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Die Pantomimen Bodecker und Neander mit "Follow Light" im Societaetstheater

Die Pantomimen Bodecker und Neander mit "Follow Light" im Societaetstheater

"Mehr Licht!!" forderte Goethe angeblich als letztes. Die Menschheit hat ihm den Gefallen getan. An Licht ist so wenig Mangel, dass es mittlerweile schwer geworden ist, den Sternenhimmel in all seiner Fülle betrachten zu können.

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Die Welt ist im Schwebezustand bei Alexander Neander (l.) und Wolfram von Bodecker - und vielleicht gerade deshalb in den besten Händen.

Quelle: Detlef Ulbrich

Man spricht von Lichtverschmutzung, nur Länder wie Nordkorea sind aus dem All betrachtet noch ein dunkler Flecken auf der Welt, allerdings würden nur wenige in dieses auch politisch finstere Loch ziehen wollen, bloß um einen von keiner Lichtquelle getrübten Blick auf den Sternenhimmel werfen zu können.

Im weitesten Sinne um Licht geht es in dem neuen Programm "Follow Light" von Wolfram von Bodecker und Alexander Neander, das jetzt im Societaetstheater Premiere hatte. Da wäre etwa die Nummer 204, die zeigen soll, dass das Licht bisweilen aus der Vergangenheit auftaucht. Der gebürtige Schweriner von Bodecker, wie sein Kompagnon ein Schüler Marcel Marceaus, spielt eine alte Dame. Keine schrullig-naseweise vom Schlage Ilse Bähnert, sondern eine vornehme, leider aber auch vereinsamte Dame. Die wird von einem Arzt (Bodecker) untersucht, schluckt aber - soviel Selbstachtung und Renitenz muss sein - nicht jede bittere Pille. Dann lässt sie eine alte, knisternde Platte aus Vor-iPod-Zeiten auflegen, fängt an zu singen. Den Arzt haut es von den Socken, welche Verwandlung. Die Dame ist wieder große Diva, im Geist jünger als die meisten von uns. Wie Neander erst den ungläubigen Blick, dann die Rührung in den Augen des Arztes ausspielt, das ist schlichtweg höchste Sonderklasse an Mimik.

Neun Nummern werden präsentiert, eine besser als die andere. Manche sind lustig, manche traurig, manche beides, weil in der Stimmung wechselnd. Bodecker und Neander, die hier und da von Irene Fas Fita unterstützt werden, zeigen einmal mehr, dass sie auf der Klaviatur der Stimmungen vortrefflich zu spielen vermögen. Freute man sich eben noch beglückt mit der Dame, ist man von einer Minute auf die andere tief betrübt - weil Zimmer 204 frei geworden, die Dame den Weg alles Irdischen gegangen ist.

Eine Augenweide auch die Nummer "Der kleine Vogel". Zwei Herren sitzen auf einer Bank. Der eine füttert einen kleinen Vogel, der andere findet es lächerlich, wie sich der Vogelfreund aufführt, äfft ihn nach. Aber dann findet er selbst Gefallen daran, den Piepmatz zu füttern. Zunächst sind die Männer Rivalen um die Gunst des Vogels, dann freunden sie sich an. Dann allerdings kommen immer mehr Vögel. Sie scheinen zu picken, zu zerren, zu hacken. Unwillkürlich denkt man an Hitchcocks Filmgeschichte geschrieben habenden Thriller "Die Vögel", aber dann endet es wie in der Persiflage von Mel Brooks: Die Vögel schei... die beiden Mimen zu.

Keine Bange, es überwiegen die poetischen Momente, die Stellen von leiser, aber nicht minder wirkungsvoller Ironie. Manchmal flattern weiße Tücher, dann liegt ein Hauch von schwarzem Theater in der Luft. In der Nummer "Fujiyama" lässt - nicht nur der No-Maske wegen, die wohl eine Art Geist trägt - das japanische No-Theater grüßen.

Von "Träumen zum Mitnehmen" schreibt Regisseur Lionel Ménard im Programmheft, es wäre nicht nur falsch, sondern schlichtweg idiotisch, das in Abrede stellen zu wollen. Nicht nur all jenen, die vom frühen Nachteinbruch genervt sind, sei die "Lichtquelle", die Bodecker und Neander offerieren, nachdrücklich ans Herz gelegt. An sich heißt es ja, "Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten", in "Follow Light" aber ist viel an Licht und doch kaum etwas an Schatten. Christian Ruf

nächste Vorstellungen: 27.11. bis 1.12., täglich 20 Uhr, Sa auch 16 Uhr

www.societaetstheater.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.11.2012

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