Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 1 ° Schneeregen

Navigation:
Google+
Die Weihnachtsbremse: Innig und festlich: The National Jazz Trio Of Scotland’s Christmas Album

Die Weihnachtsbremse: Innig und festlich: The National Jazz Trio Of Scotland’s Christmas Album

Zunächst: Es ist kein Jazz! Protagonist Bill Wells ist schließlich auch kein Reinst-Jazzer. Der schottische Komponist, Multiinstrumentalist und Projektkünstler lässt sich nicht einfangen in dem, was er macht.

Voriger Artikel
Ein Weltstar tanzt in Dresden: Polina Semionova im "Nussknacker"
Nächster Artikel
Jürgen, spiel’ mal was!: Wiederbegegnung: Helge Schneiders Weihnachtsklassiker

Nicht, wenn er mit Jim O'Rourke und einer Handvoll Japaner, mit Stefan Schneider (To Rococo Rot) oder Barbara Morgenstern das freie Experiment ins Studio holt, mit Aidan Moffat (Ex-Arab-Strap), Jad Fair oder Isobell Campbell (Belle & Sebastian) Platten einspielt und dabei keineswegs der Singer/Songwriter-Attitüde erliegt. Auch in seinen eigenen Formationen reagiert das "strukturierte Chaos", wie es Wells' Stammlabel Domino so treffend umschreibt.

Wenn der 49-Jährige jetzt eine Weihnachtsplatte veröffentlicht, ist zwar Weihnachten drin, aber irgendwie auch nicht. Schon gar nicht ist sie im Trio aufgenommen. Wells, hier Pianist, Keyboarder und Elektroniker, hat sich drei Sängerinnen und einen Sänger herzugeholt, die ebenfalls keinen Jazzhintergrund haben. Lorna Gilfedder ist Gitarristin und Schlagzeugerin in Rockbands, Aby Vulliamy spielt Viola und Akkordeon im One Ensemble, Kate Sugden ist freie Multiinstrumentalistin mit Nebenjob Gesang, Gerard Black steht mit Francois & The Atlas Mountains auf der Bühne.

Bill Wells fokussiert die vier ausschließlich auf den Gesang. Das Ergebnis ist frappierend, denn es geht zwölf Stücke lang nicht um Vokalakrobatik, sondern um weiche Linienführung und versteckte Finessen. Obwohl die Motivation, eine Fest-Platte zu machen, in unzählig vielen Weihnachtsliedern lag, die Bill Wells überhaupt nicht leiden kann, beweist das "falsche Trio" ein immenses Maß Respekt vor Traditionals und Klassikern. Weder "Oh Xmas Tree" noch "Winter Wonderland", weder "Jingle Bells" noch "The Christmas Song" fehlen.

Bill Wells aber hat im Stile des "Rekomponierens" umgedeutet, seziert und neu zusammengesetzt. Alles kommt wie eine Art "Weihnachtsbremse" in hektischer Zeit daher und erinnert an Carla Bleys Art, mit unvermeidlichen Liedern zum eigentlich wunderschönen Fest umzugehen, sie der lärmigen Fahrstuhl- und Marktbeschallung zu entreißen, ihnen wieder Sinn zu geben.

Fragile Rhythmen legen sich unter die Stimmen, Wells ist ganz Pianist und mischt von Norman Blake (Teenage Fanclub) aufgenommenen Samples u.a. von Bass, Gitarre, Viola, Harfe, Glockenspiel und Schellen behutsam unter. Auch andere Electronics wirken nie aufgesetzt oder aufdringlich. Helle Stimmungen entstehen genauso wie grauschwarze Tim-Burton-Grundierungen. Und vor allem ist die CD eines nicht: ironisch.

The National Jazz Trio Of Scotland's Christmas Album (Karaoke Kalk)

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.12.2012

Andreas Körner

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr