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Regional Die Alte Feuerwache Loschwitz und ein internationales Kunstprojekt in Dresden
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18:55 14.08.2017
Pit Kinzer: „ParkPlatz“, zu sehen bis zum 18. August an der Ecke Strehlener Straße / Uhlandstraße. Quelle: siehe Dateiname
Dresden

Was ist ein „Display“ und welche Rolle spielt der Begriff in der modernen medialen Kunst? Und was bedeutet in diesem Zusammenhang das Wortspiel mit dem Begriff „Displaced“? Wie funktionieren beide Begriffe miteinander als Ausdruck von öffentlicher Wahrnehmung und Ausgrenzung?

Der Verein Alte Feuerwache Loschwitz e.V. startete am vergangenen Freitag ein internationales Kunstprojekt, das diese Fragen zu beantworten versucht: 43 internationale und nationale Künstler trafen sich in der Alten Feuerwache Loschwitz, um ihre Kunstwerke mit einer spektakulären Performance zu eröffnen. Am Samstag fuhr ein Cabrio-Bus alle 36 Stationen mit Großflächenplakaten (bill boards) ab, die im Stadtraum Dresden verteilt, provokant und erfrischend bis zum 18. August auf sich aufmerksam machen. Kern des internationalen Kunstprojektes ist eine Ausstellung in der Galerie Alte Feuerwache mit sieben Künstlern aus dem In- und Ausland, die das Problem um Identität und Anderssein, Wahrnehmung und Verdrängung thematisiert.

Frauke Thielking: „Parking“, Ecke St. Petersburger Straße / Weisenhausstraße. Quelle: Galerie

Auf der Fotowand von Dona Abboud aus Syrien erfährt man etwas über den syrischen Alltag zwischen Krieg, Vertreibung und Frieden, der in bestimmten Punkten unserem täglichen Leben auffallend ähnelt. Intimes und Öffentliches treffen hier in einem Puzzle aus hunderten Facebook-Kleinfotos aufeinander, Familie, das Verhältnis zwischen Freunden, das Leben auf der Straße und zwischen den Kampffronten kreuzen sich Foto für Foto. Schriftzüge sind dazwischen gesetzt, Parolen und Plakattexte, auch solche, die zum Hass aufrufen. Man spürt Dona Abbouds Nähe zu den Freunden, die einen intimen Blickwinkel auf die syrische Gesellschaft ermöglichen. Menschen, die trotz Krieg ihr Leben leben. Facebook wird zur Bühne existenzieller Beziehungen und zur Quelle persönlicher Informationen.

Das Thema „Verdrängung“ beschäftigt Guillermo Fiallo Montero. Seine Installation besteht aus zwei Teilen: Ein Zeitungsausschnitt mit geschwärzten Textstellen, die wie Zensur anmuten und dennoch das Gegenteil bewirken und den Betrachter zum Entziffern auffordern, sowie fünf „Büropflanzen“ aus staatlichen Ämtern, die vor Jahrhunderten aus den Tropen eingeführt wurden: „Sachsenkraut“/Rathaus 2/14 aus Ruanda importiert 1856, die „Pfeilwurz“ aus Brasilien, 1858 eingeführt – viele kennen die Herkunft dieser Topfpflanzen nicht mehr.

Otto Snoeks Thema sind nationale Aufmärsche in verschiedenen Ländern. Seine Farbfotografien entstehen im Stil einer „Momentaufnahme“. In jedem Land der EU hat er Nationalfeiertage und Gedenktage mit der Kamera begleitet. In Zeiten der Rückbesinnung auf die nationale Geschichte entstehen plötzlich wieder rechtsgerichtete Nationalgefühle, die sich in den Aufmärschen kundtun. Snoek interessiert dabei die Gruppendynamik und das Phänomen der Masse, Kleidung, aber auch Gesichtsausdrücke.

Die in Syrien beheimatete Künstlerin Heba Alansari fand bei einem Heimataufenthalt in einem völlig verwahrlosten Gebäude das Mathematikbuch eines syrischen Mädchens, dessen Name sie über Freunde herausfand: Sie hieß Noura Bazakati. Sie war zwölf Jahre, als die tödlichen Bomben ihr Haus trafen. Zerstörung gehört zur syrischen Normalität. Das Buch steht dafür, aber auch für den Widerstandswillen der Bevölkerung. Die Installation besteht aus zwei Büchern, dem Originalbuch und einem Künstlerbuch von Heba Alansari, das ihre eigene „private, neue Mathematik“ entwirft abseits der realen Logik.

Ludwig Kupfer: „and the living is easy“, Ecke Freiberger Straße / Jagdweg Quelle: Galerie

Tilman Hornig schuf einige Textleinwände, Fragemente unterschiedlicher Quellen, die neu kombiniert und abstrahiert als Texte nicht mehr rezipierbar sind. Träger der Texte sind Leinwände (sie erinnern an Leinwände der klassischen Malerei) und Festplatten. Dem Künstler geht es um Inhaltlichkeit und Lesbarkeit, die sich beim Betrachter unmittelbar beim Anblick eines Textes offenbaren („destroy the past, make the future“).

Amer Mater ist ein Filmkünstler des Syria Mobile Festival. Die mobilen Videos spielten eine revolutionäre Rolle bei der Entwicklung der arabischen Protestbewegungen. Durch die Zusammenarbeit mit internationalen und arabischen Festivals versucht das syrische Festival, Teil der globalen Szene zu werden und außerdem Freie und unterschiedliche filmische Visionen abzubilden, die zeigen, dass das „schärfste“ Bild nicht immer das „klarste“ sein muss.

Marcel Walldorfs sachliche Bildobjekte frappieren durch ihren Minimalismus. Panierte Leinwände machen die Leere zum Thema. Walldorfs Still ist sachlich, dabei sind die Einzelheiten aufwendig gestaltet. Motive und Materialien verweisen auf die urbane Welt und private Wohnräume jenseits der Galeriewände. Mit seinen Bildobjekten inszeniert er Räume unbeobachteter Momente und gibt Impulse zum Schmunzeln oder zum Lachen.

An 36 Orten in Dresden sind bis zum 18. August Kunstwerke auf Großflächenplakaten (bill boards) zu sehen.

bis 3. September. Fidelio-F.-Finke-Straße 4, 01326 Dresden; geöffnet So- Do 12-18 Uhr Sa 14-18 Uhr

www.Feuerwache-Loschwitz.de

Von Heinz Weißflog

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