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16:37 08.09.2017
Das Zentralwerk auf der Riesaer Straße Quelle: Rene Jungnickel
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Dresden

Zehnmal hat der Zentralwerk e.V. (hervorgegangen aus dem ursprünglich auf der anderen Elbseite angesiedelten friedrichstadtZentral e.V.) mit seiner Ausstellungs-, Musik- und Performanceschau „Sichtbetonung“ in den letzten Jahren auf sich aufmerksam gemacht, bevor das geschichtsträchtige Baudenkmal auf der Riesaer Straße in Pieschen im Mai dieses Jahres per offizieller Eröffnung endgültig mit dauerhaftem Leben gefüllt wurde. Die elfte Ausgabe scheint nun in ihrem Titel „ENDE AUF“ vorwegzunehmen, wie es weitergeht. Oder eben auch nicht?

„Wir lassen es offen. Es kann aber sehr gut die letzte Sichtbetonung sein,“ erklärt Barbara Lubich, die als Künstlerin und Filmemacherin das innovative Format von Anfang an mit geprägt hat. Man könne auch gut Sachen beenden, findet sie. Schließlich sei mit dem neuen Ort, der nun endlich in Besitz genommen werden konnte, etwas entstanden, das wie ein Selbstläufer funktioniert. Ohne viel Zutun entstehen hier unter den Bewohnern und Ateliernutzern ein reger Austausch und Kooperationen, die eine Menge Potential haben.

Zunächst haben die Macher für das Wochenende aber noch einmal ein dichtes Veranstaltungspaket geschnürt. Am heutigen Samstag (17 Uhr) wird die elfte Sichtbetonung mit der Ausstellung „Liaison“ eröffnet. Jene „Liaison“ eingegangen sind die Dresdner Künstlerin Anja Kempe und der indische Künstler Kunjikuttan Narayanan, der mit Unterstützung des Goethe-Instituts Bangalore für zwei Monate im Zentralwerk leben und arbeiten konnte. Das Ergebnis ihrer künstlerischen Zusammenarbeit ist dann noch bis 24. September (Do-Sa, 16-19 Uhr, So, 13-16 Uhr) im neu geschaffenen Ausstellungsraum – dem Kabinett im Zentralwerk – zu sehen.

Ab 18 Uhr sind am Samstag auch die Tore im Gemeinschaftshaus mit (noch teilweise in Sanierung befindlichen) Ballsaal, den Türmen, einigen Ateliers und dem Hof für die Besucher geöffnet. Was sie erwartet, ist ungewöhnlich, verzaubernd, mitunter verstörend und hat immer irgendwie mit „ENDE AUF“ zu tun – einem Abschluss, der zugleich auch Schwelle zu etwas Neuem ist: Während der Komponist Manos Tsangaris eine Applaus-Dusche spendet, sprengt der Künstler Heinz Schmöller den monumentalen Zentralwerk-Hasen und gibt ihm so ein endgültiges Ende. Die Künstlerinnen Barbara Lubich und Antje Pfundtner gehen in ihrer Videoinstallation „Letzte Schritte“, während Paul Göschel mit seiner Lichtinstallation „Hommage an die Glühbirne“ erleuchtet, dass Totgesagte länger leben, und die Dresdner Künstlerin Cizzy G. mit ihrer performativen Installation auf der Damentoilette einen „Gefallenen Engel“ zeigt. Der Reigen aus Installationen, Malerei-, Fotografie- und Grafikpräsentationen, Performances, Lesungen, Puppenspiel und Musik setzt sich bis in die Nacht fort. Am Ende darf getanzt werden.

Der Sichtbetonungssonntag (11-18 Uhr) fällt in diesem Jahr wieder einmal auf den „Tag des offenen Denkmals“. Dessen Motto „Macht und Pracht“ lässt sich in dem Baudenkmal des Zentralwerks mit seiner wechselvollen Geschichte als Munitionsfabrik und Großdruckerei, in dem nach jahrelangem Leerstand bis zu seiner Erschließung als Zentrum der Kreativwirtschaft Geschichte und Gegenwart verschmelzen, glänzend nachvollziehen. Neben weiteren Performances, Musik und Lyrik-Lesungen (Peter Rother) ist das Konzert des Dresdner Bandonion-Orchesters um 16 Uhr ein Highlight der 11. Sichtbetonung. Nach über 20 Jahren kehren die (größtenteils) betagten Musiker erstmals an ihre alte Probenstätte zurück und bespielen den Festsaal des Gemeinschaftshauses im Zentralwerk. Das Bandonion (für den Laien eine Art Mischung aus Harmonika und Akkordeon) verbindet dabei wie kaum ein zweites Instrument regionale Tradition (dank seiner erzgebirgischen Ursprünge vor gut 180 Jahren) und Weltoffenheit, hat es doch als deutscher Exportschlager die Entwicklung des argentinischen Tangos entscheidend mitgeprägt. Das passt hervorragend zum künstlerischen Konzept der letzten Sichtbetonung am wiederbelebten Kunstort, findet Barbara Lubich. Eine Ende kann immer auch ein Anfang sein. Fortsetzung (in neuen künstlerischen Formaten) folgt.

11. Sichtbetonung „ENDE AUF“ am Sonnabend und Sonntag im Zentralwerk Dresden (Riesaer Str. 32)
Ausstellung „Liaison“ im Kabinett des Zentralwerk, bis 24.9. (Do-Sa, 16-19 Uhr, So, 13-16 Uhr)

www.zentralwerk.de

Von Susanne Magister

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