Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / -1 ° wolkig

Navigation:
Google+
Die Sammlung Grafe in der Galerie Mitte

Immer authentisch Die Sammlung Grafe in der Galerie Mitte

Das Dresdner Ehepaar Astrid und Siegfried Grafe sammelt seit 26 Jahren Gegenwartskunst und Kunst der Moderne. Eine Auswahl wird nun in der Galerie Mitte ausgestellt und zum Verkauf angeboten.

Ein Blick in die Sammlung Grafe.

Quelle: Heinz Weißflog

Dresden. Die Leidenschaft für das Sammeln von Kunst begann für die Dresdner Kunstfreunde Astrid und Siegfried Grafe während einer Reise nach München im Jahr 1990 zu ihrem Sohn, der dort ein Informatikstudium absolvierte. Nach dem Besuch des Lenbach-Hauses und der Alten-und Neuen Pinakothek reifte der Wunsch, sich eine eigene Sammlung aufzubauen. Seitdem (fast 26 Jahre) sammelt das Ehepaar vor allem Gegenwartskunst und Kunst der Moderne, die nun in einer Auswahl in der Galerie Mitte ausgestellt und zum Verkauf angeboten wird. Die Grafes wählten bewusst diesen Ort, an dem sie sicher gehen und wissen, in welche Hände ihre Kunst gelangt. Am Heiderand in Bühlau, wo die Grafes wohnen, platzen die Wände aller Räume fast aus den Nähten, überall Kunstwerke, darunter vor allem farbige Arbeiten und Malerei.

Freundschaft und Interesse am Werk

Die Grafes wollten aber ihre Kunst nicht über den Kunsthandel erwerben, das war ihnen zu anonym. Vielmehr verbinden sie seitdem zahlreiche Freundschaften mit Dresdner Künstlern, denen Siegfried Grafe auch beim Aufbau von Ausstellungen und beim Hausbau hilfreich zu Händen ging. Alleiniger Favorit ist der bereits verstorbene Dresdner Maler und Grafiker Rainer Zille gewesen, dem er erstmals als Bauleiter im Betonwerk Gerockstraße begegnete, der damals einen Werkvertrag mit dem Betrieb hatte und immer wieder in sein Skizzenbuch zeichnete. Kennengelernt haben sich beide aber erst in der Wendezeit. Mehrere Arbeiten aus der DDR- Zeit zeigt Karin Weber auch in ihrer Ausstellung. Die fruchtbare Bekanntschaft mit vielen Künstlern kam 1990 über den Maler und Kunsterzieher Werner Schellenberg zustande, der damals in den Hellerauer Werkstätten ein eigenes Atelier besaß, ebenso Peter Koch und Uwe Peschel, die er kennenlernte und von denen er Arbeiten erwarb. Konrad Maass, Sandor Dóró und Frank Barycz sowie Veit Hofmann lernte Grafe im Künstlerhaus Dresden Loschwitz kennen und im Medingener Kunstrefugium Günter Hein, dem Grafe oft mit Rat und Tat zur Seite stand.

Vorliebe für die abstrakte Kunst

Zu Rainer Zille, Veit Hofmann, Herrmann Naumann und schließlich zu dem heute 85 Jährigen Christian Hasse (er lebt in Spanien) hatten die Grafes die intensivsten Fäden geknüpft, waren und sind mit dem Schicksal der vier am meisten verwoben. Astrid Grafe lebte einst in Neustadt Sachsen. Dort lernte sie Christian Hasse kennen, der einen Werkvertrag mit dem Mähdrescherwerk „Fortschritt“ hatte und zwar im Rahmen eines schulischen Projekttages. Dementsprechend groß und vielfältig sind die Arbeiten der vier in Grafes Sammlung. Siegfried Grafe hat bis heute eine Vorliebe für abstrakte Kunst, in der noch Elemente von Gegenständlichem anklingen, wie es besonders bei Veit Hofmann im Aquarell und Christian Hasse in den kleinen Papierarbeiten der Fall ist. In den jüngsten Arbeiten aber ist Christian Hasse eher abstrakt und sehr archaisch. Viele von ihnen muten wie von der Höhlenmalerei in Südfrankreich und Spanien beeinflusst, Ritzungen und kräftig bearbeitete, in Schwarz und Rot lodernde Leinwände, machen die jetzigen Bilder zum Ereignis einer intensiv angeeigneten Landschaft und Kultur. Herrmann Naumann lernte Siegfried Grafe über den ärztlichen Direktor des Krankenhauses Dresden-Neustadt Heinz Langer kennen und über Herrmann Naumann wiederum bekam Grafe Kontakt zu Willi Sitte und dessen Bruder Rudi, der vor allem angewandte Kunst betrieb. Über die Ehefrau Astrid (sie stammt aus Litauen), die an einem Gymnasium als Russisch-und Geografielehrerin arbeitete, kamen zahlreiche Ankäufe von russischen Künstlern zustande, vor allem mit dem armenischen Maler und Bildhauer Spartak Babajan (geb. 1933), der auch für das Köpenicker Rathaus in Berlin eine eindrucksvolle Bronzeplastik des Hauptmanns von Köpenick schuf, die er später in einem Ölbild festhielt, das Grafes erworben haben.

Ein Haus voller Kunst

Neben zahlreichen Buddhaplastiken, Wandreliefs und Freiplastiken im Garten (von Siegfried Haas) fand ich schöne Arbeiten von Klassikern, wie Conrad Felixmüller, Gabriele Münter, Marc Chagall, in der Ausstellung der Galerie Mitte auch Werke von Max und Wilhelm Lachnit und Helmut Gebhardt. Nach der Wende (1991-2005) arbeitete Siegfried Grafe als Referatsleiter Innerer Dienst, Organisation, EDV im Sächsischen Landesamt zur Regelung offener Vermögensfragen. Karin Weber schrieb in ihrer Rede: „Eine Sammlung ist immer auch ein Spiegelbild der Sammlerpersönlichkeit. Astrid und Siegfried Grafe stecken voller Geschichten, die mit den Bildern verbunden sind“. Die Konzentration auf eher wenige Maler hat dabei den Vorteil, intensiv und mit Tiefgang die Entwicklung ihres Lebenswerkes verfolgen zu können und mit dem Künstler mit zu fiebern, ihm und seiner Kunst persönlich näher und verbundener zu sein.

Bis 15. Oktober in der Galerie Mitte, Striesener Straße 49,Tel.: 0351/459 00 52 Öffnungszeiten Di-Fr 15-19 Uhr und Sa 10-14 Uhr
www.galerie-mitte.de

Von Heinz Weißflog

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr