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Die Dresdner Band Sir Robin & The Longbowmen spielt wieder in der Stadt

„Reverberation Fest 2016“ Die Dresdner Band Sir Robin & The Longbowmen spielt wieder in der Stadt

Sie halten viel von einem gewissen Überraschungseffekt. Was meint: Sie machen sich rar in der Stadt, aus der sie kommen. Beim Reverberation Fest am Wochenende spielen Sir Robin & The Longbowmen 2016 erst das zweite Mal in Dresden.

Sir Robin & The Longbowmen mit unseren Interviewpartnern Robin Heller (2.v.l.) und Friedrich Griese (M.), dazu kommen noch Felix Franzke, Thomas Jahn, Manuel Puschmann, Konrad Reichel und Stefan Hühn (v.l.).

Quelle: PR

Dresden. Sie halten viel von einem gewissen Überraschungseffekt. Was meint: Sie machen sich rar in der Stadt, aus der sie kommen. Beim Reverberation Fest am Wochenende spielen Sir Robin & The Longbowmen 2016 erst das zweite Mal in Dresden. Noch sehr aktuell, weil fein gelungen, ist ihre erste, im Januar erschienene selbstbetitelte Langspielplatte mit Rock’n‘Roll, so psychedelisch wie kompakt, so lebendig wie erdig.

Sir Robin & The Longbowmen sind sieben Musiker: Konrad Reichel (Gesang), Thomas Jahn (Synthesizer), Friedrich Griese (Gitarre), Stefan Hühn (Gitarre, Sitar), Manuel Puschmann (Orgel, Gesang), Felix Franzke (Bass, Gesang), Robin Heller (Drums, Percussion, Gesang), Präsent bei ihnen sind expressiver Gesang und der Sound der Orgel, was ihnen immer wieder Vergleiche mit den Doors und „alter“ Musik einbringt. Ob das immer nur schön ist, haben wir Robin Heller und Friedrich Griese im DNN-Gespräch gefragt.

Frage: Wenn man Sir Robin & The Longbowmen erlebt, egal ob auf Platte oder Bühne, kommen dem älteren Hörer sofort Referenzbands und Referenzepochen der Populärmusik in den Sinn. Was denkt eine junge Band, wenn sie immer wieder so etwas hört oder liest?

Friedrich Griese: Einerseits ist es natürlich gut, wenn man mit solch großen Bands wie der mit dem großen D (The Doors, d. A.) verglichen wird. Andererseits ist es einigermaßen ermüdend, wenn immer nur diese eine Referenzband genannt wird. Allein, weil wir eine Orgel dabei haben und einen Sänger, der vielleicht im Stile Jim Morrisons singt, sind wir nicht gleich automatisch wie die Doors. Denn der Vergleich kann durchaus auch daran liegen, dass sich derjenige, der ihn bringt, in den Sechzigern nicht so sehr gut auskennt. Da liegen die Doors nur am nächsten.

Gibt es seitens der Band überhaupt eindeutige Referenzen?

Robin Heller: Es gibt da sicher einen Grundtenor. Der allerdings setzt sich aus dem Geschmack aller Bandmitglieder zusammen. Ich persönlich höre nach wie vor äußerst gern Portishead oder Radiohead und war auch bei Massive Attack im Dresdner Konzert. Es gibt also bei uns Musiker, die alte Musik hören, genauso gut gibt es solche, die abseits dieses Spektrums unterwegs sind. Außerdem wäre es ziemlich anmaßend zu behaupten, dass man nicht im Grunde von jeder Art von Musik beeinflusst ist, die man hört.

F. G.: Ich komme eher vom Punk. Selbst dort ist es ja so, dass es schon in den Sechzigern Bands gab, die wie Prototypen späterer Punkbands klangen. Ich finde es generell schwierig, mich mit konkreter Musik zu verorten. Weil es einschränkt. Dass ich allerdings bei Sir Robin landen würde, also einer Band, die nicht gerade reinsten Punk spielt, hätte ich noch vor zwei Jahren nicht für möglich gehalten. Mein musikalischer Horizont hat sich durch diese Arbeit sehr erweitert. Nur Punk zu spielen, hätte mich wahrscheinlich schon nach kurzer Zeit gelangweilt. Es geht ja immer auch darum, andere Musik zu entdecken, indem man andere Musik spielt. Ich höre jetzt solche, der ich mich früher freiwillig niemals ausgesetzt hätte.

Sind bei euch direkte Linien zur Musik zu finden, die eure Eltern gehört haben?

