnert – und sich gesteht, dass sie im Umgang mit ihm wohl einen großen Fehler gemacht hat. Hin- und mitreißend sind die – vielleicht etwas zu wenigen – Lieder, die Lilly anstimmt: Ob „Er gehört zu mir“ oder „Das bisschen Haushalt“, stets sangen vor allem die Frauen im Saal begeistert mit, und zwar junge wie auch jene, die definitiv nicht zur „Generation Porno“ zugerechnet werden können. Es waren vor allem die Geschlechtsgenossinnen Lillys, die sich bogen vor Lachen in dieser Show, die gute Chancen hat, nicht zuletzt bei Mädels, die mal einen Junggesellinnenabschied feiern oder einfach so mal einen drauf machen wollen, Kult zu werden.

nächste Vorstellungen: 3.10. & 11.11., jeweils 18 Uhr, 26.10., 20 Uhr

www.boulevardtheater.de

Von Christian Ruf

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