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Die Sächsische Akademie der Künste setzt auf Brückenschläge, Einmischung und Öffentlichkeit

Die Sächsische Akademie der Künste setzt auf Brückenschläge, Einmischung und Öffentlichkeit

Gut ein halbes Jahr nach seiner Wahl zum Präsidenten der Sächsischen Akademie der Künste hat Peter Gülke gestern die künftigen Schwerpunkte dieser Institution vorgestellt.

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Quelle: wissenschaft.nrw

Man sei nicht als Gralshüter angetreten, erläuterte er das Selbstverständnis der vor gut 15 Jahren ins Leben gerufenen Akademie, sondern müsse Entwicklungen beobachten, rechtzeitig erkennen, um darauf reagieren zu können und gegebenenfalls Ratschläge zu erteilen.

Die nötige Kompetenz dazu dürfte die aus namhaften Literaten, Musikern, bildenden und darstellenden Künstlern sowie Architekten bestehende Einrichtung haben. Gülke, der die Autonomie dieser fünf Klassen zwar schätzt, sieht in deren Vernetzung jedoch die besondere Chance, um politischen Entscheidungsträgern, die in einzelnen Sachfragen "nicht ganz so tief drinstecken", Empfehlungen zu geben. "Wir wollen uns einmischen," formulierte er als Grundhaltung, "aber nicht mit Kritik um der Kritik willen, sondern um Impulsgeber und Anreger für Zukunftsfragen zu sein."

In einem konkreten Punkt wie der bevorstehenden Privatisierung der Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen (DNN berichteten) sei die Information schlicht zu spät erfolgt. Er habe bei diesem Vorgang "ein maues Gefühl", so der Akademiepräsident.

Überhaupt ging es in der Vergangenheit und geht es auch in der Zukunft um die Selbstdefinition der Akademie. Einerseits sei sie ein hervorragendes Instrument, um den überwiegend als Einzeltätern aktiven Künstlerinnen und Künstlern ein gemeinsames Podium zu geben, andererseits wolle man auch unmittelbar in die Gesellschaft hinein wirken. Für die kommenden Monate legte der Präsident nun ein vier Punkte umfassendes Schwerpunktpapier vor. Der praktische Auftakt sollte nur wenige Stunden später mit einer Werkstatt und anschließender Podiumsdiskussion zur "Kunst jenseits der Staatskultur der DDR" gesetzt werden. Das Fragezeichen im Titel "Autonomie der Kunst?" lässt anklingen, dass viele Antworten zur einst engagierten, staatlich oder individuell ausgegrenzten Kunst noch immer offen sind. Eine Veranstaltungsreihe soll daraus erwachsen, an deren Ende die Dokumentation subversiver Kunst ähnlich vollständig wie die der offiziell anerkannten sein sollte.

Einstige Traditionen im Dreiländereck, Gülke zufolge ein Alleinstellungsmerkmal der Sächsischen Akademie, sollten wieder aufgegriffen und die Nähe zu Polen und Tschechen aktiviert werden. Die für Mitte Mai geplante Jahresmitgliederversammlung finde in Dresdens Partnerstadt Wrocław statt und werde sich den Besonderheiten von "Nachkriegsarchitektur im euro-päischen Kontext" widmen. Peter Gülke, der sich an frühe Gastspiele in der Oper von Wrocław erinnert, sieht in derartigen Brückenschlägen eine wichtige Funktion der Akademie. In der Tat scheint das Interesse Polens an Sachsen derzeit eher einseitig zu sein. Eine gute Gelegenheit, es bis 2016 nachhaltig zu ändern, dann nämlich ist Wrocław eine der europäischen Kulturhauptstädte.

Noch weiter in die gesellschaftliche Zukunft dürfte die Auseinandersetzung der Akademie mit kulturpolitischen und künstlerischen Fragen sein, die unter dem Arbeitstitel "Ressource Kultur - Perspektiven von Kunst und Kultur bis 2020" praktiziert werden soll. Wie müsse etwa mit schrumpfenden Kleinstädten umgegangen werden, um deren Lebenswert zu erhalten? Als schlimmes Gegenbeispiel verwies der Musiker Gülke - der Dirigent war unter anderem in den 70er und 80er Jahren Kapellmeister der Dresdner Staatsoper - auf die folgenschwere Fusion der Orchester von Riesa und Radebeul. "Wir waren bei dieser Entscheidung nicht einbezogen, obwohl wir gewiss bessere Erfahrungen hätten." Nun werde nicht nur die Orchesterlandschaft weiter reduziert, sondern sei künftig noch weniger Chormusik zu realisieren. Eine fatale Folge, so der Praktiker, der es als unbedingte Aufgabe der Akademie sieht, sich da einzumischen. Ihm sei jedoch der schmale Grat zwischen zu häufigen Wortmeldungen und Absenz der im stillen Kämmerlein schaffenden Kreativen bewusst.

Für mehr öffentliche Wahrnehmung der Akademie sollen auch deren nach Gottfried Semper und Hans Theo Richter benannte Preise wirken, zudem würden künftig noch mehr Kooperationen mit anderen Kunstakademien eingegangen. Die Eigenveranstaltungen im Blockhaus müssten wegen der "jämmerlichen materiellen Situation" konzentrierter und effektiver ausgerichtet werden. Peter Gülke und seine Mit-streiter wissen schließlich um das "kostbare Gut" der öffentlichen Aufmerksamkeit.

Einen verhaltenen Kontrapunkt setzte Vizepräsident Wilfried Krätzschmar mit seinem Hinweis, die Akademie müsse "auch das Recht haben, sich mit sich selbst zu beschäftigen - denn sie legitimiert sich zuerst aus dem Werk ihrer Mitglieder".

Dennoch darf auf spannende Veranstaltungen gehofft werden. Am 6. Februar setzt Peter Gülke die kürzlich gestartete Gesprächsreihe "Was wollen wir?" fort. Ging es darin zunächst um den Lyriker Georg Heym, so heißt es nun "Zur Person - Ingo Schulze". Der Eintritt ist frei. Michael Ernst

www.sadk.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 31.01.2012

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