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Die Fantastischen Vier mit eigenem Kanzlerduell in Dresden

Konzert in der Jungen Garde Die Fantastischen Vier mit eigenem Kanzlerduell in Dresden

Beängstigende Stille herrschte am Sonntagabend im Großen Garten. Eigentlich wollten doch Die Fantastischen Vier ab 19 Uhr die junge Garde auf deren Bühne rocken? Schauen die Kanzlerduell? Nein, um Punkt 20.30 Uhr bebt es los – es geht doch was in Dresden.

Die Fantastischen Vier in Dresden
 

Quelle: imago

Dresden.  Beängstigende Stille herrschte am Sonntagabend im Großen Garten. Eigentlich wollten doch Die Fantastischen Vier ab 19 Uhr die junge Garde auf deren Bühne rocken? Doch man hört nix. Ein kühler Sommerabend mit früher Dämmerung, draußen auf der Picknickwiese nur rund zweihundert Leute. Gern schleicht hier der mengenscheue Menschenbeobachter während der ersten Klänge herum, um jene Reaktionen von Außen Lauschenden zu beobachten, um sie dann mit jenen im bebenden Rund zu vergleichen. Um Viertel nach Acht, als 16 Millionen Deutsche ihrer Kanzlerin auf der Mattscheibe huldigen, schleicht sich ein Verdacht ein: Die vielleicht auch?

Die Fantastischen Vier in der Jungen Garde - hier gibts die Fotos vom Konzert!

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Doch: nein! Genau um 20.30 Uhr bebt es los – es geht doch was in Dresden: Sieben Musiker und drei Raptänzer erobern die Bühne und spulen ein Konzert in technischer Perfektion in Sound und Optik ab, was so selten zu erleben ist. Aktivbildschirme begrenzen die Bühne hochkant an den Seiten und quer im Hintergrund, auf der die Gesichter der Künstler so groß und klar zu sehen sind, dass jede Falte und Schweißperle zu sehen ist.

Die Erfinder des deutschen Hip-Hop als echtem einheimischen Sprechgesang, bieten ein Potpourri ihrer Hits, sammeln Pluspunkte mit einigen neuen Songs wie ihren durchaus subtilen Kommentar zur „Endzeitstimmung“, Thomas D. zeigt seinen gestählten Oberkörper zu einem merkwürdigen spannungslosem Solosong, während Michi Beck gesteht, dass das eigentlich seit zweieinhalb Jahren überfällige Album schon zu drei Viertel fertig sei. Außerdem weiß er genau, wo sie sich just – beim letzten Konzert ihren Frischlufttournee – befinden: Ungefähr 50 Mal erwähnt er Dresden, so als ob die ganze Stadt ihm zuhörte.

Nun bietet die Junge Garde die sonst recht seltene Gelegenheit, von der Seite zu lugen. Es schwindet der Frontaleindruck, man sieht Feinheiten der Abstimmung auf der Bühne – und das Publikum von vorn. Und überlegt nach dem Grund der nahezu ekstatischen Gleichschaltung der Massen, obwohl weder Musik noch Text, höchstens der Rhythmus, dazu Anlass gäben und die man so nur aus Künstlerperspektive erspähen kann.

Sofort ändert sich die Anschauung aufs Geschehen: Man erkennt die durchaus auch autopoietische Ironie, mit der die durchaus echt schlauen Wortkünstler ihr Publikum vergeblich herausfordern, ihre Hysterie zu bremsen. Auch die Erzählungen – von ersten Dresden-Besuchen kurz nach Gründung und Wende in der Neuen Mensa vor zwanzig Zuschauern – sind eher hingeworfen als erzählt, echte Authentizität lässt der Bombast der Show sowieso nicht zu.

Nach knapp zwei Stunden hat Dresdens größter Garten – und damit auch dessen botanischer wie zoologischer Teil – seine innere Ruhe wieder. Draußen lauert neben Fressbuden mit identischen Preisen wie drinnen ein fairer Becherovka-Stand. Und eigentlich hätte man jetzt hier Horden von TV-Interviewern erwartet, die wissen wollen, warum man dieses Konzert dem Wahlduell vorzieht. Aber die fragen lieber anderswo.

Von Andreas Herrmann

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