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Regional Die Dresdner Band lotta sleeps vereint mittels Postfolk unterschiedliche Musiker
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17:32 11.08.2017
Anton und Ole Sterz, Felix Berlin, Julius Meyer und Philipp Knötig (v. l.) sind lotta sleeps. Quelle: Foto: Amac Garbe
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Dresden

Julius Meyer und Ole Sterz kennen sich schon ihr ganzes Leben lang. Die Cousins sind im thüringischen Suhl aufgewachsen. Die musikalischen Anfänge? Bei Julius war es die Klarinette, bei Ole die Geige. Das war zu Beginn der Grundschulzeit. Ende der 2000er hatten sie mit ihren Brüdern Maximilian und Anton eine Hardcore-Band. „In der Zeit haben wir auch Gitarre und E-Gitarre gelernt. Zusammen zu spielen hat stärker motiviert, als alleine zu Hause ‚Wonderwall‘ von Oasis zu covern“, erzählt Julius.

2010 ging der heute 27-jährige Julius Meyer dann zum Studium nach Dresden – Mathematik und Geschichte auf Lehramt für Gymnasien. Da ruhte die Musik etwas. Als Ole Sterz 2012 für sein Freiwilliges Ökologisches Jahr nach Leipzig ging, tingelten die beiden hin und her und gründeten das Duo lotta sleeps – mit Julius als Sänger und an der Akustikgitarre sowie Ole an der Geige, Mandoline oder auch E-Gitarre. Mittlerweile studiert der 24-jährige Ole an der TU Dresden ebenfalls Lehramt für Gymnasien – in der Endphase. Seine Fächer: Geschichte und Geografie. Julius ist längst fertig und macht sein Referendariat am Kreuzgymnasium. Und aus dem Duo ist eine Band geworden.

Am Schlagzeug: Felix Berlin, 26, im „wahren“ Leben Wirtschaftsingenieur. Anfang August hat er eine Stelle in Hannover angetreten. Die Band muss noch ausprobieren, wie sich das vereinbaren lässt. Bassist Philipp Knötig feiert bald seinen 28. Geburtstag, lebt seit Jahren in Leipzig und arbeitet als Chemieingenieur in Bitterfeld. Auch Oles Zwillingsbruder Anton, der für die Trompete verantwortlich zeichnet, ist in Leipzig stationiert. Spätestens alle zwei Wochen wollen sie aber für Proben in Dresden zusammenkommen. Es ist nur nicht mehr ganz so einfach wie zu Studienzeiten.

Es geht den Fünfen auch nicht um den großen Durchbruch, sie wollen nicht auf Teufel komm raus erfolgreich werden. „Das sehen wir ganz realistisch“, sagt Julius. Die Konkurrenz wäre heutzutage sehr groß. Musik kann man mithilfe von zig Medien konsumieren. Auf Konzerte ist deswegen keiner mehr angewiesen, um Neues kennenzulernen. Aber gerade die Live-Auftritte bedeuten ihnen viel. „Wir wollen auf der Bühne stehen, das beste Klangerlebnis für uns und die Konzertbesucher rausholen, Menschen bewegen“, erzählt Frontsänger Julius. Die Tour durch Deutschland, Tschechien und Österreich nach dem Album-Release von „Are you one of them?“ im Frühjahr 2016 war deswegen auch ein echter Höhepunkt für sie. „Wenn man die Leute mag, mit denen man da tourt, dann ist das auch wie Urlaub“, fügt Ole hinzu. „Es geht uns einfach darum, Musik zu machen“, fasst es Julius kurz und prägnant zusammen.

Diese Musik hat sich im Laufe der vergangenen Jahre verändert. Hatten Julius und Ole noch mit Singer-Songwriter-Musik begonnen, entwickelte sich diese dann zu einem Mix aus Indie-Folk und sphärischem Postrock. „Ergo: Postfolk“, erklärt Ole und lacht. Und da sich jedes Bandmitglied mit seinem Geschmack, seinen Ideen und Instrumenten einbringt, kann sich auch jeder damit identifizieren. Julius greift jetzt beispielsweise auch mal wieder zur Klarinette, Ole vermehrt zur E-Gitarre. Mehrstimmiger Gesang steht auf der Agenda, um noch vielseitiger zu werden – was nicht so einfach ist, wenn man keine Gesangsausbildung hat. Die Songtexte dagegen kommen allein aus Julius‘ Feder – auf Englisch, denn damit sei er irgendwie stärker sozialisiert.

Aber woher kommt eigentlich der Name lotta sleeps? „Das klingt einfach schön“, sagt Ole und schmunzelt – wohlwissend, dass die Frage auf Schwerwiegenderes zielt. Denn: Der schön klingende Name hat einen ernsten Hintergrund. Kurz bevor Julius seinen Schulabschluss machte, wurde seine damals zwölfjährige Schwester Charlotte angefahren und lag zwei Monate im Koma. „Das war haarscharf. Das wünsche ich wirklich niemandem“, erzählt er. Heute werden die Bandshirts manchmal besonders wegen des Namens gekauft – weil die Freundin Lotta heißt oder aber ein Familienmitglied. Der Hintergrund ist den meisten wohl unbekannt. Nun denn: Für Familie Meyer gab es eine glückliche Wendung – und das Geschehene wurde in einen eigenen Song gebannt. Wie der wohl heißt? „lotta sleeps“.

Die Band lotta sleeps tritt am heutigen Sonnabend beim Taraxacum Festival südlich von Chemnitz auf.

www.lotta-sleeps.de

Von Nadine Faust

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