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Die Uraufführung "DroodGame oder das Jahrhundert-Spiel" am Sonnabend im Görlitzer Theater

Die Uraufführung "DroodGame oder das Jahrhundert-Spiel" am Sonnabend im Görlitzer Theater

Mal wieder feiert das Gerhart-Hauptmann-Theater ein Jubiläum. Zu Charles Dickens' 200. Geburtstag hat das Haus ein Stück ausgekramt, das der Meister selbst nicht vollenden konnte.

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Der Librettist Sebastian Ripprich.

Quelle: Pawel Sosnowski

Sein Tod im Jahre 1870 verhinderte die Fertigstellung des Kriminalromans "Das Geheimnis des Edwin Drood". Unter der musikalischen Leitung Ulrich Kerns inszeniert Generalintendant Klaus Arauner ein Kriminalstück nach dem viel bearbeiteten Romanfragment.

Worum geht es überhaupt? Im Original des englischen Schriftstellers sind zwei Waisen, Edwin Drood und Rosa Bud, einander zur Heirat versprochen. Sie mögen, aber lieben sich nicht und beschließen deshalb, sich zu trennen. Nach der Einführung zweier merkwürdiger Charaktere und einem Streit verliert sich die Spur von Drood. Bevor Dickens das Ganze auflösen kann, stirbt er an einem Gehirnschlag. Fast 2000 Enden wurden seitdem geschrieben, vertont oder verfilmt, die das Verschwinden Edwin Droods aufzuklären versuchen. Ein Anspruch, der für den 51-jährigen Autor Sebastian Ripprich nicht nachvollziehbar ist. "Das Romanfragment gilt als unvollendbar. Bei einer griechischen Torsoplastik kommt schließlich auch niemand auf die Idee, einen Arm anzukleben."

Anstelle der pseudo-logischen Fortschreibung schrieb Ripprich deshalb eine Rahmenhandlung, die in der Gegenwart spielt. "In der ersten Hälfte führen die Künstler auf der Bühne das Original auf und weil sie das offene Ende blöd finden, entwickeln sie eine zweite, zeitgemäße Version." Was wäre aus den Figuren und Konflikten heute geworden? "Der Konflikt wird extrem zugespitzt und aus dem liebenswürdigen Kontext des 19. Jahrhunderts in die raue Wirklichkeit der Gegenwart gestellt. Aber nicht nur bösartig, sondern auch humorvoll." Jetzt ist das Mädchen Rose willensstark und emanzipiert, Edwin ein unreifer Pragmatiker und sein nebulöser, doppelgesichtiger Onkel John Jasper Kirchenkantor und verstrickt in lokalpolitische Intrigen. Die skurrile Figurenentwicklung der Romanvorlage bleibe dabei erhalten, ergänzt der diplomierte Theaterwissenschaftler. "Das Stück durchzieht eine schaurig-spannende Grundstimmung, weil niemand weiß, was genau passiert ist oder ob es überhaupt einen Mord gab." Und wie geht das "Droodgame" nun aus? Die Künstler wählen ein sehr düsteres Ende für das Jetztzeitstück, doch erkennen, dass sie die Zuschauer so nicht gehen lassen dürfen, spulen zurück und spielen noch ein glücklich ausgehendes Operettenfinale hinterher. "Die Wahrheit", und damit trifft Ripprich den Kern von so ziemlich allem, "liegt irgendwo dazwischen." Das Kriminalstück bleibt damit schlauerweise ebenso offen, wie es nach einer passenden Lösung sucht. Es geht einigermaßen unbefangen um mit Original, Sprache, Musik und Zeitebenen.

Ripprich gibt noch kurz Einblick in die musikalische Umsetzung des Komponisten Ernst Bechert. Schlager und Musik, die an Rammstein erinnert, kämen drin vor, genau wie klassische Opernarien, man schöpfe aus einem musikalischen Fundus von 200 Jahren. Ein "Jahrhundertspiel" im Sinne der Stilvermischung also. Ein letzter Tipp vom Librettisten: "Man sollte sich eine Karte kaufen, zweieinhalb Stunden Zeit mitbringen, offen sein und sich auf das Spiel einlassen." Juliane Hanka

DroodGame oder Das Jahrhundert-Spiel − Kriminalstück für Musiktheater nach dem Romanfragment "Das Geheimnis des Edwin Drood" von Charles Dickens feiert am Sonnabend, 19.30 Uhr im Theater Görlitz Premiere

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.04.2012

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