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Die Galerie Döbele auf den Spuren eines Dresdner Sammlers

Bestätigung Die Galerie Döbele auf den Spuren eines Dresdner Sammlers

Im kleinen, aber schönen Galerieraum in der Schössergasse reihen sich derzeit Werke „klassischer“ Dresdner Künstler und ihrer Nachfolger aneinander, die sich mehr oder weniger über konstruktive und konkrete Handschriften ausdrückten beziehungsweise ausdrücken.

Karl Otto Götz. Das Kunststück I (Drei Objekte), 1947, Gouache

Quelle: Galerie Döbele

Dresden. Im kleinen, aber schönen Galerieraum in der Schössergasse reihen sich derzeit Werke „klassischer“ Dresdner Künstler und ihrer Nachfolger aneinander, die sich mehr oder weniger über konstruktive und konkrete Handschriften ausdrückten beziehungsweise ausdrücken. Zuvorderst zu nennen sind selbstverständlich die gezeigten Handdrucke von Herrmann Glöckner sowie Arbeiten seiner „Schüler“ Wilhelm Müller und Klaus Dennhardt. Ebenso zu nennen ist Helmut Gebhardt. Wie spielerisch und keineswegs dogmatisch diese Künstler mit ihren Mitteln umgingen, zeigt nicht zuletzt die relativ große Gruppe der Arbeiten Helmut Schmidt-Kirsteins. Bekanntlich changierte der Künstler zwischen verschiedenen Möglichkeiten der Abstraktion. Zum einen reduzierte er die Gegenständlichkeit bei Stillleben aber auch seinen frankophil wirkenden Frauendarstellungen - manchmal bis an die Grenze –, zugleich experimentierte er zeitweise mit „reinen“ Formen in Gestalt seiner privat „verstreuten“ Monotypien. Ebenso deutet sich in dieser Präsentation die Vielfalt der abstrakten Form- und Material-Experimente von Willy Wolff an: von der farbigen Collage über den experimentellen Holzschnitt bis zu Walzendruck und Monotypie.

Es ist eine wahrhaft bemerkenswerte Zusammenballung von Qualität, die – entstanden vor Jahrzehnten – heute noch überzeugt. Darin inbegriffen sind auch die Blätter des in den 1940er Jahren kurzzeitig in Dresden wirkenden und damals durch die Kunstausstellung Kühl vertretenen Karl Otto Götz. Bei diesen frühen Arbeiten fühlt man sich ein wenig an Baumeister, aber auch die Anfänge des amerikanischen abstrakten Expressionismus erinnert, der manche Inspirationen von den indigenen Ureinwohnern empfing. Vielleicht nicht zufällig heißt eines der Götz-Blätter „Totemträger“ (1946).

Dass dieses Konvolut der Galerie Döbele heute zur Verfügung steht, ist dem Dresdner Sammler Günther Rassmann (1909 – 1990) beziehungsweise dessen Nachfahren zu danken. Die Verankerung in einer privaten Sammlung bestimmt zugleich auch Besonderheiten des Zusammengetragenen. Sichtbar werden – außer dem grundsätzlichen Gefühl für künstlerische Qualität - Vorlieben des Sammlers, aber auch deren Entwicklung und Veränderung im Laufe der Zeit, die teils mit persönlichen Freundschaften verbunden waren. So ist zum einen nicht zu übersehen, dass für Rassmann Helmut Schmidt-Kirstein und später auch Willy Wolff wohl besonders mit im Fokus waren, wobei der Erstgenannte nach 1945 auch als einer der ersten starke Beachtung fand, bevor diese sich hin zu Glöckner und eben auch Wolff verschob. Gleichwohl, und dies zeigt die Ausstellung ebenso, hatte er einen Blick für Künstler wie Ernst Hassebrauk, Dottore oder Herta Günther.

