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Die Liebe zum Lied: Matinee mit Soile Isokoski in der Semperoper

Die Liebe zum Lied: Matinee mit Soile Isokoski in der Semperoper

Lieder seien ihre erste musikalische Liebe gewesen, auf die sie nicht sobald verzichten wolle - ein Bekenntnis der Sopranistin Soile Isokoski, das nicht nur im Interview nachzulesen war, sondern das auch und vor allem wie ein Motto über der Matinee anlässlich der Richard-Strauss-Tage schwebte.

Dresden. Aus jedem Ton, aus jeder Phrase, welche die Sängerin an diesem Vormittag so beglückend zauberte, war diese Liebe zu erleben. Wie viele SängerInnen, deren eigentliche Domäne die Oper ist, versuchen sich aus den unterschiedlichsten Gründen an der Gattung Lied. Und wie oft ist dann leider zu registrieren, dass sie dabei den Prunk und den Pathos der Oper eben nicht aufgeben, sich nicht auf die Schlichtheit der kleinen Form einlassen (können). Das war bei Soile Isokoski in diesem ausgesucht schönen Programm ganz anders.

Soile Isokoskis Stimme ist nach wie vor von bezwingender Leuchtkraft, geschmeidig ohne Ende, klar und rein. Nicht das kleinste Verschleißstäubchen konnte diesem Sopran etwas anhaben. Angesichts der harten Realität des Opernbetriebes, in dem Soile Isokoski seit vielen Jahren zu Hause ist, ist das eigentlich ein Wunder und zeugt vom besonders pfleglichen Umgang mit dem stimmlichen Grundkapital. Dazu kommt noch eine sehr intensive Auseinandersetzung mit den jeweiligen Texten und Stimmungen, nicht vordergründig und oberlehrerhaft, sondern auf einer spürbaren, inneren Verbindung beruhend.

Gleich mit dem Anfang des Recitals machte es sich Soile Isokoski alles andere als leicht. Schuberts sich auf Goethes "Faust" beziehende Gretchen-Lieder stammen aus verschiedenen Lebensabschnitten und stellen höchste Ansprüche an das stimmliche wie gestalterische Vermögen des Interpreten. Soile Isokoski, die auf eine unerschöpfliche Ausdruckspalette zurückgreifen kann, hatte damit keine Mühe. Insbesondere die klug und fein differenzierte Studie der Szene im Dom aus dem Jahre 1814, in der Gretchen, der böse Geist und der Chor aufeinandertreffen, war aufsehenerregend.

Fast 100 Jahre liegen zwischen den Schubert-Liedern und Alban Bergs Frühen Liedern, die in der Klavierfassung 1905-08 entstanden. Noch deutlich tonalen Prinzipien verhaftet, ist ihre Tonsprache sehr unterschiedlich und kontrastreich. Sensibel und schattierungsreich brachte Soile Isokoski den impressionistisch anmutenden Farbenreichtum der Lieder zum Leuchten - kein Zuviel, kein Zuwenig, einfach fabelhaft.

Als Finnin natürlich Sibelius

Dass ihr als gebürtiger Finnin die Lieder ihres Landsmannes Jean Sibelius besonders am Herzen liegen und folglich eine kleine Auswahl ihren Platz im Programm fand, kam nicht von ungefähr. Eine dunkle, melancholische Welt tat sich auf. Soile Isokoski sang sie mit Leidenschaft und stimmlicher Glut. So etwas wie die emotionsdichte Auseinandersetzung mit den auf einer pathetisch anmutenden Melodie daherkommenden "Syarta rosor" (Schwarze Rosen) vergisst man nicht. Mit untrüglicher Sicherheit fand die Sängerin auch hier das rechte Maß zwischen dramatischer Steigerung und innerer Einkehr.

Schließlich Richard Strauss, bei dem sich Soile Isokoski nicht nur für die bekannten Lieder, wie die überschwängliche "Cäcilie" oder eine visionäre Deutung des "Morgen" entschieden hatte, sondern auch für zwei weniger oft gesungene Lieder aus den "Lotosblättern" op. 19, für die Strauss Gedichte seines Zeitgenossen Friedrich von Schack verwendete. In der kleinen Idylle "Schön sind, doch kalt die Himmelssterne" verstand es Soile Isokoski sich ganz zurückzunehmen und so der Schlichtheit klingende Gestalt zu geben. Mit Tiefgründigkeit und sorgfältig dosierter Ausdruckskraft nahm sie in "Mein Herz ist stumm" gefangen. Die darin wohnende Erstarrung und Trauer wurden förmlich greifbar. Und auch die anderen Perlen Strauss'scher Liedkunst von dem sehnsuchtsvollen "Allerseelen" bis zur intimen Szenen "Meinem Kinde" und der als Zugabe euphorisch ausgebreiteten "Zueignung" fanden in Soile Isokoski das Ideal einer Strauss-Lied-Interpretin.

Auf einen reichhaltigen Erfahrungsschatz als Liedpianist konnte Ilkka Paananen zurückgreifen. Versiert und klangfarbenreich, ohne größere Probleme und bestens auf die Sängerin eingestellt meisterte er seinen Part. Sicher - er war kein pianistischer Überflieger, dafür aber ein absolut zuverlässiger Partner.

von Mareile Hanns

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