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Regional Die Dresdner Band „Sudfa“ interpretiert spanischen Flamenco neu
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09:28 17.10.2017
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Dresden

 Im Volksmund heißt es, manche Dinge sollte man besser dem Zufall überlassen. Mohamed Sabra hätte es wohl nicht besser ausdrücken können. Als der gebürtige Ägypter im Sommer 2016 in einem Dönerladen auf den syrischen Gitarristen Mohamed Alsuleiman trifft, weiß er noch nicht, dass diese Begegnung einen Teil seines Lebens auf den Kopf stellen wird.

Der wissenschaftliche Mitarbeiter der Technischen Universität Dresden kommt eigentlich zum Studium nach Deutschland. Sein Fachbereich Elektrotechnik interessiert ihn zu dem Zeitpunkt aber noch weitaus mehr als eine musikalische Tätigkeit, obwohl er auf Partys gerne sein Cajon (spanisch für „Holzkiste“) auspackt und seine Trommelkünste zum Besten gibt. An das Aufeinandertreffen denkt Mohamed heute mit gemischten Gefühlen zurück: „Es war ein seltsamer Moment. Wir kannten uns ja überhaupt nicht. Er fragte mich damals einfach, ob ich Lust habe, zusammen mit ihm Musik zu machen.“

MD, wie Alsuleiman von seinen Freunden genannt wird, hat bereits langjährige Erfahrung im spanischen Flamenco und konnte in Syrien bereits kleinere Auftritte organisieren. Durch seine Flucht nach Deutschland verliert er die Musik aber zunächst aus den Augen. Erst als er an der Evangelischen Hochschule Dresden dem Orchester beitritt, findet er zurück zu seiner Leidenschaft.

Mohamed und MD harmonieren von Beginn an. Nach nur vier – teilweise sehr harten – Probetagen haben die beiden ihren ersten Auftritt auf dem Dresdner Theaterplatz. Obwohl Mohamed keine Erfahrung im Flamenco hat, schafft es das Duo, weitere Auftritte zu ergattern. „Wir waren ein gutes Team und ich konnte mich schnell in die Kunst des Flamenco einfühlen“, erzählt Mohamed. „Allerdings reichten uns die kleinen Auftritte nicht mehr, wir wollten auch größere Konzerte spielen.“ Gesagt, getan. Auf der Suche nach Verstärkung trifft das Duo auf Linda Naumann. Die Erzgebirglerin fällt Mohamed während der Proben des Orchesters auf. „Wir haben Linda ohne groß nachzudenken gefragt, ob sie Lust hat, bei uns einzusteigen. Und sie war gleich begeistert von der Idee“, so Mohamed weiter.

Kurze Zeit später werden die Drei auf einem Event von Alaa Issa angesprochen. Der Syrer hat in seiner Heimat Geige gespielt und will ebenfalls in die Band einsteigen, sobald er sich eine neue Geige zusammengespart hat. Auch Juan Borrero ist vor einigen Jahren aus Spanien nach Deutschland gekommen und verstärkt die Gruppe mit seinem Saxophon. Und der Nachwuchs steht ebenfalls in den Startlöchern. Der 14-jährige Alaa lernt gerade Gitarre und begleitet die Band bei dem einen oder anderen Auftritt, wenn er neben der Schule Zeit dafür findet. „Wir sind tatsächliche eine bunt zusammengewürfelte Gruppe und alle mehr oder weniger zufällig zusammengekommen“, erklärt Mohamed lachend. „Daher kommt auch der Name ‚Sudfa‘, was arabisch soviel wie ‚Zufall‘ bedeutet.“

Die Musik von Sudfa orientiert sich am traditionellen Flamenco, aber interpretiert die spanische Tanzmusik völlig neu. So gehören sowohl aktuelle Charthits wie „Despacito“ als auch selbst komponierte Stücke zum Repertoire der Band. Dennoch sehen sich die Fünf noch lange nicht als Profis. „Wir sind alle noch nebenbei beschäftigt – mit der Arbeit, dem Studium oder der Ausbildung. Wir machen das also eher semiprofessionell“, erzählt Mohamed. „Es ist aber schön, die Möglichkeit zu haben, gemeinsam etwas Neues entstehen zu lassen.“

Ob sich die Band trotzdem Gedanken um ihre Zukunft macht? „Wir sehen das ganz locker und lassen alles auf uns zukommen. Erstmal wollen wir nur gute Musik machen.“ Trotzdem träumen die Hobbymusiker davon, irgendwann ein großes Konzert spielen zu können. Dafür gibt es noch allerhand freie Stellen. „Eine Bassgitarre oder ein Kontrabass wären super. Und ein Cello finde ich persönlich toll“, fährt Mohamed fort. Außerdem sei auch ein Sänger oder eine Sängerin jederzeit willkommen, um die Band zu verstärken. Vielleicht erfüllt sich dann auch irgendwann der Traum vom eigenen Orchester...

Von Justine Büschel

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