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"Die Welt und ich - 70 Jahre Emmerlich" auf dem Dresdner Theaterkahn

"Die Welt und ich - 70 Jahre Emmerlich" auf dem Dresdner Theaterkahn

70 Jahre Emmerlich versus Weltgeschehen: Ist das anmaßend? Oder frech, skurril, witzig, informativ, mitreißend? Das Premierenpublikum auf dem Theaterkahn entschied sich ganz offenbar für letztere Kategorien, wie dem begeisterten Applaus und den Lachern zu entnehmen war.

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Gunther Emmerlichs Programm feierte auf dem Theaterkahn Premiere.

Quelle: dpa/Karlheinz Schindler

Ein Großteil ist mit dem Sänger und Entertainer 70 oder älter geworden. Man weiß also, wovon er spricht, und kennt die Songs aus der Jugendzeit. Heimspiel für Gunther Emmerlich. Die im Osten Geborenen haben dazu noch den Vorteil, einen subtilen Humor genießen zu können, mit dem der Künstler DDR-Vergangenheit streift. Das ist nicht ausschließlich lustig und durchaus auch zur Vertiefung gedacht.

"Es war nicht alles schlecht", lautet Emmerlichs trockener Kommentar zu seinem drastischen Gewichtsverlust während drei Wochen U-Haft. In Freiheit sei ihm das nie gelungen. Oder: "Die DDR hatte billigen Schnaps und teure Genossen." Oder: "Westberlin wurde über die Luftbrücke versorgt - Ostberlin nicht." Da ist Emmerlichs neues musikalisch-erzählerisches Programm Ende der 40er Jahre angelangt. Begonnen hat es mit der Geburt und dem Kinderlied "Maikäfer flieg". Der Vater blieb im Krieg, nicht nur im Lied...

Mit Wortspielereien und Wortwitz setzt der Entertainer seine kurzen, knackigen Pointen, indem er sein Leben (dabei verrät er wohl nichts, was nicht schon bekannt wäre) in Bezug setzt zu Ereignissen in West und Ost. Große Politik und großes Kino stehen geschickt neben Petitessen und das Wort stimmt jeweils ein in die Schlager und Songs der Zeit, die manchmal nur angerissen werden. Auch Musical und Operette und sogar Bechers Nationalhymne knüpft sich der Sänger vor. Er interpretiert Titel von Manfred Krug, Paul Robeson, den Beatles, rockt mal wie Bill Haley und säuselt wie Ralf Bendix. Am überzeugendsten aber ist Emmerlich in seinen Bass-Paradepartien - da durfte der Milchmann Tewje nicht fehlen. Die Höhen liegen ihm nicht so. Und vielleicht wäre auch ein bisschen weniger Lesepult ganz gut.

Großen Anteil an der musikalischen Revue hat die bestens eingestimmte Michael-Fuchs-Band. Die fünf Musiker nehmen den Faden gern auf und wechseln gekonnt die Stilrichtungen, wobei sich Ive Kanew am Saxophon besonders in Szene setzen kann. Im Parforceritt geht es so durch Jahre und Melodien. Zur Pause war noch lange keine Halbzeit erreicht. Emmerlich lässt den Lebensabriss mit Reinhard Mey ausklingen, begleitet sich selbst auf der Gitarre. Mey schenkte ihm das Instrument, als die DDR gerade verschwand. Und dann schaut der 70-Jährige doch noch mal weit zurück und wählt eine wohlkalkulierte Zugabe: Mit "Jukebox Baby" war er einst der King in den Tanzsälen.

Weitere Vorstellungen am 25. und 26. November (Restkarten zwischen 17 und 25 Euro) sowie am 13. und 14. Januar 2015, jeweils 20 Uhr, auf dem Theaterkahn.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.10.2014

Genia Bleier

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