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Die Welt der Glückskeksfee: Der Dresdner Schaubudensommer endet am Sonntag

Die Welt der Glückskeksfee: Der Dresdner Schaubudensommer endet am Sonntag

Nun bleibt nur noch das Wochenende, um aus der Alltagswelt auszusteigen und in die leicht surreale zwischen Kumuluswolken und Rindenmulch einzutauchen. Mit Sonne, perfekten Temperaturen und ein paar neuen Künstlern im Programm dürfte es einen neuen Besucherrekord auf dem 16. Scheune Schaubuden Sommer geben.

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Schmusemuse Anoushka

Quelle: Juliane Hanka

Irgendetwas glitzert dort auf dem Hof der Scheune. Es läuft über den Platz, und wenn es näher kommt, entpuppt es sich als eine goldene Glückskeksfee, als Schmusemuse, wie sich Anoushka für ihre Performance nennt. Sie hat sich ein dem Barock entlehntes Glitzerkorsett mit Reifrock gebastelt, an dem nun die vielen, selbstgebackenen Kekse baumeln. Und was ist drin? "Das sind Sprüche, mal von Freunden, mal von Nietzsche oder Oscar Wilde, die merkwürdigerweise immer auf den zutreffen, der sie beim Essen des Kekses aus dem Mund fischt." Die Schmusemuse schwebt hoffentlich noch bis zum Schluss durch die Buden, aus denen Musik, Lachen oder merkwürdige Geräusche dringen.

Voll ist es eigentlich von Anfang an, niemand müsste mehr marktschreierisch seine Show bewerben. Wenn in die eine nichts mehr reingeht, drückt der Rest der Menschen eben ins nächste Zelt. Dennoch hört man sie immer wieder proklamieren, was das Publikum erwarten darf. The Pigs aus Australien marschieren über den Platz, spielen tagelang die Gäste in Tanzekstase und enden schließlich im Festivalclub mit ihrem Auftritt, bei dem die waschechten Country-Boys so manchem Popsternchen den Glitzer aus den Haaren spielen.

Die Echse von Puppenspieler Michael Hatzius musste kurzfristig zum Tierarzt, dafür kam José Antonio Puchades alias "Putxa" mit seiner Cie. Zero en Conducta aus Versehen schon zu früh von einem Festival in den Niederlanden und schloss die Lücke. Der Compagnie-Name bedeutet soviel wie "Null Benehmen" und die poetische wie komische Handshow des sympathischen Spaniers und seines italienischen Technikers Remo di Filippo wurde zum Publikumsliebling - mit Finger-Moonwalk vom urbanen B-Boy und anderen unterhaltsamen Figuren. Für einige jetzt schon die beste Show des Sommers und noch bis Sonntag im roten Zelt zu sehen.

Und natürlich sind auch viele Diven in den Schaubuden zu Gast. So wie Baby Dee, mit ihren möhrenroten Haaren und ihrer geliebten Orgel singt sie schrille bis tiefgründige Lieder über sich als Baumkletterer, über Goethes Erlkönig oder eine Begegnung mit Jesus in Detroit. Heute noch einmal im Programm.

Auch Annamateur, die sowieso immer präsent ist auf ihrem oft zitierten Lieblingsfestival, spitzt ihr neues Programm "BadnBadn" mit jedem Durchlauf ein bisschen mehr zu und übt sich in der Welt der absoluten Mitteilung. "Ich teile Banales, damit es nicht egal ist", singt und säuselt sie mit gewohnt überwältigender Stimme. Der Filmemacher David Campesino filmt, Gitarrist Samuel Heilscheidt begleitet an der Gitarre. Es wird gebadet, ab und zu ein Hahn auf- und wieder zugedreht und immer brav auf Facebook dokumentiert. Klingt nicht so spannend? Was in der Welt der sozialen Netzwerke funktioniert, funktioniert auch in der ironischen Überspitzung auf der Bühne. Noch bis zum bitteren Ende des Budenspektakels.

Neu angekommen sind Machine de Beauvoir. Die beiden Dresdner Sandra Maria Huimann und Jörg Schittkowski schnipseln Kunst, Poesie und Elektronik zusammen, dass es laut scheppert, man immer aber auch noch die ein oder andere kluge Zeile lernen kann. Auch der lispelnde Hans Krüger ist gerade erst aus Berlin eingereist und übt sich nun im Fliegen und am Akkordeon der einsamen Finger.

Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom!

Ansonsten sieht man vieles, wenn man sich für einen Moment mal nicht bewegt und auf der Treppe Platz nimmt. Da sitzt ein Bär vor einem Zelt und spielt in Gedanken versunken auf seiner Gitarre. Die Sessel vorm Container 7 sind immer besetzt. Der inoffizielle Wohnzimmersalon ist offen für alle, die sich nicht entscheiden können, wohin sie als nächstes gehen. Anne Klein hat für jeden ein nettes Wort im Ärmel und leuchtet den Mutigen den Weg in ihr versunkenes Paradies "The Capture!".

Irgendwann kommt er dann, der Mitternachtszug, und nimmt die Letzten mit auf Tour durch die Neustadt. Jeder der Künstler darf dann noch einmal eine Extrashow zeigen, meist in ungewöhnlicher Kulisse. Die Tänzerinnen um die Kurz&Lang JuWie Dance Company tauchten mit ihrer Wasserchoreografie ins Nordbad ab, das kleine Funkelfix-Kino von Christian Kitzbichler zeigte auf seiner wohl bisher größten Leinwand auf einer Hauswand auf der Sebnitzer Straße einen witzigen Animationsfilm, und die Artistin Empress Stah hing ziemlich unverhüllt am Seil an einem Kran auf dem Parkplatz neben der Scheune.

Zurück auf dem Platz, geht das letzte Geld dann doch noch für einen Glückskeks aus Quark und Rosinen drauf, auf dem französischen Briefpapier steht in Glitzerschrift: "Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom!" Also genießen Sie die letzten beiden Tage in dieser Schwimm- und Denkrichtung!

@www.schaubudensommer.de www.facebook.com/SchaubudenSommer

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.07.2013

Juliane Hanka

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