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Die Ausstellung "Kirunatopia" im Kunsthaus Dresden - Zwischen Eisenerz und Braunkohle

Die Ausstellung "Kirunatopia" im Kunsthaus Dresden - Zwischen Eisenerz und Braunkohle

Die Ausstellung "Kirunatopia" im Kunsthaus Dresden eröffnet einen zugleich dokumentarischen und künstlerischen Zugang zu zwei sehr unterschiedlichen und doch sehr ähnlich geprägten Landschaften und ihren Ressourcen in Nordschweden und in der Lausitz.

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Ein Ausschnitt des "LAKOMA-Archiv der Lausitz" im rechten Eingangsfoyer bildet den Auftakt der Ausstellung.

Quelle: Kunsthaus

Ausgangspunkt und zugleich Titelgeber der Ausstellung ist die nördlichste Stadt Schwedens. Kaum jemandem bekannt, ist der knapp 20 000-Seelenort Kiruna seit seiner Gründung als Bergbausiedlung im 19. Jahrhundert doch ein globaler Dreh- und Angelpunkt, um den weltweiten Bedarf an Eisenerz zu decken. Die Stadt und ihre landschaftliche Umgebung stehen exemplarisch für die Auswirkungen von Industrialisierung und nationalen wirtschaftlichen Interessen. Abgesehen von erdbebenähnlichen Erschütterungen durch regelmäßige Sprengungen, ist die Mine mittlerweile so weit unter die Stadt vorgedrungen, dass sich Risse in Böden und Häusern bilden und ganze Ortsteile umgesiedelt werden müssen. Die Veränderungen im Landschaftsbild werfen Fragen auf nach Demokratie und Bürgerbeteiligung, die aus den Abwägungen zwischen Rohstoffgewinnung und langfristiger Absicherung der Lebensqualität erwachsen.

Um diese Fragen und Positionen künstlerisch aufzugreifen, hat das Goethe-Institut Schweden gemeinsam mit regionalen Kulturpartnern 2011 ein Artist-in-Residence-Programm ins Leben gerufen, das die sozialen, stadträumlichen und landschaftlichen Themen beobachten und reflektieren soll. Herausgekommen ist das komplexe Bild einer Region, die sich nicht nur landschaftlich stark veränderte und immer noch verändert, sondern dank ihrer Lage im Gebiet des indigenen Samenvolkes bis heute Fragen nach territorialer Vereinnahmung und Interessenkonflikten aufwirft.

Das Kunsthaus Dresden hat die für Schweden vorliegenden, künstlerischen Rechercheergebnisse nun aufgegriffen und nach Parallelen im sächsischen Raum gesucht. Für die Suche musste nicht weit vor die Grenzen der Landeshauptstadt gezogen werden, ist doch die nahe Lausitz ebenfalls ein Paradebeispiel für eine vielfach stillgelegte und teilweise noch aktive Industrielandschaft, die im Zuge der Braunkohleförderung massive Veränderungen erfahren hat. "Wir haben auf das Projekt in Schweden reagiert, den Ball aufgegriffen", erklärt Christiane Mennicke-Schwarz, die Kuratorin der Ausstellung und Leiterin des Kunsthaus Dresden. Dabei wurde die Kunst gewissermaßen als Reflektionsgröße für unser heutiges Bild von Landschaft zugrunde gelegt.

Für den regionalen Part der Ausstellung sind in der Auseinandersetzung mit der Landschafts- und Ressourcenthematik einige neue Arbeiten entstanden. Hinzu kamen einige Leihgaben des Kunstfonds der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und der Materialsammlung LAKOMA - Archiv der Lausitz. Entsprechend dem sehr konzeptuellen Zugang begegnen dem Besucher beim Ausstellungsrundgang kaum Werke mit einer überwiegend künstlerischen Ebene, stets muss der soziale und regionale Kontext mitgedacht werden. So hat die Leipziger Künstlerin Heide Nord Statistiken zur Ökobilanz der Kohle künstlerisch umgesetzt. In ihren aus dem Kontext gerissenen bunten Balkendiagrammen wird der ohnehin oft zweifelhafte Informationsgehalt der Statistiken durch ihren rein dekorativen Charakter ersetzt. "Das Formalisierte der Formalisierung" nennt es Kuratorin Mennicke-Schwarz. Schwer zu entschlüsseln, dennoch ästhetisch überzeugend ist die Arbeit von Grit Ruhland, die in einer komplexen Wandinstallation nebst davor platzierter Wunschbrunnen-Wunderbaum-Verbindung ihr langjähriges Forschungsprojekt zur Uranbergbau-Folgelandschaft der Wismut aufbereitet hat. Der Zerfallsprozess von Uran ist nicht vorhersagbar. Ruhland untersucht also auch den Zufall. In ihrer philosophischen Herangehensweise hat sie Tagebuchaufzeichnungen ihrer Landschaftsbeobachtungen mit Zeichnungen, kulturgeschichtlichen Betrachtungen und einem Strahlungsmesser verknüpft.

Auf die ressourcenabbaubedingten Veränderungen in ihrer nordschwedischen Heimat nimmt auch die Künstlerin und Minenarbeitertochter Agneta Andersson Bezug. Während in der Lausitz in den Tagebaurestlöchern neue Seen entstehen, werden in Kiruna Seen abgepumpt, damit die Minen nicht volllaufen. Mit ihrer Bodeninstallation "The lake" aus eissplitterähnlichen Glasflächen verarbeitet Andersson den Verlust des Sees, an dem das Haus ihrer Kindheit stand.

In den insgesamt 22 Künstlerpositionen wird ein großer Strauß an Themen aufgemacht, der nicht eben leicht konsumierbar, aber dank des ausführlichen Beihefts gut nachvollziehbar ist. Manche Werke sind zudem so platziert, dass die akzentuiert gesetzten Parallelen zwischen Nordschweden und der Lausitz zusätzlich deutlich werden, wenn etwa Britta Marakatt Labbas Installation eines samischen Zeltaufbaus mit traditioneller Nomadensymbolik den historischen Fotografien sorbischer Dörfer und Brauchtümer von Jürgen Matschie gegenübergestellt werden. So hätten bei der Zusammenführung der beiden Themen und der jeweiligen Künstler alle Beteiligten auch viel voneinander erfahren, erzählt Mennicke-Schwarz.

bis 15. März, Kunsthaus Dresden, Rähnitzgasse 8, geöffnet Di-Do 14-19, Fr-So 11-19 Uhr, Eintritt 4 Euro, Fr Eintritt frei

www.kunsthausdresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.01.2015

Susanne Magister

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