R. H.: Ich kann es stellvertretend für fast jeden in der Band sagen, dass die Musik, die wir machen, eigentlich überhaupt nichts mit den Eltern zu tun hat. Ich wurde mit Nirvana, Dead Can Dance, Guns ‘n Roses oder Alice In Chains sozialisiert. Nichts also, was wir heute spielen würden. Als Band haben wir uns mehr oder weniger durchs Auflegen kennengelernt. Zwei von uns hatten schon vor sechs, sieben Jahren eine eigene Clubreihe mit Partymusik aus den Sechzigern.

F. G.: Ich bin schon als Kind durchs Wohnzimmer gesprungen und habe Luftgitarre zu Surf und Dick Dale gespielt Ich habe mich immer schon für Extreme interessiert. Erst Melvins, dann extremer Metal, obwohl es auch nicht lange gedauert hat, bis mich das wiederum ermüdet hat. Erst durch Sir Robin & The Longbowmen bin ich wieder zurück zum Sixties-Kram, zum Blues und so. Ich bin immer noch dabei zu entdecken. Pink Floyd aber und all das andere endlos lange Zeug hat mich nie richtig erreicht.

Merkt man die Unterschiede im Rezipieren von Musik direkt auch in der Bandarbeit?

F. G.: Ja, durchaus. Da sagt der Eine schon, man solle aufhören zu gniedeln, wo es der andere gerade richtig gut findet, wenn es schwebt.

R. H.: Der Prozess hin zum fertigen Lied oder gar zur fertigen Platte wird dadurch nicht gerade leichter …

F. G: Aber interessanter …

Ihr seid in einem Alter, wo die Musik der Eltern nicht unbedingt Strafe bedeutet. Väter und Mütter gehen ohne Scham und Probleme mit Söhnen und Töchtern in Konzerte und tauschen Platten. Gegenseitiges Igitt und blankes Entsetzen ist passé. Das müsste man eigentlich in den Konzerten von Sir Robin & The Longbowmen spüren …

F. G.: Ist so! Ich habe ja auch die Musik meiner Eltern gehört und sie haben sich für meine interessiert. Das war aber immer eher Interesse, nicht unbedingt Beeinflussung. In unseren Konzerten ist es unterschiedlich, meist sehr gemischt. Manchmal kommen wirklich überwiegend ältere Menschen, also jene über 39 … Woanders sind es vor allem Mittzwanziger. Das liegt daran, dass die Musik, die wir machen, in den letzten fünf, sechs Jahren Rückenwind bekommen hat. Auch dadurch wurden die Generationen wieder zusammengebracht. Die Jüngeren wollen eigentlich nur wissen, was wir gern h ö r e n und auf welche Konzerte wir g e h e n, während die Älteren schon fragen, weshalb wir ausgerechnet diese Musik m a c h e n. Ich weiß nur, dass wir in den letzten Jahren einfach gespielt haben, ohne groß nachzudenken, einen Plan zu haben und irgendeine Attitüde damit zu verbinden.

F. G.: Zu sehen, wie glücklich wir gerade ältere Zuhörer machen, ist auch etwas Besonderes. Mit einer Grindcore Band würde wohl keiner zu mir kommen und sagen, dass er gerade auf uns gewartet hat … Ich bin da manchmal überfordert. Ich will doch nur Musik machen!

R. H.: In Paris waren 50 Leute da. Die haben unsere Lieder mitgesungen. Wir hatten direkt vor dem Club unseren DDR-Campingwagen als Backstage-Raum aufgebaut, und da kamen immer wieder Besucher zu uns rein, die meinten, wir würden wie diese oder jene große Band klingen. Das war schon krass, das hat mich weggeblasen. Unsere Musik scheint irgendeinen Nerv zu treffen, besonders nach der Veröffentlichung unserer Platte.

Womit beschreibt Ihr das Eigene, das eure Musik ausmacht?

R. H.: Vor allem im Gesang, bei den Texten. Die müssen definitiv persönlich sein. Auch ich hatte ja mal die verblendete Vorstellung, mit Musik die Welt ein wenig besser machen zu können. Nicht, dass ich diesen Gedankengang nun absolut nicht mehr verfolge, aber gereift ist er schon, hat sich also verändert.

F. G.: Ich habe mir immer eine feste Band gewünscht. Also bringe ich mich voll ein, weil etwas rauskommt dabei. Und die Summe der einzelnen Teile ist eben Sir Robin & The Longbowmen. Das gibt es nur mit uns. Und vielleicht spielen wir ja wirklich mal in Japan …

Noch mal zurück zum Beginn. Was war es genau, das euch an der „alten“ Musik fasziniert hat? War es mehr als das „Handgemachte“, das wir immer wieder gern zitieren?

