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Regional Die Funk-Band Electro Deluxe aus Paris ist am Donnerstag in der Tonne
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18:57 20.03.2018
Sänger James Copley (Mitte) und seine Bandkollegen von Electro Deluxe Quelle: HLB
Dresden

Ein Hubschrauber kreist über idyllische, bewaldete Berge, zwischen denen ein herrlich blauer Stausee ruhig in der Sonne liegt. Wir gehen etwas runter, sehen ein Motorboot über den See brausen – und hören dazu eine verzerrte E-Gitarre. Schlagzeug und Bass setzen ein, das Motorboot umkreist eine Art modernes Floß, ein Holzpodest mitten auf dem See. Darauf steht (in ihrem Musikvideo „KO | Session Natura’live #4“) Electro Deluxe, die Funk-Band aus Paris, in deren Konzerten man keine Sekunde an Naherholungsgebiete denkt. Im Grunde genommen an überhaupt keine Form der Erholung – denn das französische Septett mit dem Sänger aus den USA zielt vom ersten bis zum letzten Ton voll auf die Zwölf.

Zu erleben ist das nun schon zum zweiten Mal in Dresden, wie im Mai 2016 wieder in der Tonne. Und wer jetzt an Sitzkonzerte im Jazzclub denkt, liegt mehr als falsch: Der Besuch eines Electro-Deluxe-Konzertes ersetzt mindestens einen Fitnessstudio-Besuch – wenn man den Tanz-, Hüpf- und Springanweisungen der Band folgt.

Electro Deluxe wurde im Jahr 2001 gegründet, in Zeiten also, in denen man noch von Nu-Jazz sprach, wenn Bands Elemente aus Jazz und elektronischer Musik miteinander verbanden (was mittlerweile im zeitgenössischen Jazz ja ganz selbstverständlich geschieht). Bei Electro Deluxe integrierten sich jedoch von Anfang auch Einflüsse aus Funk und HipHop in den Sound der Band. Der ist überwiegend von „echten“ Instrumenten geprägt, die auf elektronische Samples treffen.

Neben Sänger James Copley gehören der Saxophonist Thomas Faure, der Trompeter Vincent Payen, der Posaunist Bertrand Luzignard sowie Gaël Cadoux, Jérémie Coke und Arnaud Renaville an Keyboards, Bass und Schlagzeug zu Electro Deluxe. Seit 2005 haben sie fünf Alben veröffentlicht (zuletzt „Circle“ vor zwei Jahren), die zum Teil auch in den französischen Popcharts landeten, was nicht nur stilistisch in Ordnung geht, sondern auch vom großen Erfolg der Band zeugt – wie auch Tourneen in China, Indien, Kanada, Mexiko, Europa und Nordafrika.

Die Musiker selbst verstehen Electro Deluxe als Wolf im Schafspelz, was insofern gut passt, als dass die Herren zwar im feinen Zwirn auf der Bühne stehen, dabei aber gefräßig in dreckigem Funk, groovendem Jazz und hitzigem Soul wildern. Als „gleichermaßen hot und cool, ohne sich für das eine oder das andere entscheiden zu müssen“ bezeichnet Jazz-Experte Wolf Kampmann im Programmheft der letztjährigen Leipziger Jazztage die Band und ihre „flexible urbane Groove-Musik, bei der Fragen der Herkunft oder Generation überhaupt keine Rolle mehr spielen.“

In James Copley, dem 2010 zur Band gestoßenen Sänger aus den USA, sieht er dabei den „virulenten Anstifter zum Groove-Aufstand.“ Sich dem zu entziehen, ist mehr als schwer. Das wissen auch die Veranstalter aus der Tonne, denn: „Da prescht die Funkmaschine los, als säße der Leibhaftige persönlich hinterm Steuer!“

Electro Deluxe, Donnerstag 22. März, 20 Uhr in der Tonne im Kurländer Palais, Tzschirnerplatz 3–5, VVK 25 Euro zzgl. Geb., AK 30 Euro

Von Benjamin Heine

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