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Die Staatsoperette Dresden steht nach der Havarie vor dem Neustart

Zurück auf Los Die Staatsoperette Dresden steht nach der Havarie vor dem Neustart

Die Staatsoperette Dresden kann die Folgen der Havarie Mitte Oktober, als die Bühne bei der planmäßigen Prüfung von Brandschutzeinrichtungen mit rund 16 000 Litern Löschwasser geflutet worden war (DNN berichteten), endlich hinter sich lassen. Mit "Frau Luna" soll am Sonnabend der Neustart gelingen.

Wolfgang Schaller, Intendant der Staatsoperette Dresden, zurück auf der Bühne des Hauses, im Bühnenbild der kommenden Premiere „Frau Luna“.
 

Quelle: Stephan Floss

Dresden.  Durch die großen Käsestücke kann man Slalom laufen. Es gibt aber auch noch den direkten Weg hin zur abgesperrten Bühnenkante. Drei, vier Meter vom Orchestergraben entfernt steht der Nachbau einer kleinen Berliner Dachwohnung. Alles gehört zu Kulisse der kommenden Inszenierung „Frau Luna“, die am Sonnabend Premiere an Dresdens Staatsoperette feiert. Mehr als nur ein Hinweis darauf, dass das Haus die Folgen der Havarie Mitte Oktober, als die Bühne bei der planmäßigen Prüfung von Brandschutzeinrichtungen mit rund 16 000 Litern Löschwasser geflutet worden war (DNN berichteten), endlich hinter sich lassen kann.

„Frau Luna“ – eine recht phantastische Operette, in der eine kleine Reisegesellschaft per Ballon zum Mond fliegt, der natürlich aus Käse und noch dazu ein sehr vergnüglicher Ort ist – und die am 3. März folgende Uraufführung des Nachbarschaftsmusicals „Zzaun!“ (die ursprünglich schon am 28. Oktober 2017, zehn Tage nach der Havarie, über die Bühne gehen sollte) markieren also die Rückkehr zum Normalbetrieb an der Staatsoperette. Was auch heißt, dass die Vorstellungen auf der Vorderbühne, die in der Zwischenzeit gezeigt worden waren, nun ihren Dienst getan haben.

Gestern zog Intendant Wolfgang Schaller noch einmal eine Schadensbilanz, machte gleichzeitig aber auch seine Erleichterung deutlich. Die Tatsache, dass die Premiere „Frau Luna“ nun lediglich eine Woche später als ursprünglich geplant gezeigt werden kann, machte Schaller vor allem an der engen Zusammenarbeit der Kommunalen Immobilien Dresden GmbH & Co. KG (KID), städtischer Eigentümer und Vermieter des Kraftwerks Mitte, sowie der Abteilung Technik und Ausstattung der Operette fest. Und er verwies auf eine Eilentscheidung des Finanzausschusses des Dresdner Stadtrates vom 4. Dezember, mit dem das Gremium 240 000 Euro bereitstellte, dadurch die Wiederherstellung der Bühne beschleunigte und die Diskussion um eine mögliche Interimsspielstätte beendete.

Unterm Strich hat die Operette 27 ausgefallene Vorstellungen und Einnahmeverluste von 480 000 Euro zu verkraften. Auf der Bühne mussten rund 1000 Quadratmeter Holzboden mit Unterbau und Dämmung komplett erneuert werden. In der Beleuchtung waren mehr als 2000 Komponenten oder Gegenstände beschädigt, darunter 370 Scheinwerfer. Die Gebäudeschäden bezifferte KID-Objektleiter Norbert Horn auf rund 1,8 Millionen Euro. Es seien aber noch Arbeiten notwendig, „wir rechnen mit bis zu 3 Millionen Euro“, sagte Horn. Glück im Unglück: Ende Oktober war noch von mindestens 5 Millionen Euro die Rede.

Allein für die Scheinwerfer, die komplett erneuert wurden, mussten etwa 900 000 Euro ausgegeben werden. Schon einen Tag nach der Havarie seien erste Rostspuren an den Scheinwerfern gefunden worden, sagte Mario Radicke, Direktor Technik und Ausstattung bei der Staatsoperette. Auch Leiterplatten hätten Rostfraß abbekommen. Deshalb sei die Entscheidung für neue Schweinwerfer richtig gewesen. Bei getrockneten und reparierten Geräten wäre die Gefahr immer groß geblieben, dass sie durch Spätfolgen der Schäden doch noch ausgefallen wären.

Auch aus der Havarie selbst sind Lehren gezogen worden. Damals hatte ein Mitarbeiter der Wartungsfirma bei einer turnusmäßigen Überprüfung irrtümlich zwei Brandmelder über der Hauptbühne der Operette ausgelöst statt über der Hauptbühne des benachbarten Theaters Junge Generation (tjg). Folge war ein rund 30 Sekunden dauernder Wassersturz. „Wie ein Regenguss im Regenwald“, beschrieb Horn das damalige Geschehen. Nun sei das Wartungsregime geändert worden, sagte er. Will heißen: Bisher war das Wasser nur bei der jeweiligen zu prüfenden Bühne abgestellt, nun sollen die Ventile bei Wartungen immer sowohl bei Operette als auch beim tjg geschlossen bleiben, damit selbst ein Bedienfehler keine Katastrophe dieser Art mehr auslösen kann. Die Wartung selbst erfolgt via Computer, die anzeigen, ob Brandmelder anschlagen und damit auch das Löschwasser entsprechend fließen würde. Alles im trockenen Bereich.

Die Ostdeutsche Kommunalversicherung ist bei der Schadensregulierung erst einmal in Vorleistung gegangen. Sie wird aber versuchen, sich bei der Versicherung der beteiligten Wartungsfirma schadlos zu halten, wie Horn wissen ließ.

Schaller will nun über den Deutschen Bühnenverein auch eine Debatte anstoßen, um die bisherigen Brandschutzvorschriften für Theater auf den Prüfstand zu stellen. „Seit 20 Jahren hat kein Theater mehr gebrannt, aber jedes Jahr, salopp formuliert, saufen fünf ab.“ Die ersten Reaktionen darauf seien positiv gewesen, sagte er.

Premiere „Frau Luna“: Sonnabend, 19.30 Uhr (ausverkauft)

www.staatsoperette.de

Von Torsten Klaus

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