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Die Dresdner Band Yellow Umbrella startet Tour zur neuen Scheibe

„Hooligans of Love“ Die Dresdner Band Yellow Umbrella startet Tour zur neuen Scheibe

Diese „Hooligans of Love“ sind keine knallharten Kampfbrüder, sondern Kulturbotschafter mit weitschweifenden Musikwurzeln: Die Dresdner Band Yellow Umbrella glaubt an die Kraft der Liebe und geht mit ihrer neuen Scheibe auf Tour.

Yellow Umbrella waren mit den Songs der neuen Scheibe im Alten Schlachthof zu hören.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Ihre herbstlichen Heimatkonzerte haben mittlerweile neben Kult- auch eine Art Klassentreffencharakter: Rund fünfhundert, meist junge Menschen, aber auch etliche Unbegleitete Mittelalte Männer (UMM) im angegrauten Bereich trotz ungezügelter Tanzlust folgten dem Aufruf zur Releaseparty in den Alten Schlachthof. Elf Tage frisch war da das neue Werk, zu dessen Bekanntmachung die Dresdner Reggae- und Ska-Heroen von Yellow Umbrella die Tour zum Album zuvor ausgerechnet in Rostock und Schwerin, also Hansa-Gebiet, starteten.

Doch auch dort – ebenso wie in St. Pauli und Krefeld als folgenden Stationen, verstand man die Ironie des Platten- wie Tourtitels: Denn diese „Hooligans of Love“ sind keine knallharten Kampfbrüder, sondern Kulturbotschafter mit weitschweifenden Musikwurzeln, die durchaus in neuen Facetten in den 13 komplett gespielten Titeln durchschimmern und nicht nur Partycharakter haben, sondern gitarrenlastiger geraten sind. Und damit – sympathisch entschlackt – ab und an aus dem funkigen Sound ausbrechen, der die rareren Einsätze der exzellenten dreiköpfigen Bläsergruppe mit Benard Lanis an Tenorsaxophon wie Klarinette, Germi Riess an Trompete und Thomas Hellmich an der großen Posaune aufwertet. Dafür haben Harald P. Bohner an der Gitarre und auch Jürgen Kalkschies am Bass mehr Arbeit – ersterer garniert das mit auffallenden Showeinlagen bis hin zum Halbspagat.

So sind „False Prophets“ oder „The Answer“, von Bandkopf Jens Strohschneider in gewohnter wie behüteter Coolness vorgetragen, nicht nur Zeugen neuer Klänge, sondern auch Antworten auf die Frage der Befindlichkeit, denn seit dem vorherigem Album „A Thousand Faces“ von 2010 ist doch einiges Wasser in Sachsens Adern versumpft.

Dennoch fällt der Spaß nicht aus – so bietet Schlagzeuger Gero Dumrath ein technoides Solo mit Zigarette am Beistelltisch, das fast echt wirkt. Der mit Spannung erwartete Titelsong kam erst weit hinten und wurde zur Mitsinghymne: „We are Hoolihooligans of Love“ stimmte der Leipziger Bandleader an, die Gemeinde trällerte begeistert mit, so dass Dresden nun sowohl die bundesdeutschen Marktführer der echten beim Fußball als auch die der liebenden im Tanzsaal beherbergt.

Dass der endgültige Schluss naht, bemerkt man, als Trompeter Riess nach hundert Minuten eine Sektflasche köpft, aus der fünf Minuten später alle schlürfen. Dafür hat sich das Septett, welches angeblich nach der Tour etwas kürzer treten will, etwas Besonderes ausgedacht: Ein Medley, beruhend auf „Your Love is my Love“, bei dem man sah, dass man in diese Musikart beliebig viel einbetten kann. So wurden kurzerhand Alphaville, Sting und Bob Marley zu „Hooligans of Love“ – ausklingend in hellem A-cappella-Saalgesang.

Das gelang fast so gut wie einst bei Gerhard Schöne, dem es allerdings schon vor der Wende per Kanon rein um den lateinischen Frieden ging. Hier nach dem Heimspiel und Prag am Bettag geht es behufs Bekehrung noch stringent bis Sonnabend in weitere ostdeutsche Metropolen der Bewegung, denn Berlin, Leipzig und Magdeburg warten auf die Dresdner.

Von Andreas Herrmann

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