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Die Rektorin der Dresdner Musikhochschule und ihre Suche nach einem anderen Amt

Krise oder Chance? Die Rektorin der Dresdner Musikhochschule und ihre Suche nach einem anderen Amt

Schon die Wahl Judith Schinkers im Mai 2015 zur Rektorin der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden hatte öffentlich und weit über Dresden hinaus für Aufregung gesorgt. Jetzt bewarb sich Schinker für das Dezernat III der Stadt Trier – und scheiterte.

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Judith Schinker
 

Quelle: Dresdner Musikhochschule

Dresden.  Schon die Wahl Judith Schinkers im Mai 2015 zur Rektorin der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden hatte öffentlich und weit über Dresden hinaus für Aufregung gesorgt: Entgegen der Entscheidung des damaligen Hochschulrates, den bisherigen Amtsinhaber Ekkehard Klemm zur Wiederwahl vorzuschlagen, sprach sich der erweiterte Senat für die Juristin und Kulturmanagerin Schinker aus. Für viele mit der Hochschule Vertraute ein nicht nachzuvollziehender Schritt, der zudem dazu führte, dass der Hochschulrat geschlossen zurücktrat.

Judith Schinker begann in ihrer neuer Position im September 2015. Nun, noch nicht einmal zwei Jahre in dem auf fünf Jahre angelegten Amt tätig, bewarb sie sich für das Dezernat III – Kultur, Tourismus, Stadtmarketing, Sicherheit und Ordnung der rheinland-pfälzischen Stadt Trier (DNN berichteten). Der vormalige Dezernent Thomas Egger (SPD) war im Dezember 2016 mit deutlicher Stadtratsmehrheit abgewählt worden.

Nach der Abstimmung am Mittwoch Abend, die bis in die elfte Stunde dauerte, steht nun fest, Trier hat sich gegen Judith Schinker entschieden. Der von CDU und Bündnis 90/Die Grünen ins Rennen geschickte Thomas Schmitt erhielt 28 Stimmen von insgesamt 55 abgegebenen. Auf Schinker, die von SPD, Linke und FDP sowie Piraten unterstützt wurde, entfielen 22 Stimmen. Es gab fünf Enthaltungen.

Trotz der Freiheit eines jeden, sich beruflich verändern zu wollen/dürfen, wirft der ganze Vorgang ein besonderes Licht auf das Amtsverständnis von Judith Schinker. Von Fortführung der bisherigen Projekte hatte sie gesprochen im Interview mit den DNN kurz nach ihrer Wahl 2015 und davon, dass „zusätzlich Räume für die Begegnung, den Austausch und die Vernetzung der verschiedenen Disziplinen sowie mit externen Kooperationspartnern entstehen“ sollen. Von „verschiedenen Entwicklungsplanungen“ war die Rede, beispielsweise der „Weiterentwicklung unserer Studiengänge und des Sächsischen Landesgymnasiums für Musik“, der „Nachwuchsgewinnung“ und von „Zielvereinbarungen“. Wie und mit welcher Nachhaltigkeit aber lässt sich solches umsetzen, wenn sich der verantwortliche Rektor bereits nach 18 Monaten anderweitig zu orientieren sucht?

Wie Judith Schinker das Geschehen bewertet, ist im unten stehenden Interview mit ihr nachzulesen. Aus der Hochschule wollte gestern keiner der dazu Angesprochenen einen Kommentar abgeben, das ist verständlich. Sachsens Kunst- und Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD), von den DNN darob befragt, reagierte so: „Auch eine Rektorin oder ein Rektor ist frei, sich auf andere Aufgaben zu bewerben oder bei Ansprache positiv zu reagieren. Damit ist keinesfalls automatisch eine Unzufriedenheit mit der aktuellen Tätigkeit verbunden. Ich schätze die Arbeit von Frau Schinker in den letzten zwei Jahren und gehe davon aus, dass sie auch zukünftig die Hochschule für Musik Dresden erfolgreich weiter leitet. Ich sehe keinen Grund für eine weitere Debatte.“

