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13:18 04.06.2018
Ungeheuer Prinz Alexander (Carlos Praetorius) und seine Geliebte, Aljona (Adrienne Lejko) im tjg-Stück "Feuerrote Blume" Quelle: tjg
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Dresden

Zauberblumen sind in Märchen ein gern genutztes Element, um das sich eine Geschichte spinnt. Meistens sind sie dabei verhext und sorgen entweder für Unsterblichkeit oder symbolisieren genau andersherum die Vergänglichkeit des menschlichen Lebens. Auch der russische Schriftsteller Sergei Timofejewitsch Aksakow sprach in seinem Märchen „Die rote Wunderblume“ von einer, die wie 500 Kerzen hell leuchtet und die schönste weltweit wäre – doch auch sie ist mit einem Fluch belegt. Die Inszenierung „Die feuerrote Blume“ des Theaters junge Generation (tjg) griff die Geschichte nun auf und spielt sie derzeit für Kinder im Dresdner Zoo auf einer Freilichtbühne nach.

Von 23 Spielterminen im Juni sind bereits 19 ausgebucht – so auch die Premiere am Freitagmorgen. Das Stück wird direkt neben dem Elefantenaußengehege unter schattigen Linden aufgeführt und bietet rund 250 Zuschauern Platz. Das Stück bringt alles mit sich, was das Kinderherz erfreut: kurze Tanz- und Gesangseinlagen, kreative Kostüme, Handpuppen und besonders viel Situationskomik. Kommentiert und interaktiv gelenkt wird es immer mal wieder von einem sprechenden Waschbären. Es war also einmal.. ein wunderschöner Prinz, der das Blumengeschenk der Zauberin Baba Jaga aus Spott ablehnte und deshalb verhext wurde. Er lebt fortan als hässliches Ungeheuer, das sterben wird, sobald die feuerrote Blume in seinem Hofgarten verendet. Von seinem Fluch kann er nur erlöst werden, wenn er von einem Menschen geliebt wird.

Jahre später tritt der Kaufmann Fjodor zu einer Geschäftsreise an und verspricht seinen hinterbleibenden Töchtern Mitbringsel. Während sich die beiden Ältesten teuren Schmuck wünschen, hätte die jüngste und ungeschickteste von ihnen – Aljona – gerne jene feuerrote Blume, die ihr im Traum erschienen ist. Gemeinsam mit dem Waschbär erlebt Fjodor einige Abenteuer, ehe er die gesuchte Pflanze entdeckt. Als er sie ausreißt, wird er jedoch vom Schlossungeheuer gefangen genommen und muss von Aljona gerettet werden. Diese baut bei ihrer Begegnung mit dem verzauberten Prinzen eine Beziehung zu ihm auf und verliebt sich schlussendlich in das Ungeheuer, das nun von seinem Bann befreit wird.

Intellektuell scheint das Stück für Sechsjährige etwas sehr anspruchsvoll, wird jedoch mit seiner Machart kindgerecht inszeniert. Ein Gandalf ähnelnder Druide zeigt, dass ein 2,5 Meter langer Bart nicht nur als Gesichtsschmuck, sondern auch als Hangelseil, Peitsche und Taschentuch dienen kann. Die böse Hexe, ohne die kein Märchen auskommt, ähnelt mit ihrem Irokesen und zerfetzten Klamotten einer Rockerbraut und Wunderlands Herzkönigin, ihr bissiger Humor brachte den Nachwuchs oft zum lachen. Hauptdarsteller Carlos Praetorius überzeugt als Prinz mit vielen Talenten, die von seiner tollen schauspielerischen Leistung über ungeahnt talentierte Gesangseinlagen und Parcours-Qualitäten reichten. Besonders gefielen auch Daniil Shchapov und Ulrike Schuster für ihre authentische Verkörperung des Waschbären. Das russische Märchen wird passend musikalisch von Matthias Bernhold, Julia Brettschneider und Friederike Hellmann begleitet, die zuvor im Berliner Kindertheater Zirkusmaria tätig waren. Balkan-Beats und Polka-Melodien sorgen mal für Tanzstimmung, dann für eine melancholisch-romantische Atmosphäre.

Die Regisseurin Ania Michaelis hatte das Stück einst in Russland in einer Fassung von 1953 in Originalton gesehen, obwohl sie die Sprache nicht versteht. Nichtsdestotrotz war sie von der Darstellung so begeistert, dass sie die feuerrote Blume unbedingt selber inszenieren wollte. Zunächst las sie das Märchen mehrmals, schaute sich den dazugehörigen Film an und befasste sich lange mit der ähnlichen Erzählung von Amor und Psyche. Inspiriert von deren Liebesgeschichte suchte sie auch für den Prinzen und Aljona neumodisch die passenden Worte, um zu zeigen, wie stark Liebe sein kann: „Ich will neben dir einschlafen – und für dich einkaufen und deine Tüten tragen – ich will dir sagen, wie schön deine Schuhe sind und dir ein Kätzchen schenken, auf das ich dann eifersüchtig sein kann.“

Nächste Aufführung am 4. Juni um 10 Uhr, weitere Termine und Infos unter www.tjg-dresden.de

Von Katharina Jakob

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