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Die Dresdner Philharmonie mit ihrer letzten kompletten Wandersaison

Die Dresdner Philharmonie mit ihrer letzten kompletten Wandersaison

Angesichts der gestern bekannt gewordenen Finanzprobleme beim Umbau des Kraftwerks Mitte zu einer modernen Kulturstätte für Dresden (DNN berichteten) erklärte Kulturbürgermeister Ralf Lunau (parteilos) auf der Jahrespressekonferenz der Dresdner Philharmonie demonstrativ, dass sich die Stadt beim zweiten Prestigeprojekt Kulturpalast im vorgesehenen Zeitplan sehe und vor allem die finanziellen Rahmenbedingungen dafür geordnet seien.

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Michael Sanderling

Quelle: Marco Borggreve

Womit man dem Ziel, im Frühjahr 2017 einen spielfähigen Saal in Betrieb zu nehmen, immer näher rückt und das städtische Orchester nach zehrenden Interimszeiten, manch einer spricht leicht ironisch auch mal von einem Wanderzirkus, dann wieder eine feste Heimstatt und eine äußerst attraktive dazu haben wird.

Bis dahin gilt es noch eine komplette "Reisesaison" zu absolvieren: 2015/16 wird die 145. Spielzeit in der Geschichte des Traditionsorchesters, die fünfte unter Chef Michael Sanderling und die erste, die in Gänze von der neuen Intendantin Frauke Roth geplant und verantwortet wird. Dafür kündigt Roth, die als erste Frau überhaupt bei der Philharmonie dieses Amt bekleidet, mehr als 160 Konzerte mit Werken von 89 Komponisten an.

Freuen können sich die Dresdner auf die Begegnungen mit der Cellistin Sol Gabetta. Auf ihre erfrischend lebendige Weise des Musizierens, auf ihre hohe Kunst des Cellospiels und auch darauf, dass sie als "Artist in Residence" sich neben Bekanntem wie Elgars Cellokonzert e-Moll auch seltener Gebotenem widmet. Gemeinsam mit Chefdirigent Sanderling, der sich auch als Cellist der argentinisch-französischen Künstlerin besonders verbunden sieht, wird sie die Saison eröffnen, danach in weiteren Konzerten zu hören sein und mit dem Orchester auf Tournee gehen.

Will sich der Dresdner Klangkörper Internationalität in besonderem Maße auf die Fahnen schreiben, so gehört auch der "Composer in Residence" der nächsten Spielzeit dazu: Es ist der 1968 geborene Spanier José María Sánchez-Verdú, seine Musik - darunter zwei Auftragswerke - wird in verschiedenen Raumsituationen erklingen und damit das über der Philharmonie-Spielzeit 2015/16 stehende Motto "Klangräume" illustrieren. Erfreulicherweise fühlt sich das Orchester - die künstlerische Planung liegt in den Händen von Adelheid Schloemann - intensiver wieder zeitgenössischem Werk verpflichtet und kündigt weitere Uraufführungen an: Konzertmeister Wolfgang Hentrich wird ein bei dem Dresdner Torsten Rasch in Auftrag gegebenes Violinkonzert aus der Taufe heben, Solofagottist Philipp Zeller ein Fagottkonzert des Schweizer, in New York lebenden Komponisten Daniel Schnyder uraufführen. Besonders französisches Repertoire und Klang vermittelt der Erste Gastdirigent der Philharmonie, Bertrand de Billy; eines seiner drei Programme ist Arthur Honeggers dramatisches Oratorium "Jeanne d'Arc au bûcher", es wird szenisch im Lichthof des Albertinums zu erleben sein.

