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Die ambivalente Zukunft der Museen

Diskussion im Albertinum Dresden Die ambivalente Zukunft der Museen

Wie sieht sie aus, die Zukunft der Museen? Diesem Thema widmete sich im Rahmen des aktuell in Dresden stattfindenden Deutschen Kunsthistorikertages ein hochkarätig weiblich besetztes Podium im Albertinum. Der Ausblick in Kürze: vorsichtig optimistisch. Doch klar ist auch: Nur wer sich ändert, bleibt sich treu.

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Dresdens Albertinum.

Quelle: dpa

Dresden. Rund 800 Experten aus dem In- und Ausland sind beim 34. Deutschen Kunsthistorikertag, der noch bis Sonntag dauert, in Dresden zu Gast. So gesehen, war der mit etwa 400 Gästen gefüllte Lichthof des Albertinums am Donnerstagabend schon eine ordentliche Kulisse für eine öffentliche Diskussion zur Zukunft der Museen. Auf dem Podium traf sich dazu ein weibliches Kunsthistoriker-Quartett: Pia Müller-Tamm (Direktorin der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe), Monica Juneja (Universität Heidelberg), Barbara Welzel (TU Dortmund), Marion Ackermann (Generaldirektorin Staatliche Kunstsammlungen Dresden/SKD). Der Moderator war zugleich der „Quotenmann“, wie er selbst eingangs bemerkte: der Soziologe Karl-Siegbert Rehberg (TU Dresden).

Die besagte Zukunft der Museen, dieses Resümee schon vorab, wurde vorsichtig optimistisch bewertet. Was in dieser Runde auch naheliegt. Müller-Tamm diagnostizierte umgehend gute Zeiten für Museen, weil wir „in einem visuellen Zeitalter“ leben. Die Statistik gibt ihr Recht, zumindest hierzulande: Für 2015 wurden vom Institut für Museumsforschung bundesweit fast 114,5 Millionen Museumsbesucher gezählt, eine Steigerung von 2,2 Prozent zum Vorjahr.

Für Ackermann „muss sich die Relevanz des Museums gerade neu beweisen“. Über dessen Zukunft lasse sich in außereuropäischen Ländern wie Brasilien oder Südafrika viel mehr lernen. Juneja sprach in diesem Kontext über ihre Erfahrungen aus Indien, wo in den Museen „keine leise Atmosphäre“ herrsche, die Besucher zum Beispiel viel und laut reden würden. Auch Welzel sah die Verortung der Museen als außerordentlich wichtig an. Sie sollten „sich als Teil einer Welt verstehen, in der Indien oder Aleppo liegt“.

Ackermann wagte außerdem noch einen Blick zurück und verwies auf die radikalen Museumsentwürfe in der Avantgarde der 1920er/1930er Jahre, als in liberaler Atmosphäre künstlerisches Arbeiten stellenweise eine fast kommunenhafte Offenheit atmete. Dort machte sie viele Anknüpfungspunkte aus. Heute sehe sie dagegen „verunsicherte Intellektuelle“ und stellenweisen gar Hass gegen die Hochkultur.

Ein anderer wichtiger Arbeitsaspekt moderner Museen wurde ebenfalls angesprochen: die Forschung. Ackermann lobte ihr Haus für den schon seit Jahrzehnten bestehenden Fokus auf die Forschung. Die Kunstsammlungen seien „der einzige Museumsverbund in Deutschland, wo das so ist“. Für sie stelle sich nun vor allem die Frage, wie das generierte Wissen einem Publikum zugänglich gemacht werden könne, und zwar über die Ausstellungen hinaus.

Auch Müller-Tamm schlug in diese Kerbe mit ihrer Forderung, Museen sollten „Forschung sichtbar machen, kommensurabel“. Außerdem springe der Funke bei Kindern, die Kunstmuseen besuchten, nur selten über. „Bei Technikmuseen ist das schon wieder anders.“ Welzel brachte wiederum die Idee vor, den Etat eines Museums anders auszugeben als für das „Umräumen von Dingen“. Das Geld solle für Diskurse, Programme, Vermittlungsformen in die Hand genommen werden. Dann könne das „Museum zu einem hippen Ort“ werden.

„Wollen wir viel erreichen, brauchen wir Hilfe von außen“, fasste Ackermann zudem das Problemfeld der wirtschaftlichen Ausstattung ins Auge. Für Welzel sind Museen in dieser Hinsicht ein Gesamtanliegen von Zivilgesellschaft und Bildungsprozessen. Deren Zukunft sei deshalb auch die „der freien Gesellschaft“.

Last but not least wurde schließlich noch eine Lanze für die Tradition gebrochen, genauer gesagt für die Magie der Exponate. Sybille Ebert-Schifferer, SKD-Chefin von 1998 bis 2001, sprach sich aus dem Publikum heraus dafür aus, „dem Objekt zu vertrauen“. In Zeiten digitaler Bildverbreitung habe „die Allgegenwärtigkeit den Zauber des Originals noch gesteigert“, meinte Rehberg. Darauf könnten die Museen weiter bauen. „Ganz sicher.“

Von Torsten Klaus

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