Wilfried Krätzschmar, Rektor der Dresdner Musikhochschule von 1991 bis 2004, heute Ehrensenator der Bildungseinrichtung und Präsident der Sächsischen Akademie der Künste, findet deutliche Worte: „Dass die Rektorin im ersten Drittel ihrer ersten Amtszeit danach strebt, sich neu zu orientieren, ist ein Eklat und stellt für die Hochschule eine schwere Belastung dar“, sagte er auf DNN-Anfrage. Es zeige sich, dass der 2015 mit der Rektorwahl angesagte Aufbruch ein Wahlversprechen geblieben ist. „Aufgrund meiner langjährigen guten Erfahrungen als Rektor dieser Hochschule mit den so erfreulich ermunternden Potenzen des Lehrkörpers und der Mitarbeiter bin ich mir sicher, dass die wesentlichen Ursachen für ein Scheitern nicht bei der Belegschaft des Hauses zu suchen sind. Die im Wahlprocedere 2015 vom Hochschulrat festgestellten und geäußerten deutlichen Unterschiede hinsichtlich der Eignung der für das Amt sich bewerbenden Kandidaten bestätigen sich schneller, als zu befürchten war“, so Krätzschmar, der 2015 dem Hochschulrat angehörte. „Die erfolglose Bewerbung einer Rektorin auf die Leitungsfunktion einer kommunalen Behörde mag durchaus ein problematisches Licht werfen, jedoch nicht auf das Rektoramt als solches. Mir ist die Feststellung wichtig, dass das Rektoramt der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber durch nichts und niemanden zu beschädigen ist.“

„Die abgegriffene Metapher“, so Wilfried Krätzschmar weiter, „dass Krisen auch Chancen sind, sollte jetzt von der Hochschule sehr ernst genommen werden. Die Betroffenen müssen die Situation beherzt angehen, nicht zuletzt auch zum Wohl der Studierenden. Sie müssen einen wirklichen Aufbruch in Gemeinsamkeit gestalten, beschädigtes Vertrauen mutig wiederherstellen und sich auf die guten Kräfte des Hauses besinnen. Ohne die Anstrengung konsequenter personeller Überlegungen wird das nicht zu leisten sein.“

„Neue Herausforderungen“

Fünf Fragen an Judith Schinker

Frage: Was waren konkret die Beweggründe für Sie, sich nach noch nicht einmal zwei Jahren Amtszeit als Rektorin in Dresden auf ein anderes Amt zu bewerben?

Judith Schinker: Die Aufgabe als Rektorin der Musikhochschule übe ich engagiert und mit großer Leidenschaft aus. Die Einladung, mich für die Position als Beigeordnete für Kultur in der Stadt Trier vorzustellen, empfinde ich als Ehre. Deshalb bin ich dieser gern nachgekommen. Es ist eine spannende Tätigkeit mit vielen Facetten.

Judith Schinker

Judith Schinker

Quelle: Dresdner Musikhochschule

Wie schätzen Sie Ihre bisherige Amtszeit in Dresden ein?

Die Amtszeit war bislang erfolgreich. Es war nicht immer einfach, das immense Pensum zu absolvieren. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen – die Verwaltung ist über die Maßen beansprucht – haben wir die Herausforderungen positiv zum Wohl der Hochschule bewältigt.

Wie gehen Sie mit der Situation jetzt nach der Abstimmung in Trier um?

Das bürgerliche Engagement der Trierer, mit Wahlen umzugehen, hat mich sehr beeindruckt. Ich werde diese Eindrücke und Erfahrungen zugunsten der Hochschule nutzen.

Wird das einen Einfluss auf Ihre Tätigkeit als Rektorin in Dresden haben, und wenn ja, welchen?

Es wird neue Herausforderungen geben, denen ich mich gern stelle.

Sehen Sie nach Ihrer gescheiterten Bewerbung für das Trierer Kulturdezernat Ihr Dresdner Amt beschädigt?

Nein: Ganz im Gegenteil. Ich denke nach der Einladung aus Trier, dass die Wertschätzung, die meiner Arbeit jenseits der Stadtgrenze entgegengebracht wird, auch hier zur Kenntnis genommen wird.

Von Kerstin Leiße

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