Auf Michael Sanderlings Plan stehen insgesamt zehn verschiedene Programme mit seinem Orchester, darunter das musikalische Gedenken zum 13. Februar, Händels "Messias" und die deutsche Erstaufführung der "Mesopotamia Symphony" des 1970 in Ankara geborenen Komponisten und Pianisten Fazil Say. Zwei Schwerpunkte für Sanderling aber sind Beethoven und Schostakowitsch, und die frische Annäherung an deren immenses sinfonisches Schaffen wird den Chefdirigenten über seine gesamte Dresdner Amtszeit bis mindestens 2019 beschäftigen. 24 Sinfonien gilt es zu musizieren, und mit dem Partner Sony Classical wird eine Gesamtaufnahme in Angriff genommen, deren Abschluss für 2020 avisiert ist, dem Jahr des 150. Jubiläums der Dresdner Philharmonie und des 250. Geburtstags Ludwig van Beethovens. Der erste Silberling, der die bereits produzierte 6. von Schostakowitsch mit der noch einzuspielenden 6. von Beethoven vereint, soll rechtzeitig vor Weihnachten 2015 in die Läden kommen. Mit den CD-Produktionen will Sanderling seine Arbeit mit der Philharmonie in besonderer Intensität dokumentieren und die spezifischen Qualitäten des Orchesters auch international wieder deutlicher wahrnehmbar machen.

Wie in den vergangenen Spielzeiten gastiert die Philharmonie auch 2015/16 in "ihren Ausweichstätten" Albertinum, Schauspielhaus, Hygienemuseum, Schloss Albrechtsberg, Frauen- und Kreuzkirche sowie - nun als Reihe - in der Kapelle des Dresdner Schlosses. Zu den Gastdirigenten gehören u.a. Markus Poschner, Alain Altinoglu, Dmitri Kitajenko, Trevor Pinnock und Gennady Roshdestvensky, Peter Schreier und Simone Young; Solisten sind u.a. die Trompeterin Alison Balsom, der Oboist Albrecht Mayer, die Pianisten Igor Levit, Camillo Radicke und Louis Lortie sowie der Cellist Jan Vogler, der in einem Programm den russischen Komponisten Dmitri Kabalewski dem Vergessen entreißt. Fortgesetzt werden die Kammermusik im Schloss Albrechtsberg und die Dresdner Abende im Hygienemuseum, es gibt ein Weihnachtskonzert und "Musikalischen Champagner" zum Jahreswechsel, angekündigt dafür ist die Schauspielerin und Sängerin Dagmar Manzel.

Zu alten Tugenden des Orchesters wird zurückgekehrt mit Konzerteinführungen vor den Auftritten im Albertinum, stark erweitern will man die Angebote für junges Publikum und Familien. Dazu zählen die vom Maskottchen Otto begleiteten Konzerte, die ab sofort im Hygienemuseum stattfinden und von Sarah Willis, Hornistin der Berliner Philharmoniker, gestaltet werden. Dazu zählen auch Familienkonzerte in der Reihe "phil.zu entdecken" an drei Samstagen im Schauspielhaus, die von Malte Arkona, Moderator des "Tigerentenclubs" (ARD), moderiert werden. Eingeladen wird zu einem Tag der offenen Tür "Die phil.Harmonische Familie" ins Hygienemuseum und zum Musikalischen Picknick rund ums Schloss Albrechtsberg.

In ihren Abonnements- und Kartenangeboten will die Philharmonie Gewohnheiten ihrer treuen Stammhörer mit neuem Publikum in Übereinstimmung bringen: Neben den eingeführten Anrechten und Spezialarrangements sind u.a. ein Abo für Neugierige "phil.Neues" und das Abo "phil.Familie" zu buchen, eine "PhilCard" bietet ab dem dritten gebuchten Konzert Ermäßigungen.

Ins Finale geht die Spendensammlung für die künftige Konzertorgel im Saal: Bereits morgen, 19.30 Uhr, findet in der Kreuzkirche das nächste Benefizkonzert unter Leitung von Michael Sanderling statt. Am 20. September folgt an gleicher Stelle eine Aufführung des Mozart-Requiems unter Leitung von Peter Schreier (DNN berichteten).

Der Vorverkauf für die nächste Spielzeit beginnt am 11. Mai. www. dresdnerphilharmonie.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.05.2015

Kerstin Leiße

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