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Die Dresdner Restauratorin Anke Scharrahs ist als Expertin für historische Wohnkultur in Damaskus weltweit gefragt

Die Dresdner Restauratorin Anke Scharrahs ist als Expertin für historische Wohnkultur in Damaskus weltweit gefragt

Gerade ist sie von einer ausgedehnten Forschungsreise zurückgekehrt, die sie nach Honolulu auf Hawaii geführt hatte. Bereits mehrfach war die Dresdner Restauratorin Anke Scharrahs auf dem Anwesen von Doris Duke zu Gast, die fast 60 Jahre lang islamische Kunst sammelte und damit ihren Wohnsitz in Honolulu ausstattete.

Für jeden Liebhaber orientalischer Kunst ist das der Traum von einem Gesamtkunstwerk. Und dieses wird seit 1998 als Museum genutzt, präsentiert als Dukes Wohnhaus mit einzigartigen Kunstschätzen. Geöffnet für Gäste und Fachleute aus aller Welt.

"Scholar in Residence" in Shangri La

Anke Scharrahs war jetzt als "Scholar in Residence" in Shangri La, konnte dort sowohl arbeiten und forschen als auch in einem Gästezimmer im Playhouse wohnen. Näher dran kann man ja gar nicht sein an den Objekten der Neugier, und eine solche Möglichkeit bietet letztlich für alle Seiten Nutzen. Doris Duke hatte das erste ihrer beiden Damaszener Zimmer bereits 1955 gekauft, um eines ihrer Gästezimmer auszustatten. Bei ihrem nun schon vierten Aufenthalt in Honolulu befasste sich Anke Scharrahs mit dem zweiten syrischen Interieur, dem 1979 bis 1982 entstandenen "Syrian Room", in dem Teile aus vier historischen Damaszener Zimmern verbaut wurden. Sie erkundete die Zuordnung und historische Einordnung der Einzelteile, fand zum Beispiel mit Hilfe des Gedichtes in den Inschriften das Aussehen des historischen Raumes in Damaskus heraus. Andere Teile konnte sie aufgrund ihrer bisherigen Forschungen datieren im Vergleich zu bereits zugeordneten Vertäfelungen in Damaskus, die aus der gleichen Werkstatt stammen.

Zahlreiche Bauteile im "Syrian Room" verweisen auf ein Damaszener Haus, dessen Einzelteile 1934 an einen New Yorker Kunsthändler verkauft wurden: Hagop Kevorkian. Und das Kuriose daran ist, dass sowohl Duke 1954 als auch der New Yorker Käufer bereits 1934 diese Teile bei der Händlerfamilie Asfar erworben haben, die vor 115 Jahren auch schon jenes Damaskus-Zimmer verkaufte, das heute im Japanischen Palais in Dresden zu erleben ist. Wobei die Fortschritte bei den notwendigen Restaurierungsmaßnahmen immer wieder davon abhängig sind, ob sich irgendwo noch Geld auftreiben lässt. Anke Scharrahs arbeitet an der Damaszener Kostbarkeit seit nunmehr 17 Jahren, hat das Zimmer erforscht und publiziert. Was ja überhaupt erst die Voraussetzung dafür ist, dass eine solche Rarität auch international bekannt und wahrgenommen wird sowie zu Vergleichen herangezogen werden kann. Eine verkürzte und zugleich ergänzte Version ihrer Dissertation erschien 2013 in London unter dem Titel "Damascene Ajami Interiors: Forgotten Jewels of Interior Design".

Längst erforscht (wobei es immer noch Geheimnisvolles gibt) ist auch die Geschichte, wie das Damaskus-Zimmer nach Dresden gelangte. Karl Ernst Osthaus (1874-1921), der 1902 in Hagen das private Folkwang-Museum eröffnete und sich als Sammler und Mäzen, als Vermittler der Moderne in Deutschland und bekanntlich ebenso als Museumsreformer große Verdienste erwarb, besuchte 1898 auf einer Orient-Reise auch Syrien. Die vielen Eindrücke hätten ihn zum Sammler gemacht, schrieb er später in seinen biografischen Skizzen, und der Orient habe sein Urteil über Architektur geschärft. Als er nach Hagen zurückkehrte, stellte er auch sein eigenes, im Bau befindliches Museum in Frage. Und der am 1. Mai 1900 als neuer Museumsarchitekt eingestellte Henry van de Velde konnte zwar nicht mehr den Rohbau verändern, nahm aber Einfluss auf die Innenausstattung.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt setzt ein, was letztlich auch für Dresden interessant werden sollte. Osthaus hatte für seinen Museumsbau den Erwerb eines komplett erhaltenen, traditionellen Zimmers aus dem Hause eines wohlhabenden Kaufmanns in Damaskus ins Auge gefasst - die entsprechende Rechnung wurde am 22. März 1899 ausgestellt. Als aber das in 110 Einzelteilen transportierte "Damaszener Empfangszimmer" Hagen erreichte, verschwanden die offenbar gar nicht erst ausgepackten, großen Pakete ob der inzwischen veränderten Museumsidee hin zur Moderne gleich auf dem Dachboden der Villa von Osthaus.

Dort lagerten sie auch noch, als dieser 1921 starb. Doch aus der Erbengemeinschaft sorgte der in Burgstädt bei Chemnitz geborene junge Kunsthistoriker Dr. Hellmuth Allwill Fritzsche dafür, dass die Rarität 1930 ins Völkerkundemuseum nach Dresden kam. Wo sie immer noch im Original verpackt erneut zum Dornröschenschlaf "verdammt" war. Und glücklicherweise das Inferno von Dresden überlebte, da sie nach Königstein ausgelagert wurde. Dass dieser Schlaf letztlich bald 100 Jahre währen sollte, klingt fast wie im Märchen. Denn erst 1997 suchte die Ethnologin und neue Musemsdirektorin Annegret Nippa gezielt im Depot nach dem Damaskuszimmer, auf das sie in der Fachliteratur einen Verweis gefunden hatte.

An diesem Sonntag wird Anke Scharrahs im Japanischen Palais einen Vortrag über die historischen Wohnhäuser von Damaskus halten. Und ganz gewiss können die Besucher sie danach auch noch über ihre internationalen Erfahrungen auf diesem Gebiet befragen. Auf der Rückreise war sie noch nach Los Angeles geflogen, um ein weiteres historisches Original zu begutachten, das offenbar noch einige Überraschungen birgt. Und sicher wird es ebenso möglich sein, Anke Scharrahs unmittelbar vor dem repräsentativen Exponat über Herkunft, Erhaltungszustand und Besonderheiten des Dresdner Damaskus-Zimmers zu befragen.

Vortrag von Dr. Anke Scharrahs über die historischen Wohnhäuser von Damaskus, 9. März, 15 Uhr, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Museum für Völkerkunde, Japanisches Palais

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.03.2014

Gabriele Gorgas

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