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Regional Die Landesbühnen Sachsen reisen mit „In Gottes eigenem Land“ durch die USA
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21:00 18.09.2017
Hier wird am 12. Oktober die deutsch-amerikanische Co-Produktion erstmals „In God’s Own Country“ aufgeführt: das Meroney Theater in Salisbury. Quelle: Landesbühnen
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Radebeul

Exakt 230 Jahre nach seinem Tod kehrt Henry Melchior Mühlenberg an seine Wirkungsstätte nach Pennsylvania zurück, an der er über 40 Jahre lang Reformationsarbeit an allervorderster Front leistete. Zwar werden in der 3500-Einwohner-Gemeinde Trappe an der Ostküste der USA keine Toten aufgeweckt, doch der deutsche lutherische Pastor wird von Schauspieler Moritz Gabriel an originaler historischer Stelle gespielt, wenn „In Gottes eigenem Land“ der Landesbühnen Sachsen in Übersee Premiere feiert.

Es steht also eine große Amerikareise für Teile des Ensembles rund um Moritz Gabriel, Michael Heuser, Julia Rani und Autor Olaf Hörbe an. „Es ist etwas ganz Besonderes, wenn wir unsere Arbeit und unser Schauspiel in die Welt tragen können“, so Landesbühnen-Intendant Manuel Schöbel. Dabei ist es trotz des offensichtlichen inhaltlichen Bezugs alles andere als selbstverständlich, dass – so wie das Stück zwischen dem 8. und 29. Oktober heißen wird – „In God’s Own Country“ den Sprung über den großen Teich geschafft hat. Doch sowohl das US-Konsulat in Leipzig als auch die Kampagne „So geht Sächsisch“ des Freistaates Sachsen zeigten sich mehr als begeistert von der ungewöhnlichen Idee und steuerten gemeinsam 23 000 Euro bei.

Entscheidender Antreiber, Organisator und Taktgeber ist Landesbühnen-Veranstaltungsmanagerin Jane Taubert. Die Amerikanerin lebt seit mehr als 25 Jahren in Deutschland und stammt ursprünglich aus North Carolina, wo noch heute Protestantismus wichtiger Bestandteil des kulturellen Alltags ist. Nicht verwunderlich also, dass elf der 14 Gastspiel-Aufführungen im ehemaligen Textilstaat stattfinden.

Taubert war es auch, die vor mehr als fünf Jahren die Idee für die Adaption des historischen Romans „In Gottes eigenem Land“ von Eberhard Görner als Bühnenstück für das Reformationsjahr 2017 hatte. „Natürlich hätten wir damals nicht ahnen können, dass uns die Theaterproduktion einmal bis in die Vereinigten Staaten führen würde“, so Taubert. Doch als das Stück im April dieses Jahres uraufgeführt wurde, war die Amerikareise schon längst beschlossene Sache.

Nun geht es vom 8. bis zum 29. Oktober durch North Carolina und Mühlenbergs Heimat Pennsylvania, Auftritte im Meroney Theater Salisbury und auf dem Campus der Lenoir-Rhyne University inklusive. Ein großer Höhepunkt der Gastspieltour ist sicherlich der Auftritt in der historischen Augustus Lutheran Church in Trappe, die der Pfarrer 1746 selbst erbaute. Gespielt wird gemeinsam mit lokalen Ensembles und Laien.

Die historische Augustus Lutheran Church in Trappe, Pennsylvania – erbaut 1746 von Henry Melchior Mühlenberg und auch Spielort für das Landesbühnen-Ensemble. Quelle: Landesbühnen

Olaf Hörbe machte dafür aus der originalen Fassung eine englische, bei der zu Zwecken der Authentizität je nach Szene und Wirkung auch noch die ein oder anderen deutschen Begriffe fallen. Mitreisen und -spielen wird aber nur ein Kernensemble der Landesbühnen, das dann vor Ort jeweils von amerikanischen Theatergruppen ergänzt wird. Deshalb wird parallel zu Radebeul auch gerade kräftig auf der anderen Seite des Atlantiks geprobt. Immerhin genießt Henry Melchior Mühlenberg großes Ansehen im protestantischen Amerika, gilt als einer der Urväter der modernen christlichen Kommune. „Betrachtet man das Lebenswerk von Mühlenberg, ist das schon eine Titanenarbeit“, so Autor Olaf Hörbe.

1742 in Pennsylvania angekommen, muss der lutherische Pfarrer die unorganisierten und miteinander streitenden deutschsprachigen Protestantengemeinden auf Linie bringen. Er baut Schulen, Kirchen und Gemeindehäuser und hilft bei der Friedensstiftung mit den Indianern. Während ein Großteil seiner Gleichgesinnten scheitert, überzeugt Mühlenberg seine Gemeinschaft von der Vision einer toleranten und friedlichen Gesellschaft. Und so ähnlich interpretieren die Protagonisten der Landesbühnen ihre Aufgaben vor Ort in den USA: Brücken schlagen, gemeinsam etwas bewirken, „aus zweien eins machen“, so Intendant Schöbel.

Als Stück, das von Gastspielern und -Orchestern sowie dem Einsatz von Schauspiellaien lebt, ist „In Gottes eigenem Land“ hervorragend für die amerikanische Adaption geeignet. „Das konnte man bei den bisherigen 14 Aufführungen in Radebeul, Großenhain, Wittenberg, Zeitz und anderen Städten sehen, wie gut die Arbeit mit Chören, Schauspielern und Komparsen vor Ort funktioniert“, ergänzt der musikalische Leiter Paul Heller. Er will mit den Gruppen in Amerika „workshopartig“ arbeiten, um für jedes Ensemble die passende Musik zum Stück herauszuarbeiten. „Die Kompositionen sind aus diesem Grund von vornherein sehr variabel und flexibel ausgelegt“, so Heller.

Und so hofft man bei den Verantwortlichen der Landesbühnen auf eine „amerikanische“ Fassung des Stücks mit viel Lokalkolorit. „Es wäre sehr schön, wenn wir uns nicht nur präsentieren können, sondern auch jede Menge Erfahrung und Inspiration mitnehmen können“, so Schöbel. Dennoch sei die USA-Reise vorerst eine einmalige Sache. Man sehe seine Kernkompetenz auf sächsischen Bühnen und nicht auf Reisen, so der Intendant. „Falls sich aber mal wieder so etwas ergibt, warum nicht.“ Auf jeden Fall wird „In God’s Own Country“ für das Ensemble der Landesbühnen eine vielversprechende Reise – auch in die Vergangenheit.

Die Tourdaten und weitere Informationen zur USA-Reise unter www.landesbühnen-sachsen.de

Von Sebastian Burkhardt

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