R. H.: Es war zunächst eine sehr eigene Erkenntnis, dass ich in der Musikgeschichte eigentlich noch einmal 50 Jahre zurück müsste, um die Bands der Sechziger einordnen zu können, Eindrücke zu sammeln und Einflüsse zu gewinnen. Meine Idealvorstellung wäre, dass die Leute wegkommen vom reinen „Klingt wie …“ und erkennen, dass es am Ende doch etwas Eigenes ist, das wir anstreben und dass wir dabei unsere Einflüsse nicht verleugnen. Ich glaube, dass man das auf unserer Platte schon gut hören kann. Es wird sich demnächst noch verstärken.

F. G.: Ich bin nur in der Band, um Musik zu machen. Ganz profan. Ich habe Sir Robin & The Longbowmen als Zuschauer gesehen und mich erst, als ich wirklich in der Band war, mit dieser Musik auseinandergesetzt. Das Potenzial hat mich gereizt: Sieben Musiker mit sieben Hintergründen und sieben Verweisen in die Musikgeschichte.

Die Band existiert seit 2011. Wie schwer war es, eine Truppe wie Sir Robin & The Longbowmen zum Laufen zu bekommen, wie schwer ist es, sie beieinander zu halten?

R. H.: O, die Frage der Fragen! Was in einem WG-Zimmer mit einem Schlagzeug und einer Orgel begonnen hatte, war der Beginn einer permanenten Transformation. Heute sind Manuel und ich die einzigen Urmitglieder. Es gab inzwischen drei verschiedene Gitarristen, drei Bassisten, anfangs überhaupt keinen Sänger. Wir waren zu viert, zu fünft, dann sieben. Einige sind von selbst gegangen, andere wurden gegangen, weil eine Zusammenarbeit in unserem Kontext nicht möglich war. Jetzt versuchen wir uns gerade an Stabilität.

F. G.: Wir sind in einer Phase, in der jeder für sich selbst entscheiden muss, was die Band für ihn persönlich bedeuten soll. Wir reden viel darüber, zu zweit, in der Gruppe. Wir sind uns einig, dass wir weiter zusammen und konstruktiv Musik machen wollen. Das ist aber nicht leicht. Wohnorte, Ausbildungen, Lebensumstände verändern sich ständig, eine Probe mit sieben Leuten zu machen, ist schwer. Einfach mal eine Tour zusammenzubekomme, ist auch sehr schwer.

R. H.: Es ist gerade vielleicht eine entscheidende Phase am Laufen. Die meisten von uns sind Mitte, Ende 20, wo in relativ kurzer Zeit sehr viele wichtige Lebensentscheidungen zu treffen sind. Wer investiert wieviel in die Band? Das kann nicht bei allen das gleiche Maß sein. Ich persönlich würde am liebsten nur Musik machen und ich weiß, wie schwierig es ist. Ich weiß aber auch, dass es sich mit Sir Robin & The Longbowmen lohnt.

Die LP ist hervorragend gelungen, die Konzerte sind erfolgreich. Das müsste eigentlich Schub geben ….

R. H.: Ja, eigentlich müsste es das. Aber wir schaffen es beispielsweise einfach nicht, eine richtige Promotionkampagne hinzubekommen und all die Anfragen zu koordinieren, die wir bekommen. 90 Prozent unserer Platten verkaufen wir nach Amerika, Großbritannien und Australien. Es sind nur noch wenige Exemplare der ersten Auflage übrig, viele erkennen schnell unser Potenzial. Es könnte also besser laufen. Zumindest haben wir für die Zukunft mit Dynamite Booking eine Deutschlandweit arbeitende Agentur. Und wir arbeiten weiter an neuem Material.

Eine leicht ketzerische Frage am Schluss. Was bedeutet Dresden für euch?

R. H.: Dresden ist eine Stadt, in der man als Musiker relativ schnell in gewisse Kreise rutscht, die einem vieles leichter machen. Kreativ eingeschränkt fühle ich mich hier nicht. Und ich wohne hier nach wie vor sehr gern, obwohl mich vieles an der Stadt einfach sauer aufstoßen lässt. Anders als 2010, als ich nach längerer Zeit in London wieder herkam und dachte, dass ich nie wieder weggehe, würde ich es heute nicht mehr ausschließen.

F. G.: Das geht mir ähnlich. Bis auf ein Jahr in Leipzig war ich immer hier. Ich würde nicht sagen, dass ich übersteigerte Heimatverbundenheit empfinde. Dresden ist und bleibt eine schöne Stadt, aber vieles ist hier wie unter einer Glocke. Dresden ist zwiespältig. Man muss ab und zu mal weg von hier, um wiederzukommen.

R. H.: Ich möchte mich nicht so sehr von Orten abhängig machen. Ich mag es einfach, wenn Dinge sich ergeben.

Von Andreas Körner

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