Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 2 ° Schneeregen

Navigation:
Google+
Die Ausstellung „Hänsel und Gretel“ im Knopx vereint Film, Malerei und Lokalfotografie

Eine perfekte Symbiose Die Ausstellung „Hänsel und Gretel“ im Knopx vereint Film, Malerei und Lokalfotografie

Düstere Szenarien, plastische Figuren und verzerrte Proportionen, durchzogen von einer leiderfüllten Geschichte – so lässt sich der Film „Hänsel und Gretel“ des Dresdner Studios Balance Film beschreiben. Das klingt zwar nicht gerade nach dem typischen Kinderfilm für die Vorabendstunden, doch einen solchen hatte Wilhelm Grimm auch ganz sicher nicht im Sinn, als er den Stoff um 1810 aufs Papier brachte.

Voriger Artikel
Nancy Aris in Dresden ihren Roman „Dattans Erbe“ vor
Nächster Artikel
Kreuzkantor Roderich Kreile über das Jubiläumsjahr und die Zukunft

Die Ausstellung widmet sich der Entstehung des Animationsfilmes „Hänsel und Gretel“.

Quelle: Balance Film

Dresden. Düstere Szenarien, plastische Figuren und verzerrte Proportionen, durchzogen von einer leiderfüllten Geschichte – so lässt sich der Film „Hänsel und Gretel“ des Dresdner Studios Balance Film beschreiben. Das klingt zwar nicht gerade nach dem typischen Kinderfilm für die Vorabendstunden, doch einen solchen hatte Wilhelm Grimm auch ganz sicher nicht im Sinn, als er den Stoff um 1810 aufs Papier brachte.

Diesem besonderen, bereits 2013 entstandenen Film ist aktuell eine Ausstellung in der Galerie Knopx auf der Königsbrücker Straße 43 gewidmet. Dort lässt sich nicht nur die bemerkenswerte Entstehung des Films nachvollziehen, sondern auch die Geschichte einer begabten Malerin und Illustratorin aus dem Elsass, die mit dem Jugendliteraturpreis von 2008 ihren Anfang fand.

Die Idee zur Ausstellung kam vom Grafikdesigner Steffen Knopek, der gemeinsam mit seiner Frau Andrea seit mehr als zwei Jahren jungen Künstlern im Ausstellungsraum vor dem Büro ihrer Agentur eine Plattform bietet. Balance-Filmemacher Ralf Kukula und Designer Steffen Knopek kennen sich schon lang.

2008 veröffentlichte die Malerin und Illustratorin Susanne Janssen ihre Version des altbekannten Grimm-Märchentextes, illustriert mit archaischen und düsteren Großformaten. Das brachte ihr den Jugendliteraturpreis und die Aufmerksamkeit des Dresdner Filmemachers Ralf Kukula ein. „Ich war von dem Buch und der Optik begeistert“, sagt Kukula. Sofort reifte in ihm die Idee für einen animierten Kurzfilm. Balance Film sei laut dem ehemaligen Defa-Mitarbeiter zwar mittlerweile „raus aus den Kinderschuhen“, in die Kurzfilme ja traditionell gehören, doch man sei immer auf der Suche nach besonderen künstlerischen Handschriften. Um ihre ästhetische Mischung aus Zeichnungen, Ölmalerei und Collagen in einem gut zehnminütigen Kurzfilm zu animieren, musste auch Susanne Janssen noch einmal richtig viel Arbeit investieren. „Nach meinem Besuch in ihrem Atelier im Elsass war sie von der Idee begeistert. Ich bezweifle nur, dass sie zugestimmt hätte, wenn ihr das volle Ausmaß der Arbeit klar gewesen wäre“, erinnert sich Kukula humorvoll.

Janssen, die sonst in „etwas anderen“ Maßstäben zeichnet, sprich ganzseitige bis metergroße Formate, brachte alle Figuren ihres Buches noch einmal mit Farben auf Papier, jedes Körperteil, inklusive Lippen, Ohren, Beine, Kleidung und Augenbraue, bis auf das winzigste Detail, in verschiedenen Größen und Perspektiven. Anschließend wurden die einzelnen Körperteile von Hänsel, Gretel, Mutter, Vater und Hexe im Balance Film Studio digitalisiert. Die Körperstudien Janssens sowie der fertige 2D-Animationsfilm von Kukula bilden den Hauptteil der Ausstellung im Knopx.

Dabei birgt der Film noch viel mehr als beeindruckendes Struktur- und Detailreichtum – nämlich eine ganze Menge Lokalkolorit, der Hänsel und Gretel zu Dresdner Kindern werden lässt. Kukula entschied sich aus rechtlichen und technischen Gründen dafür, für den Film einen völlig neuen Hintergrund zu designen. Zum Einsatz kamen dabei seine Anfang der 90er Jahre aufgenommenen Fotocollagen von der Gasanstalt in Reick sowie vom Alten Schlachthof. Im Film geben einzelne Gebäude auf den Fotografien dem Elternhaus von Hänsel und Gretel sowie dem Hexenhaus eine Darstellung. Kukulas Fotografien sind ebenfalls ausgestellt. „Der neue Hintergrund ist ein echter künstlerischer Bruch zum Buch, war aber zwingend notwendig“, erklärt Kukula.

Das Ergebnis überzeugt. Die Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW) verlieh Kukulas Film das Prädikat „besonders wertvoll“, gezeigt wurde er auf Festivals, in Programmkinos und in der ARD. Dabei folgt das Dresdner „Hänsel und Gretel“ anderen Spielregeln als der klassische Animationsfilm. Ohne Sprache, nicht ganz so geschmeidig, aber dafür enorm detailreich und üppig gestaltet. Deutlich wird das in Knopeks Ausstellung. Mit Auge fürs Detail arrangiert, bilden die Schnittstellen von Malerei, Film und Fotografie eine interessante Symbiose. Janssens Malerei findet sich unter dem großen Schriftzug „Vor einem großen Walde wohnte ein armer Holzhacker mit seiner Frau und seinen zwei Kindern...“ umrahmt von Wandporträts der Kinder wieder. Kukulas Fotografien geben einen Einblick in die aufwendige Gestaltung des Films, der aus über 30 aufeinanderliegenden digitalen Schichten und Filtern besteht.

Für Ralf Kukula und sein Team ist die Ausstellung eine weitere Bestätigung ihrer erfolgreichen Arbeit. Für das Jahr 2017 stehen bei Balance Film auch schon wieder die nächsten spannenden Projekte an. Am 28. April, pünktlich zum Tag der Superhelden, feiert Kukulas neuer Kinder-Superhelden-Film „Höchste Zeit Herold“ Premiere. Außerdem wird es die dritte Staffel der „Sandmanzen“ auf KiKa und MDR zu sehen geben. Auch ein abendfüllender Kinofilm namens „Die Odyssee“ zum Thema Flüchtlinge und Migration in Kooperation mit MDR und Arte wird derzeit verwirklicht.

Ausstellung mit Film: „Hänsel und Gretel“, Knopx, Königsbrücker Straße 43. Geöffnet: Mo. bis Fr. 10 bis 17 Uhr. Bis Ende Februar.

www.knopx.de; www.balancefilm.de

Von Sebastian Burkhardt

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr