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Regional Die „Jungen Freunde“ der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden werden 10 Jahre alt
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11:01 02.10.2018
Die Party bei der 24 Stunden Ausstellung der Jungen Freunde im Jahr 2017. Jeder Dresdner durfte bei der Exposition seine eigene Kunst präsentieren. Quelle: f/x-shots
Dresden

Ein DJ legt hippe Musik auf, junge Menschen tanzen und nippen an ihren Cocktails, einige Personen sind in angeregte Gespräche verwickelt. Dieses Szenario würde man wohl eher in Bars oder Diskotheken vermuten als in Museen. Doch gerade letztere sind bevorzugte Veranstaltungsorte für Partys der „Jungen Freunde“ der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD).

Wie es dazu kam? Im Jahr 2008 stellte der seit 1991 existierende Freundeskreis fest der SKD, dass sich in ihren Kreisen lediglich 40 Mitglieder unter 40 Jahren befanden. Ein eher wenig vertretene Altersgruppe, befand auch die Geschäftsführerin der SKD, Maria Krusche. Was also tun, um die Freunde eine spur jünger zu machen? Der Vorstand rief die „Jungen Freunde“ ins Leben. Nachdem die damaligen Mitglieder einem ermäßigtem Beitrag für junge Kunstliebhaber zustimmten, konnte das Projekt „Fortbestand“ als eine Investition in die Zukunft entstehen. Am 22. Mai 2008 fand schließlich die erste Party der „Jungen Freunde“ statt – damals fanden sich fast 100 Kunstbegeisterte im Lipsiusbau ein.

So find alles an: Die erste Party der Jungen Freunde der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zur Ausstellung "Madonna meets Mao" im Jahr 2008. Quelle: Martin Fiedler

Mittlerweile resümiert der Verein, dass das Projekt vollen Erfolg hat. Von 1800 Mitgliedern sind nunmehr 600 „junge“ Freunde. Ein Drittel Kunstbegeisterte bis 35 Jahre, ein Drittel Berufstätige bis 65 Jahre und ein Drittel „Klassiker“, so beschreibt Krusche die Mitgliedsstruktur. „Deutschlandweit sind wir bei den Freunden für bildende Künste in puncto junger Mitglieder ganz vorne mit dabei“, erzählt die SKD-Chefin. Seit 2004 hat Krusche ihr Amt inne – und konnte dem Projekt „Jungen Freunde“ so beim Wachsen zusehen.

„Wir wollen Spaß an der Kunst vermitteln, Kunst erleben und Kunst feiern“, erklärt Krusche. Ziel sei es, allen drei Mitgliedsspektren zielgerechte Veranstaltungen zu bieten. Vor allem bei den jungen Freunden gilt dabei das Credo: Museen müssen nicht unbedingt langweilig sein. Um das zu beweisen, findet immer am letzten Mittwoch des Monats eine exklusive Veranstaltung im Museum statt – und zwar außerhalb der regulären Öffnungszeiten. Für die junge Altersklasse gibt es dabei Einblicke, die man als normaler Besucher nicht erhält. Mal sind Künstler dabei, mal sind es Galeristen. Sie sollen die Kunst zu etwas Alltäglichem machen.

Kunst erleben und Kunst feiern

Zweimal im Jahr veranstalten die SKD ein „Offspace“, bei dem die Teilnehmer an einem anderen Ort über den Tellerrand hinaus blicken. Wo und wie entsteht die Kunst? Diesen Fragen soll sich in diesen speziellen Veranstaltungen gewidmet werden. „Wir wollen die Kunst noch einmal anders erleben, beispielsweise mit Künstlern ins Gespräch kommen“, erklärt Britta Sommermeyer, die mit in der Geschäftsführung arbeitet.

Von 40 zu 600 Mitgliedern – eine zehn Jahre lange Reise. „Und wir treten sie jedes Jahr erneut an“, sagt Krusche. „Es gibt eine unglaubliche hohe Fluktuation, gerade bei den ’Jungen Freunden’. Die meisten Mitglieder bleiben nur zwei oder drei Jahre. Danach verschlägt es sie meistens woanders hin“, erzählt sie. Deswegen müsse man kontinuierlich daran arbeiten, neue Mitglieder zu gewinnen.

Seit fünf Jahren gibt es ein eigenes Ehrenamtsteam. Die 20 Mitglieder entwickeln das Programm für die Events selbst mit. Dabei versuchen sie, mit dem Zeitgeist zu gehen, um ein attraktiver Verein zu bleiben. Das Konzept geht auf: Jeder zweite „junge Freund“ bleibt Krusche zufolge auch über das 35. Lebensjahr im SKD-Freundeskreis. „Wir haben sogar schon Paare, die sich bei uns kennen gelernt haben und jetzt Kinder erwarten“, erzählt Sommermeyer schmunzelnd. Der Fortbestand geht somit in die nächste Runde.

Aber auch für den Rest der Mitglieder wird gesorgt. So findet für die 35- bis 65-jährigen Berufstätigen viermal im Jahr ein „After Work Art“-Event statt. Dabei kommen die Freunde der Kunst in den Geschmack einer Führung – und sie können sich hinterher bei einem Cocktail über die Erlebnisse austauschen. Außerdem gibt es einmal im Jahr einen „Schwof“, bei dem etwa 500 Menschen Kunst, Tanz und Geselligkeit ausleben – ganz nach dem Motto „Kunst erleben und Kunst feiern“.

Für die Klassiker ist wiederum ein anderes Programm geboten. Es gibt beispielsweise Tagesausflüge, wie dieses Jahr nach Berlin zur „Artweek“. Für junge Eltern ist eine „Kunstpause“ im Programm. Gemeinsam kann in dieser Auszeit vom Alltag jeden ersten Donnerstag im Monat mit dem Baby ein Museum besucht werden. Anschließend ist ein Austausch über Kunst, Babys und die Welt möglich.

Die Veranstaltungen wachsen den Organisatoren zufolge jährlich. Fanden sich zu den ersten Treffen selten mehr als fünf Leute ein, sind es jetzt meist 25 bis 30 Personen. „Viele Veranstaltungen sind ausverkauft“, erzählt Sommermeyer. „Mittlerweile werden wir sogar zu einigen Veranstaltung eingeladen – das Feedback der ’Jungen Freunde’ ist sehr begehrt“, fügt Krusche an.

„Museen sind keine Tempel“

Die Mitgliedsbeiträge aller Vereinsfreunde fließen direkt in die Kunst. Meistens werden damit Dresdner Museen bei ihren Ankäufen unterstützt. Aber man kann auch selbst Kunst erwerben – einmal im Jahr werden kleine Auflagen von bekannten Künstlern für vergünstige Preise angeboten. „Wir wollen nicht nur ein Leben mit Kunst, sondern auch ein Leben für Kunst fördern“, so Krusche.

Zehn Jahre und viele Partys – zu den Highlights gehörte für Sommermeyer auf jeden Fall die Feier zur Ausstellung „Neue Sachlichkeit“ im Jahr 2011. In Kooperation mit der Hochschule für Bildende Künste ließen Maskenbildstudenten die Figuren aus Porträts lebendig werden. Aber auch die Exposition „Separated Strings“ von Susan Philipsz, die mit der akustischen Wahrnehmung spielt, regte die Organisatoren dieses Jahr zu einem einzigartigen Event an.

Die 24 Stunden Ausstellung der Jungen Freunde der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden im Jahr 2017.  Quelle: Marcus Lieder

Passend dazu gab es im Anschluss eine „Silent-Disco“, bei der die Gäste über eigene Kopfhörer Musik hörten. Dabei konnten die Besucher zwischen verschiedenen Genres wechseln. „Sogar an der Toilettenschlange wurde getanzt“, erzählt Krusche lachend. Der Veranstaltungsort blieb durch die Musik aus den Kopfhörern ungewohnt ruhig.

„Auch toll war unsere 24 Stunden Ausstellung, die jeder mitgestalten konnte. Alle, die sich berufen fühlten, konnten ihre Kunst selbst einreichen. Das zog viele Besucher an“, erinnert sich Sommermeyer. Bei den Parties im Lipsiusbau gibt es außerdem immer Live-Speaker, also „junge Freunde“, die sich vorher mit der Ausstellung beschäftigen. Unter dem Motto „Wir müssen reden...“ bringen sie den Besuchern an den Abenden gewisse Stücke näher.

Am Freitag, 12. Oktober, ist es dann wieder so weit: Die jungen Freunde laden ab 19 Uhr zu den „Lipsius Vibes“. Wer neugierig geworden ist, kann für 9 Euro Karten an allen Vorverkaufsstellen, Museenkassen und im Internet unter etix.de erwerben. Wer Mitglied werden möchte, darf die Veranstaltung sogar kostenlos besuchen.

„Museen sind keine Tempel. Wir wollen, dass vor allem die jungen Menschen ihre Ehrfurcht verlieren“, so die Vorstandsvorsitzende Petra von Crailsheim. Aber auch nach zehn Jahren sind die Freunde immer noch dabei, bekannt zu werden und dieses Credo zu verbreiten.

Von Annafried Schmidt

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