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Die Faszination eines rhythmischen Feuerwerks - Stomp zu Gast in Dresden

Die Faszination eines rhythmischen Feuerwerks - Stomp zu Gast in Dresden

Ja, so könnte es gewesen sein, wenn eine Horde Menschen in frühem Entwicklungsstadium sich des Abends in der Höhle verkrochen und am Lagerfeuer bequem gemacht hatte.

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Atemberaubend virtuos, musikalisch und nie langweilig: Stomp zu Gast in der Semperoper.

Quelle: Patrick Johannsen

Einer, ein Mann natürlich, grunzt los, der nächste röhrt, der dritte röchelt, der vierte rotzt, schließlich fällt der Rest der Meute ein. Der Clown der Sippe haut sich auch mal auf die Plauze und stülpt sich was über die Ohren, macht auf Büffel oder Hirsch, was man eben so jagt, wenn man vergleichsweise oben in der Nahrungskette steht.

Gegrunzt wird derzeit auch in der Semperoper. Aber natürlich weit mehr als das. "Stomp" lässt das Haus mit einem Rhythmusfeuerwerk erbeben, nach sieben Jahren ist die Formation wieder auf Gastspiel in Dresden. "Stomp" kennen die englischen Wörterbücher an sich nur als Verb - für stampfen, trampeln, klopfen -, langsam geht es dank dieser Truppe auch als Substantiv oder wenigstens als Eigenname durch.

Wie soll man diese körperbetonte Show erklären? Es geht um Rhythmus, und zwar einen, bei dem man durchaus mit muss, aber Tanz ist das nicht; es geht um die Interaktion von Menschen auf der Bühne ohne Worte, aber Pantomime ist das nicht; es wird Musik gemacht, aber nicht mit Musikinstrumenten, wie man sie aus dem Orchestergraben kennt, sondern mit Kanistern, Waschbecken, Tonnen, Eimern, Plasteröhren. Krawumm, wischwusch, klickediklock. Klänge werden erzeugt, indem mit Füßen gestampft oder mit Besen gefegt wird, mit Mülltonnendeckeln Scheingefechte geführt oder mit Zippos (legendären Benzinfeuerzeugen aus den USA) wieder und wieder Lichtlein aufgesteckt werden. Man lässt die Feuerzeuge klicken - und zwar mitunter in Reihenschaltung wie bei einer Lichtreklame.

Die Faszination, wie quasi aus dem Nichts ein Rhythmus entsteht, wie Magie und Müll eine Symbiose eingehen, überträgt sich auf das hingerissen hörende, sehende und staunende Publikum. Ganz besonders magisch die Momente, wo mit Schaumstoffröhren sphärisch anmutende klingende Töne erzeugt werden. Die Bühne ist voll mit Gerätschaften, die ganze Rückfront mit Kanistern und Tonnen, Rohren und Eimern zugestellt. Es sieht aus wie eine Fabrik, eine Lagerhalle oder eine Werkstatt, alles andere als klinisch steril und sauber gelackt, aber es atmet Leben.

Sechs Männer und zwei Frauen agieren auf der Bühne, die Vermutung, dass sie durch das viele Getrommel einen kräftigen Händedruck haben, liegt nahe. Jeder verkörpert einen eigenen, unverwechselbaren Charakter, bringt seine persönlichen Eigenheiten und Macken in eine jeweils festgelegte Rolle ein, während die Akteure insgesamt miteinander in Beziehung treten. Es geht auch um das uralte zwischenmenschliche Ding. Sarge, der sogenannte "Feldwebel", ist der Anführer der Gruppe. Particle Man der athletische Krieger und "Bin Bitch", die "Tonnenschlampe", hat unter anderem die Aufgabe, hart und kompromisslos mit der Bassdrum mitunter das Tempo vorzugeben.

Und der Schwarze, der ohnehin rasch zum Publikumsliebling avanciert ist, ist Mozzie, der Komiker der Truppe, wobei der Humorfaktor der Show ohnehin schon recht hoch ist. Meist ist der Humor lakonisch wie unterschwellig eingestreut. Selbst eine simple Nummer, Sand in einen Eimer zu schippen, mutiert zu einer virtuosen Slapstick-Einlage.

Stomp noch bis 20. Juli in der Semperoper

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.07.2014

Christian Ruf

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