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05:00 26.01.2018
Leipziger Band Karl die Große, v.l.n.r.: Yohann Thicé (Gitarre), Clemens Litschko (Schlagzeug, Percussion), Wencke Wollny (Gesang, Texte, Kompositionen), Simon Kutzner (Keyboard, Klarinette), Antonia Hausmann (Posaune) und Christian Dähne (Bass) Indie-Pop-Band Karl die Große Quelle: Sonja Stadelmaier
Dresden

„Dass ihr Superhelden immer übertreibt“ ist auch für ein deutschsprachiges Popalbum ein ungewöhnlicher Titel. Erhebt sich da etwa jemand über all die Spider-, Super- und Batmans dieser Welt? Nein, oder jedenfalls nur in dem Sinne, dass die Leipziger Band Karl die Große allen noch so starken Helden sagt: Hier ist eine Schulter zum Anlehnen, wenn du mal müde und traurig bist. Dass ihre Musik eine regelrechte Umarmung für die Zuhörenden sein kann, zeigt die sechsköpfige Band am Sonnabend im Alten Wettbüro.

Karl die Große hat in den letzten fünf Jahren die beiden EPs „Mal gucken, was passiert“ und „Dichter bei den anderen“ veröffentlicht, im letzten Herbst folgte dann das Debütalbum „Dass ihr Superhelden immer übertreibt“, das die Band nun erstmals in Dresden live spielt. Und dieses Album zeigt, dass die ungewöhnliche Band die nächste Stufe erreicht hat. Oder sagen wir: die viertnächste. Denn wo die für Popmusik auffällige Instrumentierung mit Posaune und Klarinette zu Keyboard-Gitarre-Schlagzeug-Bass und die große Expertise der studierten Musiker in der Vergangenheit auch mal zu einer Überportion Wohlklang verleiteten, sind mittlerweile Ecken und Kanten zu hören, in der Musik, aber auch in den Texten.

Field Recordings und leichte Elektronik schmirgeln an den Songs herum. Der Sound bleibt aber nach wie vor warm, voll und atmend. Und so beginnt auch das „Lied aus Stille“ treffend mit einem Einatmen (erweist sich dann aber glücklicherweise doch als ein Lied „nicht nur aus Stille“ und wärmt einem die „müden Ohren, die so viel Lärm ertragen mussten“). Auch die schon im Sommer mit schönem Video veröffentlichte Single (ja, sowas gibt’s noch) namens „Die Stadt“ schält sich ganz behutsam aus der Stille. Sprechgesang à la Francesco Wilking trifft hier auf Karl-die-Große-typische Haa-aah-Chöre und eine Stimme, die spätestens in der Zeile „Rot, rot, rot sind alle meine Straßen“ an Sophie Hunger erinnert.

A propos Francesco Wilking und Sophie Hunger: Man hört Karl die Große an, welche Musik Wencke Wollny, Kopf und Herz der Band, mag. Nicht weil sie diese kopiert, sondern weil sie versucht, mit deren Attitüde eigene Musik zu machen.

Und die gefällt nicht nur dem Publikum auf den zahlreichen Karl-die-Große-Konzerten in ganz Deutschland, sondern auch Moritz Krämer von der Band Die Höchste Eisenbahn. Er singt auf dem Album (aber wohl eher nicht beim Konzert in Dresden) mit Wencke Wollny das hinreißende Duett „Cowboy und Indianer“: Da ist erst Wollnys glockenklare Stimme zu Gitarre und Flöte, dann schluchzt Krämer die zweite Strophe. Antonia Hausmanns Posaune bläst Trübsal dazu – der Indianer möchte sich doch nur einmal als Cowboy verkleiden, weil Schleichen und Spuren-Lesen bei den Mädels nicht so zieht. Dann galoppiert der Song locker los durch die Prärie, dass man das gesungene „Die beiden auf dem Foto grinsen glücklich Arm in Arm“ ganz deutlich vor sich sieht.

Sicher, Karl die Große wird keine Party-Band mehr werden, die Melancholie legt sich wie eine Decke über ihre Songs, da sind viele „Ichs“ und „Dus“ in den Texten. Beides wird aber auch mal konterkariert, zum Beispiel, wenn auf das tocotronisch sloganhafte „Schau mich einmal an / und ich sag dir, was du nicht kannst“ aller Pessimismus mit einem beherzten „Reiß deine Arme hoch und ta-hanz!“ weggefegt wird, dem sich nur entziehen kann, wer keine Arme und kein Herz hat.

Alle anderen sollten ins Alte Wettbüro gehen und dort lauschen, mitsingen und auch ein bisschen ta-hanzen.

Karl die Große, Samstag, 20 Uhr im Alten Wettbüro, Antonstraße 8, VVK 9 Euro zzgl. Geb., AK 12 Euro

Von Benjamin Heine

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