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17:18 09.09.2015
Claudia Sebastian-Bertschs Karriere in Dresden begann vor 25 Jahren mit der Leitung des Dresdner Mädchenchores. Quelle: PR/anna.s.

"Man wollte mir das ausreden. Sie sagten, das sei gar kein richtiger Beruf", erzählt sie. Doch das Leben sah das anders. Heute ist Claudia Sebastian-Bertsch die Leiterin gleich mehrerer Kinder- und Jugendchöre in Dresden. Seit dieser Spielzeit hat sie auch die Leitung des Kinderchores an der Sächsischen Staatsoper Dresden inne - und feiert als Leiterin des 1965 gegründeten Dresdner Mädchenchores dieses Jahr gar ihr 25-jähriges Dienstjubiläum.

Wer mit Claudia Sebastian-Bertsch über ihre Arbeit ins Gespräch kommt, der merkt schnell, dass da viel Herzblut dahinter steckt. Den sicher gutgemeinten Ratschlägen ihrer Grundschullehrer zum Trotz nahm die heute 48-Jährige zunächst ein Studium als Klarinettenlehrerin an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber in Dresden auf. Doch der Traum von der Chorleiterkarriere ließ sie dennoch nicht los. "Ich habe damals im Kammerchor von Hans-Christoph Rademann gesungen und dort viele wichtige Impulse bekommen. Also habe ich im zweiten Hauptfach Chorleitung studiert", erzählt Claudia Sebastian-Bertsch.

Noch als Studentin wurde ihr Traum von der Chorleiterstelle dann wahr: Im Jahr 1989 übernahm Claudia Sebastian-Bertsch von Manfred Winter die Leitung des Dresdner Mädchenchores. Ein Jahr später schloss sie mit dem Staatsexamen ab. "Ich habe durch den Dresdner Mädchenchor damals das erste Mal richtig begriffen, was es heißt, einen Chor zu leiten, aber auch zu managen", sagt Claudia Sebastian-Bertsch. Zu ihren Aufgaben gehörte es fortan auch, Konzertreisen oder Chorlager zu organisieren. Parallel dazu bekam sie eine feste Stelle als Musiklehrerin an der Landesmusikschule in Dresden (dem heutigen Heinrich-Schütz-Konservatorium).

Dass ihre Lehrer nicht Recht behalten sollten, bewiesen zahlreiche weitere Chorprojekte, die Claudia Sebastian-Bertsch in den 90er Jahren übernahm und zum Teil auch mitaufbaute. So kam etwa 1995 als zweites großes Projekt zum Mädchenchor noch der Kinderchor der Singakademie Dresden hinzu. "Das waren ganz neue Aufgaben und Zielvorstellungen, eben kein reiner Konzertchor, sondern ein Oratorienkinderchor", erzählt sie. An der Landesmusikschule arbeitete sie bis 1997 an den Konzepten der musikalischen Früherziehung mit, leitete auch dort ebenso viele Chöre - ein Vollzeitjob. "Ich musste mich irgendwann entscheiden, ob ich in der Ausbildung bleiben oder aber die Chorleitung weiterführen will", erzählt sie. Die Chöre siegten. Claudia Sebastian-Bertsch beendete 1997 ihre Arbeit an der Landesmusikschule und wurde freie Chorleiterin.

Bald unterrichtete die sehr rührige Chorleiterin auch an der Jugendkunstschule sowie im Rahmen von Ganztagsangeboten an Dresdner Schulen. 2012 übernahm sie die Leitung der Dresdner Spatzen - des ehemaligen Kinderchores im Kulturpalast - von ihrer Mutter Annelies Sebastian. Nach 25 Jahren kann sie inzwischen auf viele spannende Projekte mit ihren Chören zurückblicken. "Ich hebe da ungern einzelne heraus, denn mit jedem Chor gibt es wieder andere Höhepunkte", erzählt sie. So durfte sie mit dem Dresdner Mädchenchor bei der Einweihung der Frauenkirche 2005 singen oder gestaltete 2010 das Schumannfest im Großen Garten mit. Mit dem Kinderchor der Singakademie nahm sie 2003 erstmals am Internationalen Petr-Eben-Festival in Prag teil. Als weiteres wichtiges Großprojekt ist die Übernahme des Kinderchorparts in Richard Strauss' Oper "Feuersnot" im Juni 2014 zu nennen. "Natürlich erinnere ich mich auch gern an die Reisen wie nach Coventry oder die Amerikareise mit meinen Chören", sagt sie dann.

Die Leitung des Kinderchores der Semperoper bezeichnet Claudia Sebastian-Bertsch mit ehrlicher Bescheidenheit als das I-Tüpfelchen ihrer Karriere. Derzeit bereitet sie an der Oper die Premiere von Humperdincks "Die Königskinder" vor - wieder eine ganz neue Herausforderung für die Kinder- und Jugendchorleiterin, die selbst auch Mutter zweier Töchter ist. "Ohne das Einverständnis meiner Kinder hätte die Chorleitung an der Semperoper nicht zugesagt", erzählt sie. Sie selbst habe schon lange keine Zeit mehr, im Chor zu singen.

Trotzdem wirkt es so, als ob sie ihren Traumberuf Chorleiterin sofort wieder wählen würde. "Ich entdecke einfach immer wieder neue Felder des Chorgesangs, die ich erschließen möchte", sagt sie. Nicht nur Verständnis für die Kinder, auch Qualität in deren gesanglicher Ausbildung ist ihr wichtig. "Ein niveauvolles Singen, ohne Drill, sondern rein über Motivation ist das Ziel. Ich weiß nicht, ob ich das mit Erwachsenen auch so gut könnte. Die Kinder geben einem einfach unheimlich viel zurück", sagt Claudia Sebastian-Bertsch.

Konzerttipp: Adventskonzert der Jugendkunstschule Dresden mit dem Dresdner Mädchenchor und Vocalisa Dresden, am Sonntag, 17 Uhr in der Lukaskirche

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.12.2014

Nicole Czerwinka

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