Eine Arbeit mag den Besucher in der Schössergasse möglicherweise verwundern: Hans Grundigs Radierung mit dem Untertitel „Hunde hetzen Pferd“ von 1938. Diese Arbeit ist wohl zeitnah erworben, das heißt während der faschistischen Diktatur, als es gefährlich war mit den Grundigs - Lea Grundig saß schon im Gefängnis, Hans Grundig war nach mehrmaligen Verhaftungen noch einige Zeit frei, bevor er ins KZ kam -, Kontakt zu haben. Dieser Umstand und konkrete finanzielle Hilfe waren es, was Grundig nach 1945 für Günther Rassmann bürgen ließ. In seinen Erinnerungen „Zwischen Karneval und Aschermittwoch“ - erste Auflage 1962 (!), das heißt vier Jahre nach seinem zu frühen Tod - widmet der Künstler, ohne Namen zu nennen, diesem „merkwürdigen fremden, gutgekleideten Herrn“, der sich „mit kompliziertesten Metalllegierungen“ befasste und sich so ernsthaft für seine Kunst interessierte, dass er einst jede Woche vor seiner Tür stand, einen längeren Abschnitt.

Das wirft die Frage auf: Wer war dieser Dresdner Sammler? Rassmann, dessen Vater Teilhaber und kaufmännischer Leiter des INFESTO-Werks Raßmann und Goedecke und der Raßmann & Goedecke Eisengießerei GmbH Berggießhübel war, studierte folgerichtig Maschinenbau in Dresden. Diplomingenieur seit 1939 und promoviert 1942, wirkte er bis1945 in verschiedenen industriellen Entwicklungsbereichen in Dresden und Hanau. Nachdem der Ingenieur ab 1945 die oben genannten Firmen wieder zum Laufen gebracht hatte, schied er (mehr oder weniger freiwillig) 1947 nach deren Umwandlung in „volkseigene Betriebe“ aus und begann eine Laufbahn in Lehre und Forschung. Über viele Jahre wirkte der habilitierte Wissenschaftler führend bei der Werkstoffentwicklung in verschiedenen Instituten mit, aus denen 1972 das Zentralinstitut für Festkörperphysik und Werkstoffforschung – heute Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung - hervorging, sowie bis zu seiner Emeritierung 1974 als Honorarprofessor für Sonderwerkstoffe an der TU Dresden.

Wie der obige Hinweis auf die freundschaftliche Beziehung zu Hans Grundig vermuten lässt, könnte im intensiven Bekanntwerden mit dessen Arbeiten einer der Ansatzpunkte für Rassmanns Interesse an Kunst liegen, das schließlich eine Sammelleidenschaft für Grafik und Malerei zeitigte. Ebenso ließ er es sich nicht nehmen, in seiner Wirkungsstätte im Umfeld der TU Kunstausstellungen und entsprechende Diskussionen zu realisieren. Diese galten unter anderem Hans Georg Annies, Helmut Gebhard, Curt Querner, Herta Günther, Gerda Lepke, Max Uhlig, Helmut Schmidt-Kirstein, Peter Makolies. Ebenso organisierte er für seine Mitarbeiter manchen gemeinsamen Atelierbesuch und kaufte Arbeiten für das Institut an, die heute wohl ihren Platz im Bestand der Kustodie der TU haben, darunter auch Werke Hermann Glöckners, Willy Wolffs und Klaus Dennhardts. Das Interesse für deren Kunst dürfte nicht unwesentlich durch Rassmanns analytisches und strukturell ausgerichtetes Denken befördert worden sein. Wie mit Künstlern verbanden ihn ebenso Kontakte mit Fritz Löffler, Werner Schmidt und Rudolf Mayer – über Jahrzehnte das Kunstleben der Stadt stark prägende Persönlichkeiten. Die privat gesammelten Werke des Forschers und Hochschullehrers treten nun, nachdem sie die Familie Rassmann erfreut haben, den Weg in den Kunsthandel an, um neue Interessenten zu finden.

Bis 14. Januar verlängert (bis 3. Januar geschlossen),

Di – Fr 12 bis18 Uhr, Sa 11 bis 15 Uhr.

Von Lisa Werner-Art

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