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Regional Die Show „The Bar at Buena Vista beschwor die goldene Ära kubanischer Musik
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18:57 13.03.2018
Rene Pérez Azcuy (r.) gehört mit seinen 77 Jahren noch zu den „jüngeren Eisen“ auf der Bühne. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Compay Segundo, Rubén Gonzaléz, Ibrahim Ferrer – so nach und nach reihte sich in der Vergangenheit Nachruf an Nachruf, war der Buena Vista Social Club ein Club ohne noch lebende Mitglieder. Aber siehe da, es fanden sich immer noch ein paar Musiker auf Kuba, die die große Zeit der heimischen Musik miterlebt haben und nun auf ihre alten Tage nochmal zeigen dürfen, was sie so drauf haben.

Das Gros der Akteure der Show „The Bar at Buena Vista“, die am Montagabend im Kulturpalast zu erleben war, hat auch schon etliche Jährchen auf dem Buckel. Auch in diesem Fall ist das Alter vieler Akteure das entscheidende Markenzeichen. Da wäre etwa Sänger Rene Pérez Azcuy, geboren 1940, Sänger Ignacio „Mazacote“ Carrillo, Jahrgang 1924, der vor allem mit der Rumba auf Du und Du stehende Tänzer Luis Chacón Mendive, Jahrgang 1932, oder auch die mit einer machtvollen wie rauchig-lebensinnigen Stimme gesegnete Diva Siomara Airlia Valdés Lescay, über deren Alter im Programmheft nichts verraten wird – etwas mehr als 29 an Jahren werden es wohl sein. Die Herren sind perfekt gekleidet, ganz Gentlemn der alten Schule, inklusive Jackett, Krawatte und Hut.

Laut Programmheft geht es zurück in die „goldene Ära kubanischer Musik“, in eine Zeit also, in der der Sozialismus sich allenfalls als Silberstreif am Horizont abzeichnete. Freunde der Rumba, des Son, des Mambo sowie karibischer Klänge wie zeitgemäßer Jazz-Harmonien kommen bei dieser Zeitreise in die Vierziger und Fünfziger des vergangenen Jahrhunderts auf ihre Kosten. Die linke Seite der Bühne zeigt das Ambiente einer kubanischen Kneipe, in der flaschentechnisch mehr zu bekommen wäre als die Touri-Brause Mojito; rechts agieren die Musiker (wobei vor allem Trompeter Elpidio Chappottin Delgado unglaublich gut ist); über allem liegt Zigarrenrauch in der Luft.

Die Tanzeinlagen sind recht beachtlich, zum Teil mit Figuren, die man vielleicht beim Eiskunstlauf vermutet, aber nicht auf der Bühne, wobei es hier die Herren sind, die sich lang machen. Vor allem Tänzer Eric Turro Martínez, schon mal gern als „Hurricane del Caribe“ apostrophiert, weiß, wie eine flotte Sohle aussieht. Einmal legt er mit drei jungen Tänzerinnen einen „flotten Vierer“ hin, oder soll man angesichts der drei „Pferdchen“, die er da an der „Leine“ führt, naja, einem Tuch, von einem Troika-Gespann sprechen? Hier und da werden einzelne Leute aus dem Publikum tanztechnisch mit eingespannt, was bei einem Mann darauf hinausläuft, dass er zwar von einer jungen Latina gelockt wird, es dann aber die rüstige Siomara Airlia Valdés Lescay ist, die ihm Nachhilfe in Sachen Schrittfolge erteilt. Son cosas que pasan, solche Sachen passieren, heißt es da wohl im Spanischen. Als Entschädigung wird dem sich wacker schlagenden „Alemán“ anschließend ein Getränk serviert, ein Cuba Libre, wie ich mal vermuten würde.

Die Ansagen erfolgen – de facto eine Schmach für Sozialisten wie Nationalisten – in der Sprache der Gringos: auf Englisch, einem sehr schlechten Englisch, um es genau zu nehmen. Überhaupt stellt sich zunehmend bei aller Freude an der Musik ein ungutes Gefühl ein. Man gönnt es ja den Buena-Vista-Veteranen, dass sie mit ein paar nostalgischen Songs und Tanzeinlagen getreu dem Spaghetti-Western-Motto „Für ein paar Dollar mehr“ dank der sich noch leidlich haltenden Kuba-Welle auf ihre alten Tage ihre spärliche sozialistische Rente aufbessern können, aber manchmal erinnert das auch an Tanzbären, die am Nasenring durch die Arena geführt werden. Wenn er nicht im Fokus des Geschehens steht, dann sitzt Carrillo beispielsweise in einem Schaukelstuhl, pafft an einer Zigarette wie einst Helmut Schmidt auf seine alten Tage, und blinkt wie geistesabwesend ins Leere. Wenn er das Mikro hält, dann zittert es in seiner Hand. Will man Mick Jagger oder Bruce Springsteen mal so auf der Bühne sehen? Nein, ganz entschieden nein.

Aber gut, es gibt auch Momente, da wird sich seitens der „Großväter“ der „Cuban Music“ auch schon mal lustig gemacht über die eigene Gebrechlichkeit. Bei einer Gelegenheit tut beispielsweise Luis Chacón Mendive so, als würde er einen Gehstock brauchen, verjüngt sich dann aber rapide. Den Gehstock rhythmisch umherschwingend, dann wegwerfend, vertraute er seinen Körper versonnen lächelnd dem Rhythmus an. Gut, die Bewegungen und Schritte sind sicherlich weniger raumgreifend als noch in seiner Jugend, im Vergleich zu uns hüftsteifen Deutschen hat er es aber definitiv noch drauf.

Von Christian Ruf

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