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Regional Die Geigerin Julia Fischer ist "Artist in residence" der Dresdner Philharmonie
Nachrichten Kultur Regional Die Geigerin Julia Fischer ist "Artist in residence" der Dresdner Philharmonie
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18:17 09.09.2015
Julia Fischer wird in dieser Saison neun Mal in Dresden zu erleben sein und außerdem mit der Dresdner Philharmonie auf Tournee gehen. Quelle: Felix Broede Kasskara

Es folgten zahlreiche Auszeichnungen, und als Dreizehnjährige spielte sie Lorin Maazel vor, der sie prompt als Solistin zum Festkonzert des 50-jährigen Bestehens des Sinfonieorchesters des Bayrischen Rundfunks einlud. Noch als Schülerin begann sie ihre internationale Konzerttätigkeit, und mit 23 Jahren erhielt sie als jüngste Professorin Deutschlands ihre Berufung an die Musikhochschule in Frankfurt am Main. Das Dresdner Publikum kann sich in dieser Spielzeit gleich auf neun Konzerte mit der Geigerin freuen, denn sie ist "Artist in residence" der Dresdner Philharmonie.

Wenn sie die Bühne betritt, spürt man ihren unbedingten Wille, so tief wie nur möglich in die jeweilige Komposition einzudringen, die Zuhörer mitzureißen. Garant dafür ist ihre Ausdrucksskala, ihr wunderbarer voluminöser Geigenton, ihre hauchzarten Pianissimi, ihre atemberaubende Virtuosität, wobei sie im Interesse des Ausdrucks auch Risiken bei besonders heiklen Stellen nicht scheut.

Für ihr imposantes Können wurde schon in ihren Kinder- und Jugendjahren die Basis gelegt. Sie hatte das Glück, an der Hochschule von der berühmten Geigenlehrerin Ana Chumachenco unterrichtet zu werden. Das Geigen- und Klavierspiel waren und sind für Julia Fischer Lebensnotwendigkeit, sie wollte nie als "Wunderkind" bezeichnet werden, denn das "Wunder" hat sie sich hart erarbeitet. Auf die Frage, ob sie auch ihre Schüler zu solch unbedingter Disziplin erziehen will, antwortet sie: "Auf jeden Fall sehe ich es nicht als mein Ziel an, nur Solisten auszubilden. Ich möchte die Studenten als gute Musiker entlassen, die für unsere Kunst brennen. Der weitere Weg ist nicht nur von der Begabung, sondern von so viel Faktoren abhängig: vom Elternhaus, von der Persönlichkeit, der Willensstärke, vom Management, von Reiselust, von der Fähigkeit, bei Bedarf ein Konzert in drei Tagen zu erlernen, und nicht zuletzt von Glück."

Ihr eigenes privates Glück hat Julia Fischer bei ihrem Mann, einem Journalisten, und ihren zwei kleinen Kindern gefunden. Zugunsten dieses Familienlebens habe sie ihre beruflichen Verpflichtungen stark eingeschränkt, berichtet sie. Ihre früheren jährlich 90 bis 100 Konzerte hat sie um die Hälfte reduziert, an der Hochschule bekleidet sie nur noch eine halbe Stelle mit vier bis fünf Studenten. Manchmal muss sie interessante, aber wochenlange Tournee-Angebote ablehnen, weil sie nicht länger als etwa zehn Tage von ihrem Familiendomizil am Starnberger See wegbleiben möchte. Dort kann sie ab und zu auch die Gelegenheit zum Wandern in der nahegelegenen Bergwelt nutzen.

Neben ihren vielen solistischen Aufgaben hat sie auch ein eigenes Streichquartett mit hervorragenden Musikern - Alexander Sitkovetsky, Nils Mönkemeyer und Benjamin Nyffenegger - gegründet, die gleichzeitig zu ihren besten Freunden gehören. Eine ähnlich enge Beziehung verbindet sie mit dem Kammerorchester "Academy of St. Martin in the Fields", wo sie in Personalunion als Solistin, Konzertmeisterin und Dirigentin agiert.

Trotz dieser vielfältigen Aufgaben hat sie niemals mit dem Klavierspiel aufgehört und übt, so oft es ihre Zeit erlaubt. Als Pianistin tritt sie allerdings selten auf. Die große Ausnahme bildete im Jahre 2008 ein Abend in Frankfurt am Main, wo sie mit dem 3. Violinkonzert von Saint-Saëns und dem Klavierkonzert von Grieg brillierte. Von diesem Auftritt gibt es eine DVD. Bei Kammermusik greift sie ab und zu in die Tasten, so z. B. in der nächsten Spielzeit in Prag beim Klavierquintett von Dvorák.

Als "Artist in residence" der Dresdner Philharmonie widmet sie sich nur ihrem Hauptinstrument. Sie fühlt sich diesem Orchester besonders eng verbunden, hatte sie doch hier schon 1999 als 16-Jährige mit Mozarts G-Dur-Konzert debütiert. 2003 war sie bei einer Deutschlandtournee unter Leitung von Marek Janowski und im darauffolgenden Jahr bei einer USA-Tournee mit Rafael Frühbeck de Burgos dabei.

Inzwischen hat sie schon etwa 30 Mal mit dem Dresdner Orchester musiziert, das sie sehr schätzt: "Es ist ein sympathischer und gleichzeitig äußerst professioneller Klangkörper mit einem wunderschönen Streicherklang." Chefdirigent Michael Sanderling hat die Künstlerin mit 15 Jahren kennengelernt, als sie beim Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin debütierte. Er war damals dort Solocellist. Begegnungen gab es Jahre später an der Hochschule für Musik in Frankfurt, wo sie beide eine Professur innehatten.

Zum Auftakt ihrer gemeinsamen Konzerte in dieser Saison spielt Julia Fischer am 12. und 13. Oktober das Violinkonzert von Brahms, im Januar folgen Sibelius und im Juli mit drei Konzerten ein "Brahms-Marathon", wie sie es bezeichnet. Für Julia Fischer stehen dann eine Violinsonate, ein Trio für Violine, Violoncello und Klavier sowie das Doppelkonzert für Violine und Violoncello auf dem Programm. Zu ihrer Freude trifft sie dabei mit ihrem Wunschpartner zusammen, dem Cellisten Daniel Müller-Schott, mit dem sie das Werk schon oftmals interpretiert und es auch auf CD eingespielt hat.

Konzerte am 12.10., 19.30 Uhr, und 13. Oktober, 11 und 19.30 Uhr, Schauspielhaus

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.10.2013

Livia Neugebauer

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