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Regional Die Letzte Instanz feiert im Alten Schlachthof das 20. Bandjubiläum
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12:21 13.10.2018
Letzte Instanz werden beim heutigen Jubiläumskonzert sicher erst später an der Bar auftauchen. Quelle: Andraj Sonnenkalb
Dresden

20 Jahre erlebt nicht jede Band, gleich gar nicht in Dresden. Am heutigen Sonnabend feiern die Mannen der einst hier gegründeten Musikformation mit dem hintersinnigen Namen Letzte Instanz im Alten Schlachthof ihr großes Jubiläum – und die Gotikrocker mit Streichereinschlag geben sich aus diesem hehren Anlass selbst das Ständchen

Ihre eigene Schublade nennen sie schon seit dem Start „Brachialromantik“ – der Begriff wurde allerdings einst vom Duo Sonnenschirm schon in diffizilen Vorwendezeiten geprägt und später von der Band, die bereits 1996, damals sogar noch als Resistance, zusammenkam, für ihre Musik geborgt und arg gewandelt, denn klassisches Liedermachen mit subtilem Humor ist weiß Gott nicht ihr Ding.

Drei Wechsel in der Personage

So kategorisierten sie ihre Musik schon per Name der ersten Scheibe – und es gab noch eine mit dem Label: „15 Jahre Brachialromantik“, gepresst anno 2013. Zu dieser gab es vor genau fünf Jahren eine kurze Festtournee, die am 19. Oktober im Dresdner Eventwerk vor rund eintausend Leuten in einer großen Livesause als Querschnitt gipfelte.

Schon damals waren explizite Folk- und kraftvolle Metaleinflüsse, die die Anfangszeit des Sept- bis Oktettes prägten, nicht mehr hörbar, sondern eingeebnet in einen typischen Instanz-Klang, der sich durch nahezu alle Titel zog und immer hymnisch ausartet, was gut zu den metaphysischen Botschaften passt, die selten echte Düsternis verheißen, sondern eine positive Mut-Mach-Attitüde tragen.

Seither sind drei Wechsel in der Personage zu konstatieren, wobei die echten Fans vor allem der Verlust der Gitarristen Holly D. und Oli (also Holger Lieberenz und Oliver Schmidt) nach 18 oder 15 Bandjahren schmerzte. Dafür stieß vor zwei Jahren Bernie Geef an der Gitarre hinzu. Neu auch: Andy Horst, der seit 2015 für Specki T. D. trommelt.

Aber es gab mit den Neuen und per „Liebe im Krieg“ als elftem Studioalbum vor zwei Jahren mit Platz 4 den ersten großen deutschen Chart-Erfolg, mit dem nun die neue Scheibe nicht ganz mithalten kann, aber Platz 13 wäre bandhistorisch gesehen immerhin der dritte Platz. Der nun per „Songs aus zwei Jahrzehnten“, so der Titel des heutigen Abends, gefeiert wird und dabei sicher auch jenen Zeiten, als die Scheiben noch bescheiden „Ewig“, „Heilig“ oder „Schuldig“ hießen, gedacht wird. Dabei sollen laut Veranstalter befreundete Bands wie Zeraphine und Lord of the Lost und dazu Gastmusiker wie Ally Storch von Subway to Sally oder Martin Höfert von Goethes Erben die „Bühne erklimmen“.

Ganz nach oben, ohne massenkompatibel zu sein

In der Bandbiografie im Netzlexikon („Letzte Instanz ist eine deutsche Violin-Rockband aus Dresden, die Einflüsse aus diversen Bereichen des Rock und der klassischen Musik miteinander vereint“), die seit fünf Jahren den Stempel der mangelnden Belege trägt und damit irgendwann nicht mehr unter digitalen Artenschutz fällt, aber erst just am Montagmorgen um 1:01 Uhr aktualisiert wurde, sind die 17 Bandmitglieder per Kunstnamen und schöner Zeitstrahlgrafik verewigt, darunter je vier Gitarristen, Bassisten und Schlagzeuger. Und drei Sänger, darunter Sebastian Lohse, der hier als Robin Sohn von 1997 bis 2004 sang. Auch er kommt heute zu Wort wie Mikro.

Mit Elektroviolinist Muttis Stolz und Elektrocellist Benni Cellini sind just die beiden E-Streicher am längsten dabei. Bereits nach der Krise vor rund 13 Jahren gab es ein personell runderneuertes Septett, wobei Sänger Holly Loose, dem das meist recht uniform bekleidete Publikum in der Regel jeden Wunsch, sei es Niederknien, Armwellen oder Pistolenhände, rasch erfüllt, der wichtigste Neuzugang bleibt. Heute ist die Band als Sextett ohne den charismatischen Frontmann aus Königs Wusterhausen schwer vorstellbar. Als Sechster im aktuellen Bunde spielt Michael Ende seit 2004 Bass als Gitarre.

Vor fünf Jahren, beim Konzert zum 15., gab es übrigens nach genau drei Stunden Spielzeit kurz nach Mitternacht als dritten Zugabenblock eine musikalische Überraschung: ein Medley aus internationalen Krachern von Nirvana bis Kiss, bei dem der nunmehr einzig verbliebene Lokalhero und Gründer M. Stolz „Rico Schwib“ über die Köpfe des Publikums nach hinten schwebte, denn Geiger brauchte es da nicht. Mal sehen, was heute als krönender Abschluss und als Startschuss in die dritte Banddekade passiert.

Denn Bandchef Rico Schwibs erklärte dieser Zeitung schon im Februar nach der „Morgenland“-Erscheinung, dass es weiterhin das große Ziel sei, ganz nach oben zu kommen – und zwar ohne sich zu verbiegen oder die Musik „massenkompatibler“ zu machen. Da steter Wandel zum Programm gehört, wird es, das ist keine gewagte Prognose, sicher noch weitere derartige Feten geben. Samt Platten und Touren. Andere Glückwünsche heute Abend live im Alten Schlachthof.

Sonnabend, 19 Uhr, Alter Schlachthof

Von Andreas Herrmann

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