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Die TU-Studentenbühne feiert sich selbst

„Amateur“-Trilogie Die TU-Studentenbühne feiert sich selbst

Schauspieler, Regisseur, Zuschauer – diesen Dreischritt der „Elemente eines Theaterereignisses“ – gönnt sich „die bühne“ in der Spielzeit zum 60. Jubiläum. Dabei soll „Der Amateur“, so der Titel der gesamten Trilogie in Regie und aus der Feder von Andreas Mihan, die Abgrenzungen der Praxis gegen das professionelle Theater und die spezifische Freiräume sowie Grenzen untersuchen.

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Regisseur (Florian Gleißner, r.) betrachtet den „Materiematerialsator“.
 

Quelle: Maximilian Helm

Dresden.  Schauspieler, Regisseur, Zuschauer – diesen Dreischritt der „Elemente eines Theaterereignisses“ – gönnt sich „die bühne“ in der Spielzeit zum 60. Jubiläum. Dabei soll „Der Amateur“, so der Titel der gesamten Trilogie in Regie und aus der Feder von Andreas Mihan, die Abgrenzungen der Praxis gegen das professionelle Theater und die spezifische Freiräume sowie Grenzen, Produktionsbedingungen und Motivationen der Beteiligten untersuchen.

Mihan, der das TU-Studententheater vom 55. bis zum 57. Jahrgang leitete, zur Seite steht mit Matthias Spaniel sein direkter Nachfolger als Dramaturg. Beide betrachten ihre Beleuchtung des „Phänomens Amateurtheater“ als Forschungsprojekt. Nach dem „Schauspieler“ im Oktober hatte nun der „Regisseur“ seinen Auftritt per Uraufführung – und zwar weitaus lebendiger als die Vorankündigung oder der Untertitel „dunkel oszillierend und verheißungsvoll“ vermuten lassen, obwohl auch hier der Tod allgegenwärtig ist.

Dabei ist der Regisseur Klaus Kafalnik, angeblich an eine konkrete Biographie angelehnt, schon ein Weilchen verschwunden, während nun Krissi (Christina Pflugbeil) als seine einzige Versteherin die Proben fortführt, in dem seinem Werk gehuldigt werden soll. Sie lässt sich nur Klaus nennen und feilt just an einer absurden Szene, in der der Regisseur anhand von der Erläuterung der Bedeutung von zwei kleinen Schritten klarmacht, warum er zersägt gehört – sehr schön ausgespielt von Mattis Hasler und Robert Richter.

Während das restliche Personal lieber zur Strafe einen Kitschfilm drehen möchte, in dem der Regisseur auf Sinnsuche in einer wüsten Oase entführt wird und sich daher um eine verwelkte Palme (wird gerade geliefert) oder das aus dem Zoo abzuholende Dromedar kümmert und so weder Lust noch Muse für die eigentliche Probe auf der k-förmigen Bühne, über der k-förmige Neonleuchten ab und an dunkel oszillieren (Ausstattung: Christine Ruynat), aber zunehmend neben dem gleichlautenden Stichwort.

Nun tritt seine Muse, also Jenny T. Klee, auf dem Plan und entzaubert Meister und Gefolgin: Kafalnik habe sie alle verraten, er habe sich bei Provinztheatern wie Zittau oder Meiningen beworben, weil er das angebliche „Herzensprojekt“ hier satt habe. Und das sogar erfolglos. Mehr noch: Er wird zersägt in der Mülltonne gefunden – nur an der ewigen Weihnachtssocke erkennbar, das Entsetzen darüber hält sich aber in Grenzen, denn jeder hätte ein Motiv parat.

Und wie schon im ersten Teil – hier war der Schauspieler bei der Generalprobe vor Ehrgeiz und Talent explodiert – kommt nun der Materiematerialsator – eine furiose und lautstarke Mischung aus Uraltcomputer, Frontlader, Ampel und Staubsauger wie Laubbläser – zum Einsatz und der Regisseur, in Form von Florian Gleißner, erscheint zum letzten Monolog und erklärt sehr fulminant, warum man in heutigen Zeiten eher auf die Straße muss anstatt per Theater herumzudekadieren: „Das Friedenszeitalter taumelt, das Europäische knirscht, aus den Rissen der Zivilisation hallt der Ruf nach Identität, die Unübersichtlichkeit wird mit „Volk“ beantwortet und wir spielen Theater?“

Acht Spieler, wie schon im ersten Teil mit den eigenen Vornamen gekennzeichnet, wobei diesmal Nele Paar fehlt und dafür Anja Haase, als Regieassistentin gleichzeitig Souffleuse, mitspielt. Im Gegensatz zum Start dauert es im zweiten Teil ein Weilchen, ehe die Geschichte Fahrt aufnimmt, auch kann nicht jeder Zuschauer auf den Papphockern alles sehen. So kommt der faszinierende Materialsator, durch den Kafalnik wieder entflieht, hier nicht so stark zur Wirkung wie beim ersten Teil, der im großen Hörsaal 136 spielt und mehr Platz bietet. Äußerst witzig und bemerkenswert vorgetragen: die Monologe von Mattis Hasler und Florian Gleißner über die Anliegen von Regisseuren.

Zum Schluss eskaliert auch der Streit unter den ganzen Stellvertretern, den die Regieassistentin offenbar für sich entscheidet. Teil III widmet sich ab 12. Mai dem „Zuschauer“, dann erschließt sich die Amateure-Trilogie vielleicht ob der angelegten Bezüge als verwoben und hintereinander spielbar

„Der Amateur II – Regisseur“ vom 3. bis 5. Februar (je 20.15 Uhr);

https://die-buehne.tu-dresden.de/

Von Andreas Herrmann

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