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Die Dresdner galerie drei erinnert an Gitta Kettner

Ausstellung Die Dresdner galerie drei erinnert an Gitta Kettner

Es ist erst fünf Jahre her, dass die begnadete Zeichnerin Gitta Kettner (geb. 1928 in Bertsdorf nahe Zittau) starb. Die galerie drei, die Galerie der Dresdner Sezession 89, widmet der Künstlerin eine umfangreiche Ausstellung.

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Gitta Kettner, 1959

Quelle: Herbert Boswank

Dresden. Angesichts des ungeheuer ereignisreichen Zeitgeschehens, einer scheinbar nie dagewesenen Beschleunigung läuft Erinnerungswertes Gefahr, im Dunkel des Vergessens zu versinken. Und so mag man es kaum glauben: Es ist erst fünf Jahre her, dass die begnadete Zeichnerin Gitta Kettner (geb. 1928 in Bertsdorf nahe Zittau) starb. Umso verdienstvoller ist es, dass die galerie drei, die Galerie der Dresdner Sezession 89, der am 10.April 2011 verstorbenen Künstlerin mit einer umfangreichen Ausstellung gedenkt. Zu danken ist nicht zuletzt Marlies Giebe, die dafür aus dem Nachlass eine kluge Präsentation zusammenstellte, die den Bogen von der Studienzeit bis in die späten Jahre schlägt. Die Schau öffnet sowohl den Blick für das Fortleben von künstlerischen Haltungen wie auch für die Netzwerke respektive Freundeskreise, in denen sich hierzulande die selbstständigen Positionen der Nachfolgenden ausprägten.

Am Anfang weisen zwei farbige Bewegungsstudien, die noch an der Weimarer Hochschule entstanden – die Künstlerin hatte dort 1949 mit dem Studium begonnen – auf die Bauhaustradition. Nach der Schließung der Abteilung Freie Kunst 1951, die u.a. auch Gerhard Kettner, ihren späteren Mann und ebenfalls begnadeten Zeichner, traf, fand man sich an der Hochschule für Bildende Künste Dresden wieder. Hier wurden Hans Theo Richter (1902-1969) und seit 1951 Max Schwimmer (1895-1860) für viele der Jungen wegweisend. Könnte man in einigen von Gitta Kettners frühen Porträts durchaus den Einfluss Richters vermuten, auf Dauer wurde für sie Max Schwimmer prägend. Zudem weisen mit zarter Hand, teils in Graphit, teils in Tusche ausgeführte Porträts aus den frühen Jahren auf wichtige Freunde, Bildhauer, wie Werner Stötzer oder Werner Schade. Mancher Zeichnung aus den 1950er Jahren scheint ein nahezu bildhauerisches Herangehen eigen. Stötzer „revanchierte“ sich früh mit „Gitta“ (1962), wie ein Originalgips zeigt.

Besonders wichtig wurde für die Künstlerin, die nach dem Studienabschluss 1953 an die Berliner Akademie der Künste zunächst zum „französisch“ geprägten Max Lingner wechselte, die Aspirantur bei Max Schwimmer. Schwimmer hatte durch Begegnungen mit Hans Purrmann und Pierre Bonnard ebenfalls etwas Mediterranes, ja Französisches, in sich aufgenommen – ein Esprit, der auch auf die junge Gitta Kettner überging. Ebenso setzten sich die Beziehungen zu Bildhauern fort: Ganz wichtig für sie wurde Gustav Seitz.

Sicherheit in der Darstellung des Körpers – selbst, wenn er sich im Blattgeviert „verliert“ – und ein Strich, der vordergründig etwas von der „Leichtigkeit des Seins“ in sich zu tragen scheint, haben sich bei Gitta Kettner ideal verbunden. Dies zeigt nicht zuletzt das Ausstellungskapitel, das sich ihrer Tätigkeit als Illustratorin widmet. Um die 70 Bücher – ach, was waren das für Zeiten, als von Künstlern illustrierte Bücher eine preiswerte Selbstverständlichkeit waren – hat sie zwischen Ende der 1950er Jahre und 1989 bereichert. Es waren Gedichtbände, Anthologien internationaler Literatur oder Romane und Erzählungen heimischer Autoren, die unter anderem vom Mitteldeutschen Verlag Halle, dem Berliner Verlag Neues Leben, dem Kinderbuchverlag Berlin, dem Verlag für die Frau Leipzig oder auch dem Union Verlag Berlin und der Evangelischen Verlagsanstalt herausgegeben wurden. Eine größere Auswahl der Bücher kann man vor Ort in Vitrinen noch einmal bewundern. Begleitet wird diese von Originalen der Illustrationen. Sie machen sichtbar, welche Kunst es ist, den Geist eines literarischen Werkes in einem meist recht kleinen, vorgegebenen Illustrationsgeviert „einzufangen“. Gitta Kettner hat das meisterhaft beherrscht. Überwiegend kommen diese Federzeichnungen mit Schwarz-Weiß aus, nur selten setzt die Künstlerin zusätzlich lavierende Aquarellfarbe ein.

Von der „Leichtigkeit des Strichs“ war schon die Rede. Was verschiedentlich auffällt, sind Konzentrationspunkte, in denen sich verschlungene Linien ballen, die den Blick besonders anziehen, ja lenken. Interessant sind in diesem Zusammenhang eine Reihe größerer Radierungen, u.a.zu Gedichten von Louis Fürnberg (1979), die teils besonders interessante Lösungen zeigen. Angedeutete Häuserfassaden stehen für Stadt, in die viele, sich teils überlagernde Gesichter integriert sind.

Schön ausgesucht zeigt sich eingangs ebenso eine Gruppe mehrheitlich farbiger Lithografien, die von fern an Pastelle erinnern und in den späteren 1970er/ frühen 1980er Jahren entstanden (Gitta Kettner hatte sich 1975-77 in der Lithografiewerkstatt bei Elly Schreiter ausprobiert). Hingewiesen werden soll besonders auf Blätter wie „Karneval“, „Fasching“ oder „Im Theater“, wo teils Hüte eine besondere Rolle spielen. Gitta Kettner hat solches nicht nur in grafischen Blättern festgehalten, sondern betätigte sich hin und wieder als Kostüm- und Hutmacherin für den berühmten Hochschulfasching. Schließlich hatte sie als junge Frau mal im Schneiderhandwerk begonnen. Später hat sie sich an der Berliner Staatsoper für einige Zeit der Seidenmalerei widmen können. Die Liebe zum „Kostüm“ dürfte nicht zuletzt mit dafür verantwortlich sein, dass ihre Illustrationen immer den Geist der Zeit treffen, in der das Buch angesiedelt ist.

Bis 19. März, galerie drei der Dresdner Sezssion 89 e.V., Prießnitzstraße 43. Mi–Fr 15 bis 18, Sa 12 bis 14 Uhr sowie n.V., Tel. 0351/8026710

www.sezession89.de

Von Lisa Werner-Art

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