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Regional Die Sammlung „Hoffmann“ zu zeitgenössischer Kunst kommt nach Dresden
Nachrichten Kultur Regional Die Sammlung „Hoffmann“ zu zeitgenössischer Kunst kommt nach Dresden
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09:59 10.03.2018
Die Mäzerin Erika Hoffmann-Koenige im Albertinum vor der Skulptur „Blaues Zimmer“ von Isa Genzken, Teil der Hoffmann-Sammlung. Quelle: Anja Schneider
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Dresden

Was man nicht hat, kann man auch nicht verlieren, hat irgendein minimalistischer Lebenskünstler mal gesagt. Aber selbst dieser doch so logische Satz ist widerlegt worden. Und zwar nicht irgendwo, sondern dort, wo der Dienstag einem allein deshalb so schön vorkommt, weil der Montag dann vorbei ist: in Dresden. Und zwar nicht mit irgendetwas, sondern mit einer Geschichte um Großzügigkeit und Kleinmut.

Es war also mal ein Paar, das sich mit Haut und Haar der Kunst verschrieben hatte und sie auch sammelte. Doch damit nicht genug: Die beiden entwickelten auch eine Idee, ihre Kunst zu zeigen. In Dresden. Der Stadtrat sagte ja, knickte aber später gegen den Ministerpräsidenten des kleinen Landes ein.

Was sich so märchenhaft-naiv anhören mag, geht Anfang der 1990er Jahre an der Elbe leider Gottes so über die Bühne. Im Sommer 1990 schlagen die Mäzene Rolf und Erika Hoffmann vor, mit Hilfe von sogenanntem Public Private Partnership einen Ort für zeitgenössische Kunst in Dresden zu schaffen. Gut zwei Jahre später stimmen die Stadtverordneten mit deutlicher Mehrheit, 71 zu 31 Stimmen, für den Entwurf Frank Stellas an der Herzogin Garten. Anfang 1993 lehnt der damalige Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (CDU) jede Unterstützung ab. Die Unternehmung stirbt. Dresden hatte die Sammlung nicht und sie dennoch verloren. Ein Kunststück, wie gesagt.

Nun, ein Vierteljahrhundert später, folgt sozusagen die späte Wende in dieser Geschichte Die Sammlung findet nun doch ihren Weg nach Dresden, ohne ein eigenes Ausstellungshaus zwar, aber dafür zusammenhängend – nämlich unter dem Dach der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD). Das machten gestern drei Frauen sichtlich erfreut publik: die SKD-Generaldirektorin Marion Ackermann, Sachsens Kunstministerin Eva-Maria Stange (SPD) – und vor allem Erika Hoffmann-Koenige. Sie hat seit dem Tod ihres Mannes 2001 die gemeinsame Sammlung weitergeführt und weiterentwickelt. Nun geht das Ganze als „äußerst generöser Schenkungsakt“, wie die SKD in einer Mitteilung formulierten, schlussendlich doch an die Elbe.

Ein Griff in die Bonbon-Installation von Felix Gonzalez-Torres Quelle: Anja Schneider

Und die Hoffmannsche Kollektion hat es in sich. Rund 1200 Werke vereint sie, die zwischen 1910 und der Gegenwart entstanden sind. Die beteiligten Namen lesen sich stellenweise wie ein Who’s who der Künstlerschaft des 20. und 21. Jahrhunderts: von Monica Bonvicini und Jean-Michel Basquiat über Tracey Emin und Isa Genzken bis hin zu Bruce Nauman und Pipilotti Rist. Der Vortag, an dem die Schenkung sozusagen besiegelt worden war, gehe in die Geschichte das Hauses ein, sagte Ackermann.

Nach dem beschlossenen Umzug des riesigen Archivs der Avantgarden des Sammlers Egidio Marzona, das im Blockhaus seine neue Heimat in Dresden finden wird (DNN berichteten), steht damit ein weiterer Quantensprung in Sachen zeitgenössischer Kunst für die Stadt unmittelbar bevor. Wobei aus der vermeintlichen Not, der Sammlung Hoffmann kein eigenes Haus zueignen zu können, eine Tugend entsteht: Die Werke sollen in verschiedenen Museen der SKD in einen Dialog mit den „angestammten“ Exponaten treten. Ziel soll sein, „dass alle 15 Museen und Sammlungen der SKD mit dem Konvolut arbeiten können“. Als Leihgaben sollen die Werke zudem auch anderen Museen in Sachsen zur Verfügung gestellt werden. Hoffmann-Koenige betonte, dass trotz der einst gescheiterten Pläne die Verbindung zu Dresden nie ganz abgerissen sei. Sie habe bei den Gesprächen zum Umzug ihrer Sammlung auf Dresdner Seite „einen herzlichen Wunsch und innige Begeisterung“ gespürt, sagte sie.

Trotz dieses Coups wird nun kein Ansturm in Richtung SKD losbrechen. Allein schon deshalb, weil die Sammlung Hoffmann erst innerhalb der nächsten fünf Jahre sukzessive von Berlin nach Dresden wandern und hier ihren Standort finden wird. Noch aber gibt es das bisherige Zuhause der Sammlung, das auch das der Sammlerin ist: in einer ehemaligen Nähmaschinenfabrik in den Sophie-Gips-Höfen in Berlin Mitte, wo die in den großzügigen Privat-Räumen beheimateten Werke sonnabends nach Anmeldung öffentlich zugänglich sind.

Während Ackermann und Stange den Vertrauensvorschuss betonten, der mit der Gabe der Sammlung nach Dresden einhergeht, brachte Hoffmann-Koenige vor allem ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass „das Dresdner Publikum das auch belebend annimmt“. Die ersten kleinen Schritte in diese Richtung sind bereits gemacht. So liegt im Lichthof des Albertinums ein Teppich aus Bonbons in Goldpapier, ein unbetiteltes Werk (Placebo Landscape for Roni) von Felix Gonzalez-Torres, in den Ausstellungsräumen finden sich Skulpturen von Isa Genzken oder die Installation „Woman to go“ in Form von Postkarten von Mathilde ter Heijne, auf denen die Porträts unbekannter Frauen mit Biografien bekannter Frauen gekoppelt werden. All das sind Werke aus der Sammlung Hoffmann, die bereits in Korrespondenz mit den Dresdner Exponaten stehen.

Doch diese gute Nachricht hat den Tag in Dresden nicht für sich. Nicht hier, nicht heute. Ein Streitgespräch am Vorabend der Pressekonferenz zur Sammlungsschenkung, geführt von den Schriftstellern Uwe Tellkamp und Durs Grünbein im Kulturpalast zum Thema Meinungsfreiheit, überdeckt sie, auch medial. Weil die dortigen Töne, vor allem die Tellkamps, schriller sind. Und in der Echobox nachrichtlicher Aufmerksamkeit auch den lauteren Hall erzeugen. Leider.

www.skd.museum

Von Torsten Klaus

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