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Die Guten aus der Warteschleife: Neue CDs von Two Gallants bis Mumford & Sons

Die Guten aus der Warteschleife: Neue CDs von Two Gallants bis Mumford & Sons

Mit folgenden CD-Empfehlungen reflektieren wir Bands und Solokünstler, die in den kommenden Monaten (noch) nicht live in und um Dresden zu erleben sein werden, aber durchaus könnten.

Herbstzeit - Erntezeit.

Denn sie passen ins markante Club-Profil der Stadt.

"The Bloom And The Blight" und "Hello Hum"

Ohne diese beiden Platten wird die Ernte 2012 nicht einzufahren sein. Mustergültig sind sie, was Effizienz, Kraft und Wucht anbelangt. Keine Spur von Scheu vor der großen Geste, dafür überzeugen die Bands mit gehaltvollen Ideen beim Spiel mit Americana, Folk und Rock'n'Roll.

Die endlich wiedervereinigten Two Gallants aus San Francisco brauchen ganze 33 Minuten für zehn umwerfende Lieder. Das Duo Adam Stephens/ Tyson Vogel - Freunde, seit sie fünf sind (siehe Cover) - holt aus E- und akustischer Gitarre, Drums und Gesang alles heraus, was mit Leidenschaft zu machen ist. Berstend, bürstend, als energetischer Gegenentwurf zum Gniedel-Folk, trotzdem mit aufrechter Liebe zur Ballade, gleichsam zum rup-pigen Punk. Good Vibrations allerorten.

Wintersleep sind ein Trio aus Halifax, Kompakt-Kanadier also, beseelt von rhythmisch-harmonischen Schillerfarben, zwingend, nie lapidar, dabei durchaus mit Hang zum Hymnischen. Angstfrei meint bei ihnen die Verwendung von Synthesizern neben brechenden Gitarrenwellen und weit vorn abgemischtem Gesang. Zwölf Songs, zwölf Gesichter.

Two Gallants, "The Bloom And The Blight" (Fargo), Wintersleep, "Hello Hum" (Affairs Of The Heart)

"Little Heater"

Selten kamen die Jahrzehnte US-amerikanischer Musik- tradition an einem Abend so zusammen wie bei gemeinsamen Konzerten von Freakwater und 11'th Dream Day. Hier Country/Folk pur, dort verquerer Postrock. Janet Bean spielt(e) in beiden Formationen, Partnerin bei Freakwater war (ist) Catherine Irwin. Auf ihrem erstem Soloalbum geht sie konsequent den eingeschlagenen Weg weiter. Textlich dunkler, musikalisch traditioneller Country, der sich jeder Pop-Attitüde verweigert und heutiger Nashville-Chartsdominanz die Zunge zeigt. Fast durchweg schlagzeug- und perkussionslos, singt die Irwin mit Gästen ergriffen zu Banjo, Pedal Steel, Harmonika, Klavier. Für zwei Stücke ist Will Oldham dabei.

Catherine Irwin, "Little Heater" (Thrill Jockey)

"Every Day Is Like The First Day"

Rein gar nichts ist Zufall hier. Eine CD wie aus einem Guss, dominiert von einer absolut warm-einfühlsamen weiblichen Stimme, die im Verbund mit grandiosen Gitarrensounds Räume durchmisst. Sekundiert wird die in Polen geborene und in Israel aufgewachsene Spigel kongenial von ihrem Mann Colin Newman, mit dem sie seit Mitte der 1980er Jahre in England am eigenen Kapitel Musikgeschichte schreibt. "Every Day -" ist ein zwingender Hybrid aus Minimal-Electronics, mäandernden Klangschichten, tupfenden Elementen wie Geige, durchdrungen von einer Freundlichkeit, die wie durch verhangene Fenster scheint. Auch die Gästeliste spricht Bände, u.a. besetzt mit Alexander Balanescu, Ronald Lippok und Johnny Marr. Besagter "Guss" wird bei jedem Hören neu sein.

Malka Spigel, "Every Day Is Like The First Day" (Swim)

"Can't Go Back"

Nun mal halt mit Vorurteilen! Die Tikaram ist nicht nur auch mit über 40 eine verboten schöne Frau, sie hat unverändert auch das, was man Timbre nennt. Dieses Organ, wie durch Schwaden dicken Rauches gezogen, ist groß. Und auch, wenn die Rede auf Tanita Tikaram kam zuletzt, als Chinawoman in der Stadt war, hat das Original nach wie vor etwas Besonderes. Und nach einigen Jahren Pause stimmt auch mal wieder das Material. Produzent Paul Bryan hat vorzügliche Arrangements hinbekommen, immer Tikarams Stimme im Ohr, ohne auf alternierende Nuancen zu verzichten: Streicher, Bläser, Semiakustisches, auch mal etwas Humor und Kante neben vielen Balladen. Denn dass es mit dem ungewöhnlich pumpenden Beginn auf Knarz-Gitarren und Vaudeville-Piano so nicht würde weitergehen, war klar.

Tanita Tikaram, "Can't Go Back" (Edel)

"Find The One" und "Babel"

Zwei Editionen, die zum Testlauf der Generationsannäherung taugen. Zwei britische Bands auf akustischem Fundament: Die Coal Porters durch ihren legendären US-Frontmann Sid Griffin (Long Riders) eindeutig Bluegrass-orientiert und Väter und Mütter im Blick, die letztens schwer durch die Decke geschossenen Mumford & Sons mit beseeltem Folkrock und längst beim Nachwuchs gelandet. Acht Millionen CDs des Vorgängers "Sigh No More" (2009) brachten die Londoner in einer eigene Umlaufbahn. Der Nachfolger hält - völlig überraschungsfrei - das Niveau. Das Banjo brennt, der Satzgesang ist auf dem Punkt, spitze Bläser debütieren. Die jungen Menschen hätten vor 20 Jahren wohl eine Platte wie diese den Olds zu Weihnachten geschenkt. Sid Griffin war da längst umtriebig. Mit den Coal Porters hat er eine Heimat auf der Insel gefunden. "Find The One" ist ausgewogen, nie zu lässig im Wohlklang von Fiddle, Mandoline, weiblich-männlichen Stimmen.

The Coal Porters, "Find The One" (Prima), Mumford & Sons, "Babel" (V2)

Und da die Freunde des Genres in und um Dresden immer zu kurz kommen übers Jahr, folgender Tipp: Am 10. Dezember gibt es bei "Musik zwischen den Welten" in der Dreikönigskirche eine ganze "Bluegrass Jamboree" mit drei US-Bands.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.11.2012

Andreas Körner

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